Auf die sozialen und kulturellen Fragen, die sich im Prozess zunehmend globaler Erweiterung den nationalen
Gesellschaften mit wachsendem Drängen stellen, muss mit weitreichenden Überlegungen geantwortet werden. In
der Soziologie trifft dies disziplinäres Selbstverständnis und wissenschaftliche Aufgabenstellung, das Verhältnis zu
anderen Disziplinen, zu Politik und Praxis, und schließlich das, was bislang die theoretisch und methodisch
begründeten Abgrenzungen von Objektbereichen oder Forschungsfeldern sinnvoll erscheinen liess. Nicht zuletzt
rühren solche Fragen auch an die gesellschaftliche Rolle der Sozialwissenschaften, die in den letzten zwei
Jahrzehnten mit der Vorstellung einer "Krise" dieser Wissenschaften assoziiert worden ist.
Die Themenbereiche, unter denen diese Umbrüche im vorliegenden Sammelband diskutiert werden, betreffen die
Verflechtungen von Theorie und Praxis, die Alters- und Generationenforschung, Gebiete der
Entwicklungssoziologie und der Internationalisierung, Lebenslauf und Lebensqualität, Arbeitsteilung zwischen den
Geschlechtern, Gesundheit und Prävention sowie epidemiologische und ethnologisch-soziologische Fallstudien in
Afrika. Unschwer wird erkennbar, dass wir es in verschiedenerlei Hinsicht mit einer Umbruchsituation zu tun
haben.
Autoren und Autorinnen aus Grossbritannien, Frankreich, Deutschland und Österreich (unter ihnen so bekannte wie
C. Attias-Donfut, U. Beck, M. Kohli oder M. Johnson und U. Lehr sowie L. Rosenmayr) entfalten unter den
genannten Umbruchperspektiven Analysen und Vorschläge, die die Rolle der Interdisziplinarität in der Soziologie
neu bestimmen lassen können, anhand überbordenden empirischen Detailmaterials in verschiedenen
Forschungsfeldern einen erheblichen Theoriemangel sichtbar machen, und die Neubestimmung von
Forschungsaufgaben nahe legen.
Die weiten Perspektiven, die angelegt werden, bieten Anlass zu vielfältiger wissenschaftlicher Auseinandersetzung.