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Geschichte der venezianischen Malerei. Von den Mosaiken - 15. Jh.

Geschichte der venezianischen Malerei. Von den Mosaiken - 15. Jh.

Günter Brucher (ORCID: 0000-0001-7702-0489)
  • Grant-DOI 10.55776/D3912
  • Förderprogramm Buchpublikation
  • Status beendet
  • Projektbeginn 25.06.2007
  • Projektende 28.08.2007
  • Bewilligungssumme 15.000 €

Wissenschaftsdisziplinen

Kunstwissenschaften (100%)

Keywords

    Mosaics, Tablepainting, Frescoes, Time Of The Picture, Historiy Of The Development, Analysis Of The Pictures, Hermeneutik, Wahrnehmungspsychologie

Abstract

Das vorliegende Manuskript ist als erster Band einer auf insgesamt vier Bände projektierten Buchreihe gedacht. Beabsichtigt ist letztlich eine Gesamtdarstellung der venezianischen Malerei von den Anfängen bis ins 18./19. Jahrhundert, ein Vorhaben, dem sich die deutschsprachige Forschung - abgesehen von Hüttingers äußerst knapper Überblickspublikation - bis heute entzogen hat. Auch seitens der italienischen Forschung liegt m.E. nichts Adäquates vor, zumal die mehrbändige Buchreihe "Pittura nel Veneto" eher dem Wesen eines Corpuswerks entspricht, das zwar die wichtigsten Fakten (Künstlerbiographien usw.), ein vorzügliches Fotomaterial und eine auf Vollständigkeit Bedacht nehmende Darstellung des Forschungsstands enthält, auf reinkünstlerische, koloristische, entwicklungsgeschichtliche, ikonographische und stilgenetische Probleme aber nur sehr rudimentär und in einer für den Leser nur schwer nachvollziehbaren Organisationsweise Bezug nimmt. Überblickt man die zahllosen Einzelpublikationen italienischer Provenienz, so ist all diesen eines gemeinsam: eine geradezu unverständliche Scheu vor genauen Werkanalysen, anhand derer es allein möglich ist, dem Entwicklungsweg und Wesen der venezianischen Malerei, das Hetzer so treffend mit dem Begriff des "Ornamentalen" umschrieben hat, auf den Grund zu gehen. Diesem kunstwissenschaftlichen Defizit soll mittels komparatistischer Werkanalysen Abhilfe geleistet werden. Ausgehend von einer strukturspezifischen Beschreibungstechnik, die Form und Farbe gleichermaßen berücksichtig, leistet hier die Gestalttheorie bzw. Wahrnehmungspsychologie einen effizienten Beitrag. Erst auf dieser Basis eines analytisch abgesicherten visuellen Befunds klären sich u.a. Datierungsfragen, Probleme eventueller Werkstattbeteiligung sowie künstlerische Abhängigkeiten, mit dem Ziel, auch zu hermeneutischen Ergebnissen zu gelangen und das typisch Venezianische herauszuarbeiten. - Der erste Band beginnt mit einer Überblicksdarstellung der Geschichte Venedigs (bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts) und führt von den Mosaiken in San Marco (ab dem 11. Jahrhunderts) bis in die zweite Hälfte des Quattrocento. Entgegen den üblichen Usancen wird die Mosaikkunst zur Gattung der Malerei gezählt, zumal für jene die gleichen Form-, Stil- und Gestaltungskriterien gelten. Hier geht es vor allem darum, die wissenschaftlichen Ergebnisse von O. Demus - bezüglich Stilgenese, Chronologie usw. - mit den nicht selten davon abweichenden Erkenntnissen der italienischen Forschung abzustimmen, um bisweilen eigenständige Entscheidungen zu fällen. Der in den Mosaiken von San Marco vorherrschende Byzantinismus bildet die Voraussetzung für die am Ende des 13. Jahrhunderts anhebende Malerei Venedigs (Fresko und Tafelmalerei) und bleibt letztlich bis weit in das Trecento bestimmend, zunächst vor allem bei Paolo Veneziano, der seinen Blick nur selten auf die abendländische Stilentwicklung der Terra ferma (z.B. Giotto) richtet. Mit Lorenzo Veneziano erfolgt der sukzessive Durchbruch zur Gotik, wobei byzantinische, oberitalienische und transalpine (Böhmen) Anregungen zu einer bemerkenswerten Symbiose gelangen. Koloritforschungen, wie sie in der Fachliteratur kaum anzutreffen sind, spielen hier und fortan eine entscheidende Rolle. Dem im Bannkreis Paduas (Guariento) angesiedelten N. Semitecolo ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Nach konservativ-byzantinischen Rückgriffen im letzten Drittel des Trecento gelangt die internationale Gotik mit ihrem Hauptvertreter, Jacobello del Fiore, in Venedig zum Durchbruch (maßgeblich dafür der Einfluss etwa von Gentile da Fabriano); zugleich machen sich mit Giambono erste Anzeichen einer neuzeitlichen Malerei bemerkbar. Länger als andernorts in Italien hat man in der venezianischen Malerei an den Tendenzen des internationalen Stils festgehalten. Desgleichen an der Vorliebe für das Prächtige, Dekorative und die flächenspezifische Bildprojektion. Demgemäß treten Anzeichen von Frührenaissance erst relativ spät in Erscheinung, vor allem im Oeuvre Giovanni d`Alemagnas und Antonio Vivarinis. Die Frage, welchem der beiden Künstler bezüglich Innovationsfähigkeit der Vorrang zu geben ist, wird hier zu Gunsten des ersteren beantwortet, und dies in Opposition zur italienischen Forschung. Zeitgleich mit Antonio Vivarini tritt Jacopo Bellini auf den Plan, mit dem die florentinische Frührenaissance in der venezianischen Malerei an Einfluss gewinnt. Während sich bei Jacopo eine progressive, sich im Schatten Gentile und Giovanni Bellinis fortsetzende Entwicklung abzeichnet, vertritt Antonio eine autochthone Stilrichtung, die während der gesamten zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts anhält und in Bartolomeo Vivarini, Andrea da Murano und Carlo Crivelli ihre Hauptrepräsentanten findet. Da von Jacopos malerischem Wirken nur wenig erhalten geblieben ist, wird dessen Londoner und Pariser Skizzenbuch - auf den Spuren von Eislers und O. Pächts Forschungen - besondere Beachtung gezollt. Im Mittelpunkt des Interesses steht hier Jacopos Auseinandersetzung mit der Perspektive, deren strenge Regelhaftigkeit der Künstler in typisch venezianischer Weise (d.h. in steter Ambivalenz von Fläche und Raum) zu transformieren versteht. Obwohl sich die im Anschluss an Jacopo Bellini entfaltende progressive` Richtung ebenso wie die autochthone (B. Vivarini usw.) auf die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts erstreckt, gelangen deren Hauptrepräsentanten, Giovanni und Gentile Bellini, erst im zweiten Band der geplanten Schriftenreihe zur Darstellung.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Salzburg - 100%

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