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Bild-Zeit,Zeitgestalt und Erzählstruktur in der bildenden Kunst des 14. und 15. Jahrhunderts

Bild-Zeit,Zeitgestalt und Erzählstruktur in der bildenden Kunst des 14. und 15. Jahrhunderts

Götz Pochat (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/D3572
  • Förderprogramm Buchpublikation
  • Status beendet
  • Projektbeginn 07.10.2003
  • Projektende 07.10.2013
  • Bewilligungssumme 18.453 €

Wissenschaftsdisziplinen

Kunstwissenschaften (100%)

Abstract

Das vorliegende Buch setzt eine Untersuchung fort, die sich mit der Zeitproblematik in der bildenden Kunst befaßt. In dem 1996 erschienenen ersten Teil der "Bild / Zeit" wurde den unterschiedlichen Modalitäten einer Phänomenologie der Zeit in der Kunstentwicklung von den Anfängen bis in die frühe Neuzeit nachgegangen: Bewegungsdarstellung, Schilderung eines Mythos bzw. einzelner Phasen eines Handlungsablaufs; Einordnung einzelner Szenen in den übergreifenden Kontext der Historie oder in die teleologisch ausgerichtete Heilsgeschichte. Mit dem schnell sich entwickelnden Illusionismus in der frühen Neuzeit eröffnete sich dem Künstler ein immer breiteres Spektrum der zeitlichen Ausdifferenzierung vorgegebener Gestalten und Geschehnisse. Aktion und Reaktion, äußere Handlungsabläufe und psychische Prozesse dienten der Sichtbarmachung und Entfaltung innertextueller Prozesse in einem bislang ungekannten Ausmaß. Dementsprechend erfuhr auch die Erlebniszeit des Betrachters im ästhetischen Nachvollzug der vorgestellten Geschichte eine emphatische Vertiefung - dabei stellten das nicht Gezeigte, das implizit Gedachte und Verweisende, den Rezipienten vor neue Aufgaben zeitlicher Einordnung und Interpretation. Das Schwinden des kultischen Zeichens zu Gunsten des Erzählerischen und der damit verbundenen Rahmenmotive führte zu einer fortschreitenden Komplexität zeitlicher Bezüge und zu entsprechenden subjektiv geprägten und zugleich offenen Bewußtseinsprozessen seitens des Rezipienten. Dies gilt auch für den Wandel der Gestaltungsprinzipien in der religiösen Kunst des 14. Jahrhunderts, die den neuen Typus des Andachtsbildes entwickelt, in dem durch bewußte Reduktion und Segmentierung der subjektive Nachvollzug des vorgestellten Themas gezielt eingefordert wird. Bei der "Eroberung der sichtbaren Welt" im 15. Jahrhundert schlug man in Italien bzw. in Burgund und den Niederlanden unterschiedliche Wege ein. In Italien ruhte das Hauptaugenmerk auf der Darstellung der menschlichen Figur und in weiterer Folge auf der glaubhaften Inszenierung einer istoria, sowohl im religiösen wie im profanen Kontext. Die Protagonisten wurden in einen vorkonzipierten Handlungsraum eingefügt, dessen tiefenräumliche Struktur zugleich eine zeitliche Hierarchisierung von Vergangenem und Zukünftigem in Hinblick auf den gewählten Augenblick erlaubte. Die Niederländer haben die empirische Erkundung des Sichtbaren auf die Spitze getrieben und zugleich die präzise Wiedergabe der Welt in ihrer unerschöpflichen Vielfalt von der göttlichen Allmacht ein Zeugnis ablegen lassen. Dabei treten höchst unterschiedliche Gestaltungsprinzipien auf, von der "Stillegung des Blickes" bis hin zur Dramatisierung des Augenblicks, oder der Weg nach innen, durch die Auslotung der vom Wunder getroffenen menschlichen Psyche. Auf die Bedeutungsträchtigkeit der Einzeldinge kann aus dem raum-zeitlichen Kontext geschlossen werden, sie bleibt aber offen und von dem Erfahrungshorizont des Betrachters abhängig. Diese allgemeinen Feststellungen dienen nur als ein grobes, eigentlich den Kunsthistorikern längst vertrautes Raster. Erst aus der Analyse der einzelnen Werke, ob Malerei, Relief oder Plastik, läßt sich der Zeitaspekt herausarbeiten, der so konstitutiv zum Werkcharakter und zugleich dem hermeneutischen Kreis der Interpretation einen Beitrag leistet. So setzt die Darstellung des 15. Jahrhunderts mit den Florentinern, Masaccio, Fra Angelico, Ghiberti und Donatello an; ihnen stehen Robert Campin, van Eyck und Rogier van der Weyden gegenüber. Die zweite Generation setzt mit Pollaiuolo und Ghirlandaio an, um mit Botticelli, Bellini und Leonardo zu enden. Die Altniederländer sind durch Dieric Bouts, Geertgen tot Sint Jans, Hugo van der Goes und Hieronymus Bosch vertreten. In den großen Triptychen des letzteren spielt die `Zeit` als fundamentaler Faktor mit hinein, die Verstrickung des Menschen im Kreatürlichen, Diesseitigen steht dem Erlösungsgedanken diametral entgegen.

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