Das kulturelle Erbe ist Teil unserer Identität. Gebäude und ihre Anordnung bilden einen Rahmen, der die
Erinnerung festhält und als "Heimat" empfunden wird.
Besonders auf der südpazifischen Inselgruppe Samoa werden Kultur und Gesellschaft von der traditionellen
Architektur versinnbildlicht. "Jeder kennt seinen Platz" ist ein gebräuchliches Sprichwort in Samoa, charakteristisch
sowohl für die Gesellschaft, wie auch für das überlieferte samoanische Haus, das fale, das in seiner engen
Verknüpfung mit der samoanischen Gesellschaft ein wichtiges nationales Symbol darstellt.
Eine Dokumentation der indigenen Architekturtraditionen kann deshalb nur in Zusammenarbeit verschiedener
Disziplinen erfolgen. Basierend auf dieser Vorgabe initiierte das Institut für Baukunst, Bauaufnahmen und
Architekturtheorie der Technischen Universität und das Institut für Kultur- und Sozialanthropologie der Universität
Wien eine interdisziplinäre Feldforschung in Samoa. Experten und Studierende dokumentieren die samoanische
Baukultur mit unterschiedlichen Methoden. Die Struktur der Gebäude wurde mit herkömmlichen Mitteln der
Bauaufnahme und mit photogrammetrischen Aufnahmetechniken vermessen. Die Geschichte der Bauwerke und
ihre Bedeutung für die Familien und Dorfgemeinschaften wurden in Interviews mit den Besitzern, mit Baumeistern,
Zimmerleuten, Schülern und vielen anderen am kulturellen Erbe interessierten Dorfbewohnern diskutiert.
Das Ergebnis bildet eine Verknüpfung der wissenschaftlichen Vorgangsweisen der Disziplinen Architektur,
Ethnologie und Photogrammetrie. Auf diese Weise kann das architektonische Erbe in einem weit gespannten
Rahmen erfasst werden. Das Spektrum reicht von detaillierten technischen Zeichnungen und virtuellen
Konstruktionsmodellen bis zu persönlichen Beziehungen zwischen Gebäude und Bewohner. Durch den Druck der
Globalisierung wird die indigene Architektur Samoas im Lauf der nächsten
Jahrzehnte verschwinden. Von den aus vergänglichen Materialien errichteten, den zerstörerischen
Witterungsbedingungen des tropischen Klimas ausgesetzten Bauwerken wird nichts erhalten bleiben. Die
vorliegende Dokumentation bildet eine der letzten Möglichkeiten, das Wissen um eine der interessantesten
Baukulturen Ozeaniens der Nachwelt zu bewahren.