Zuviel Wissen? Zur Wertschätzung von Arbeit und Wissenin der Moderne. Erkundungen zur Legitimirbarkeit sozialpolitischer Maßnahmen in Zeiten des Wissens
Zuviel Wissen? Zur Wertschätzung von Arbeit und Wissenin der Moderne. Erkundungen zur Legitimirbarkeit sozialpolitischer Maßnahmen in Zeiten des Wissens
Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (100%)
Keywords
-
Legitimation Of Social Distributions,
Knowledge Societies,
Work,
Knowledge,
Post-Productivity,
Basic Income
Im Anschluss an andernorts vom Autor ausführlich dargestellte sozialphilosophische und sozialpolitische Diskussionen zur Entschärfung von Arbeitsmarktproblemen durch eine partielle Entkopplung von Einkommen und Arbeit (Füllsack 2002), unternimmt es die vorliegende Schrift zu untersuchen, wie solche Maßnahmen in einer "modernen Wissensgesellschaft" legitimiert werden können. Sie geht davon aus, dass diese "Wissensgesellschaft" wesentlich von auf-Dauergestellten, hinreichend stabil institutionalisierten Problematisierungsmechanismen (Wissenschaft, aber auch Journalismus etc.) geprägt wird, die im Prinzip jegliche Art von Wissen, insbesondere aber ethisch-moralische fundierte Werte (Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität..), wie sie "vormodern" zur Legitimation sozialpolitischer Maßnahmen berufen worden sind, nicht mehr hinreichend unhinterfragt lassen. Die Untersuchung geht, anders gesagt, davon aus, dass in der Moderne gewusst werden kann, dass Wissen, und damit sowohl die Wertschätzung von Arbeit und Wissen, wie auch Entscheidungen für oder gegen bestimmte sozialpolitische Maßnahmen, für oder gegen bestimmte Verteilungsordnungen, grundsätzlich und unvermeidbar vorwissensabhängig sind. Von daher untersucht sie - in einer Reihe von historischen und die aktuelle Situation insbesondere von Wissensarbeitern betreffenden Studien - die Bedingungen der Möglichkeit, Wissensstände noch so stabil zu halten, dass sie, obwohl sie in der Moderne gleichsam dauerproblematisiert werden, Maßnahmen zur Integration der Gesellschaft zu tragen in der Lage sind. Die Untersuchung kommt dabei zu dem Ergebnis, dass ein wesentliches Merkmal der Wissensprozessierung in der Moderne im Oszillieren von Wissen und Nichtwissen liegt, in einem anspruchsvoll auf-Dauer-gestellten Ein- und Ausblenden von Wissensständen, das als solches "Polykontexturalität" und damit nachhaltige Perspektivenwechsel der gesellschaftlichen Wahrnehmung von "produktiver Arbeit" nahe legt. Im Hinblick darauf wird vorgeschlagen, den aus anderem Zusammenhang bezogene Begriff der "Postproduktitität" als "de-ontologisierte", "nach- metaphysische" Basis zur Legitimation einer partiellen Entkopplung der Verteilung sozialer Daseinsmittel (Einkommen) vom Faktor Arbeit heranziehen.