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Das frühungarische Reitergrab von Gnadendorf, NÖ

Das frühungarische Reitergrab von Gnadendorf, NÖ

Ernst Lauermann (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/D3803
  • Förderprogramm Buchpublikation
  • Status beendet
  • Projektbeginn 14.11.2005
  • Projektende 28.03.2006
  • Bewilligungssumme 8.000 €

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (100%)

Keywords

    Frühungarn, Reitergrab, Bestattungsbrauch, Archäometrie

Abstract

Im Jahr 2000 wurde in Gnadendorf, im nordöstlichen Niederösterreich, ein Knabengrab gefunden, das aufgrund der erhaltenen Bestandteile der Kleidung und der Beigaben der altungarischen Kultur angehört und in das 10. Jahrhundert datiert werden kann. Der Junge war bei seinem Tod etwa 14 Jahre alt, kräftig und trainiert. Er hatte eine etwa 3 Monate alte Schädelverletzung zunächst überstanden und eine frische Verletzung mit einem stumpfen Gegenstand in seiner rechten Armbeuge, vielleicht von einem Übungskampf. Er litt an einer schleichenden Krankheit, dem Klippel-Feil-Syndrom, von dem er aber vielleicht nicht gewusst hat. Später hätte sie zu Verwachsungen am Rückgrat und Taubheit geführt. Er hatte einen lange gebrauchten prächtigen Säbel mitbekommen, mit gegossenen und vergoldeten Silberbeschlägen verziert, der Griff war mit Hai- oder Rochenhaut beklebt. Er hatte feine Seiden- und Leinengewänder an, am Becken fanden sich Teile eines silberbeschlagenen Gürtels. 9 durchlochte Münzen stammten von einem Raubzug der Ungarn um 900 nach Italien. Vermutlich hatte man sie am Saum eines repräsentativen Kleidungsstückes aufgenäht. Neben seinen Beinen lag der Schädel und die Beine eines etwa 7 Jahre alten Pferdes, Reste vom Zaumzeug, Sattel und Steigbügel. Vielleicht hatte man hier die abgezogene Pferdehaut mit dem Reitzubehör deponiert. Dazu kam noch das Stück Fleisch eines jungen Pferdes, in das man ein Eisenmesser steckte. Da die Datierung der altungarischen Gräber diskutiert wird, und die aufgenähten Münzen lediglich einen terminus post quem ergeben, wurden Proben von Mensch und Pferd im Labor VERA, Wien, mittels der Radiocarbonmethode datiert. Das mehrfach abgesicherte Ergebnis erbrachte mit hoher Sicherheit, dass der altungarische Junge um 1000 zu Tode gekommen und begraben worden ist. Dieses Datum ist insoferne bemerkenswert, als der ungarische "Stämmebund" gerade in dieser Zeit, teils gegen starke Widerstände, zu einem mitterlalterlichen Territorialstaat unter starker zentraler Führung und auf christlichen Grundlagen umgeformt worden ist. Die eingereichte Monographie enthält 15 Beiträge.

Forschungsstätte(n)
  • Bundesland Niederösterreich - 100%

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