Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
Frühungarn,
Reitergrab,
Bestattungsbrauch,
Archäometrie
Abstract
Im Jahr 2000 wurde in Gnadendorf, im nordöstlichen Niederösterreich, ein Knabengrab gefunden, das aufgrund der
erhaltenen Bestandteile der Kleidung und der Beigaben der altungarischen Kultur angehört und in das 10.
Jahrhundert datiert werden kann. Der Junge war bei seinem Tod etwa 14 Jahre alt, kräftig und trainiert. Er hatte
eine etwa 3 Monate alte Schädelverletzung zunächst überstanden und eine frische Verletzung mit einem stumpfen
Gegenstand in seiner rechten Armbeuge, vielleicht von einem Übungskampf. Er litt an einer schleichenden
Krankheit, dem Klippel-Feil-Syndrom, von dem er aber vielleicht nicht gewusst hat. Später hätte sie zu
Verwachsungen am Rückgrat und Taubheit geführt.
Er hatte einen lange gebrauchten prächtigen Säbel mitbekommen, mit gegossenen und vergoldeten
Silberbeschlägen verziert, der Griff war mit Hai- oder Rochenhaut beklebt. Er hatte feine Seiden- und
Leinengewänder an, am Becken fanden sich Teile eines silberbeschlagenen Gürtels. 9 durchlochte Münzen
stammten von einem Raubzug der Ungarn um 900 nach Italien. Vermutlich hatte man sie am Saum eines
repräsentativen Kleidungsstückes aufgenäht. Neben seinen Beinen lag der Schädel und die Beine eines etwa 7 Jahre
alten Pferdes, Reste vom Zaumzeug, Sattel und Steigbügel. Vielleicht hatte man hier die abgezogene Pferdehaut
mit dem Reitzubehör deponiert. Dazu kam noch das Stück Fleisch eines jungen Pferdes, in das man ein
Eisenmesser steckte.
Da die Datierung der altungarischen Gräber diskutiert wird, und die aufgenähten Münzen lediglich einen terminus
post quem ergeben, wurden Proben von Mensch und Pferd im Labor VERA, Wien, mittels der
Radiocarbonmethode datiert. Das mehrfach abgesicherte Ergebnis erbrachte mit hoher Sicherheit, dass der
altungarische Junge um 1000 zu Tode gekommen und begraben worden ist. Dieses Datum ist insoferne
bemerkenswert, als der ungarische "Stämmebund" gerade in dieser Zeit, teils gegen starke Widerstände, zu einem
mitterlalterlichen Territorialstaat unter starker zentraler Führung und auf christlichen Grundlagen umgeformt
worden ist.
Die eingereichte Monographie enthält 15 Beiträge.