Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte, Band LIV
Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte, Band LIV
Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (100%)
Keywords
-
Iconography,
Historic sources,
Art history,
Reconstructions
Der 54. Band des Wiener Jahrbuchs für Kunstgeschichte enthält sieben Beiträge von international renommierten KunsthistorikerInnen, die Fragen der Rekonstruktion aufgrund historischer Quellen und Ikonographie gewidmet sind. Christine M. Boeckl (USA) analysiert die ikonographischen Traditionen des Hl. Lukas als Maler in der ost- und westeuropäischen Kunst, zeigt ihre Ursprünge, Paralellen und Besonderheiten anhand ikonologischer Untersuchungen von Fresken, Tafelbildern und Handschriften. Die Trennung zwischen Ost und West zeichnete sich laut Autorin erst im 15. Jahrhundert ab und beruhte auf der zunehmenden Macht der Zünfte und Kunstakademien. Die jüngsten Theorien weisen auf ähnliche Entwicklungen im paläontologischen Bereich hin. Norbert Wibiral (A) beschäftigt sich mit der Frage nach der ursprünglichen Situierung der Altäre der karolingischen Marienkapelle zu Aachen und bringt unter Anweisung zeitgenössischer Quellen aus dem 9. Jahrhundert und Baubefunden neue Rekonstruktionsvorschläge ind ie wissenschaftliche Diskussion ein. Michael Grünwalds (A) Beitrag ist der besonderen Ikonographie des Evangeliars von St. Peter (New York, Pierpont Morgan Library, Ms. 781) gewidmet, welche die monastischen Gebräuche der von St. Emmeram in Regensburg übernommenen Reichsklosterreform reflektiert. Sowohl das Skriptorium der Erzabtei verwendete dieses Evangeliar weiterhin als ikonographisches Vorlagenmaterial, als auch die von Salzburg beeinflussten Reformklöster des 12. Jahrhunderts. Frithjof Schwartz (D) widmete seine Studie Giottos Tafelkreuz in S. Maria Novella, das nach langjähriger Restaurierung (1987- 2000) unter dem vierten Gurt im Langhaus aufgehängt wurde, um der vermeintlich historischen Hängung Rechnung zu tragen. In S. Maria Novella war das Kreuz nach Dokumentenlage jedoch schon im Quattrocento nicht mehr in situ. Bisher gelang es nicht, die ursprüngliche Position zu bestimmen. Hier werden nun verschiedene Quellen dargelegt, welche die ehemalige Position des Kreuzes belegen. Ein weiterer profunder Beitrag stammt von Karin Gludowatz (A/D), die in diesen Artikel die im Zuge ihrer Dissertation erarbeiteten Kenntnisse zu Künstlerselbstverständnis und Produktionskommentar in den Signaturen Jan van Eycks einfließen lässt und anhand zahlreicher Beispiele und Analysen zeitgenössischer Dokumente vor Augen führt. Die Studie von Hanns-Paul Ties (I) beschäftigt sich mit einem wenig beachteten Hauptwerk Albrecht Altdorfers in einem größeren Kontext: Lot und seine Töchter. Der Aufsatz stellt eine erste Studie dar, welche sich mit Fragen der Inhaltsdeutung sowie der Funktion und "historischen Wahrnehmung" des Bildes auseinandersetzt. Der Charakter des Bildes als "Kunstwerk" weist laut Autor auf einen Gebrauch, der den Genuss der malerischen wie erfinderischen Qualitäten ebenso inkludierte wie die Freude an dem pikanten, Verstand und Sinne ergreifenden "Spiel", zu dem das Gemälde aufforderte. Christian Hechts (D) Artikel eröffnet mit seinem Artikel einen Blick hinter die Mauern des Kleinseitner Friedhofs in Prag, in welchem viele Persönlichkeiten des Prager Geisteslebens bestattet worden sind. Das besondere Augenmerk liegt auf dem Grabdenkmal des letzten Passauer Erzbischofs Leopold Leonhard Graf von Thun und Hohenstein, der 1826 in Prag verstorben war.