Plattenbausanierung in Wien und Bratislava
Plattenbausanierung in Wien und Bratislava
Wissenschaftsdisziplinen
Bauwesen (100%)
Keywords
-
Prefabricated Housing Estates,
Bratislava,
Vienna,
Rehabilitation,
High-rise Housing
Die vorliegende Publikation fasst die Ergebnisse des Forschungsprojekts "Plattenbausanierung in Wien und Bratislava" zusammen. Im ersten Band - Grundlagenforschung - werden Ziele, Theorie und Methodik vorgestellt, das Phänomen Plattenbau in Bratislava und Wien in städtebaulicher, bautechnischer, architektonischer und sozialer Hinsicht analysiert und die wichtigsten Forschungsergebnisse erörtert. Im zweiten Band werden die Erkennisse des durchgeführten Pilotprojekts - Sanierung eines Wohnhauses in Bratislava - Petrzalka - vorgestellt. Die Plattenbausiedlungen stellen einen bedeutenden Teil der europäischen Kultur-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte dar. Sie repräsentieren die Ideen der modernen Architektur und des Städtebaus nach 1945 mit allen Vor- und Nachteilen. Durch diese Veröffentlichung soll ein neuer Diskurs zur Architektur und dem Städtebau der Moderne eingeleitet und die bekannten Positionen überdacht werden: sind die Plattenbausiedlungen besser als ihr Image? Plattenbausiedlungen weisen positive und negative Aspekte in unterschiedlichster Weise auf. Viele verfügen über ein großes städtebauliches, architektonisches, soziales und wirtschaftliches Entwicklungspotential. Im Fall der Plattenbausiedlung Petrzalka in Bratislava etwa bewirken die großzügigen Freiflächen und die geographische Nähe zum Stadtkern eine dynamische Nachverdichtung - neue Bürogebäude, Wohnhäuser, Supermärkte und Shopping Center sind dort im Entstehen. Mängel finden sich vor allem in der infrastrukturellen Ausstattung, in der Gestaltung der Freiflächen und teilweise im Bereich der Bautechnik (insbesondere in Bratislava). Die Abschätzung zukünftiger demographischer und sozioökonomischer Entwicklungen ist eine Voraussetzung für eine umfassende Plattenbausanierung. Die Forschungsergebnisse zeigen, dass es notwendig ist, vor allem die altersspezifischen Anliegen - d.h. die Freizeitbedürfnisse der Jugendlichen und die neuen Ansprüche älterer Bewohnerschichten an die Infrastruktur - zu berücksichtigen. Die Nutzung und Gestaltung der Freiräume sind wichtige Faktoren für das Zusammenleben der Bewohner, diese gehören weiterhin zu den problematischsten Bereichen innerhalb der Siedlungen. Es ist offensichtlich, dass die zukünftige Hauptaufgabe des Wohnbaus nicht mehr der Neubau, sondern die Bestandspflege sein wird. Dies erfordert eine Neuorientierung in den Bereichen Zielsetzung und Mitteleinsatz in der Wohnbaupolitik. Die im Fall von Plattenbausiedlungen immer wieder diskutierte Frage "Sanierung oder Abriss" erscheint schon angesichts der Eigentumsverhältnisse in Bratislava und Wien nicht relevant. Massiv für eine Sanierungsoffensive sprechen hier nicht zuletzt ökologische, wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Argumente. Die Ergebnisse des Pilotprojekts zeigen, dass die Flexibilität der Plattenbauweise und der kompakte Baukörper eine effiziente und sinnvolle - sowohl architektonische als auch bautechnische - Sanierung ermöglichen. Die Sanierung von Plattenbauten auf zumindest Niedrigenergiestandard ist aus bautechnischer und bauphysikalischer Sicht einfach durchführbar. Durch eine intelligente Sanierung wird nicht nur die Wohn- und Lebensqualität auf zeitgemäßen Standard erhöht, sondern es sind vor allem auch erhebliche Energieeinsparungen zu erzielen. Darüber hinaus erfordern vor allem die bautechnischen Systemmängel der Gebäude ein rasches Handeln. Neue, an die spezifische Situation in den neuen EU-Ländern angepasste Finanzierungskonzepte sind für die Sanierungsvorhaben allerdings essentiell. Die Ergebnisse des Pilotprojekts deuten darauf hin, dass unter Ausschöpfung diverser eigener Finanzierungsmittel und der Flexibilität der Bewohner eine Sanierungsfinanzierung durch die Hauseigentümer möglich ist. Gewiss erfordern die vorgeschlagenen Sanierungs- und Erneuerungsmaßnamen auch eine professionelle Haus- und Immobilienverwaltung. Es müssen neue, professionelle Wege der Kommunikation und Vermittlung zwischen Staat, Gemeinde, Hausverwaltung und Wohnungseigentümern gefunden werden. Gerade in Finanzierungsfragen ist von den Haus- und Wohnungseigentümern ein hohes Maß an Engagement, Eigeninitiative und Flexibilität gefragt. Im Pilotprojekt wurden Finanzierungskonzepte entwickelt, die sowohl zur architektonischen und bautechnischen, als auch zur wirtschaftlichen Aufwertung des Hauses führen. Das Projekt zeigt, dass die Grundlagenforschung das Potential hat, praxisorientierte Projekte in Zusammenarbeit u.a. mit der Wirtschaft, den Architekturschaffenden und der angewandten Forschung zu entwickeln und dadurch zu einer qualitativ neuen Wahrnehmung diverser Stadtentwicklungsprozesse in Wien und Bratislava wesentlich beizutragen. Eine fundierte Grundlagenforschung und die Vernetzung des Wissens sind Voraussetzungen für die Entwicklung neuer Visionen im Raum Wien - Bratislava.