Krems-Hundssteig - Mammutjäger der Eiszeit
Krems-Hundssteig - Mammutjäger der Eiszeit
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
-
Ice Age,
Aurignacien,
Palaeontology,
Palaeolithic,
Gravettian,
Palaeoclimate
Bereits im 17. Jahrhundert berichtete man erstmals über Funde von Mammutknochen in Krems an der Donau. Durch die topgraphisch und klimatisch günstige Lage wurde vor allem der Südhang oberhalb der heutigen Altstadt in der letzten Eiszeit bevorzugt als Siedlungsplatz aufgesucht. In überaus großem Maße stieß man auf diese altsteinzeitlichen Relikte, als hier um 1900 entlang des sog. Hundssteiges umfangreiche Abgrabungen zur Lössgewinnung stattfanden. Wissenschaftliche Bearbeitungen dieses Fundmaterials charakterisieren es als dem frühen Aurignacien mit einem Alter von 35.000 Jahren zugehörig. Der inernationale Bekanntheitsgrad in der Gelehrtenwelt war sehr hoch und wurde erst später durch Willendorf und der Auffindung der Venus im Jahre 1908 überragt. Aber erst ein Jahrhundert später sollte es möglich werden, durch moderne Grabungen ein realistisches Bild dieser Fundstätte zu zeichnen: Ein großes Bauprojekt der Gemeinnützigen Donau-Ennstaler Siedlungs AG drohte die auf den unmittelbar südlich angrenzenden Grundstücken noch vorhandenen Kulturschichten zu zerstören. Durch die Prähistorische Kommission der Österreichischen Akademie der Wissenschaften wurden im Rahmen eines vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung unterstützten Projektes und mit finanzieller Beteiligung des Bauträgers innerhalb von zwei Jahren über 250 m2 dieser Kulturschichten untersucht. Zur Überraschung lag der Schwerpunkt auf einer gravettienzeitlichen Besiedlung mit einem zeitlichen Rahmen zwischen 27.000 und 29.000 Jahren vor heute. Sehr schnelle Bedeckung durch angewehten Löss konservierte die Funde auf hervorragende Weise. So gelang in calzifizierter Form sogar der Nachweis von Hölzern - zum Teil von Stämmen, Ästen und Wurzeln, aber auch von möglicherweise durch den Menschen bearbeiteten Stücken. In Tiefensondagen konnten unter dem gravettienzeitlichen Kulturschichtpaket noch ältere archäologische Horizonte festgestellt werden, sodass aufgrund der Radiokohlenstoffdatierungen die ältesten Siedlungsspuren sogar vor rund 41.000 14C-Jahren vermutet werden können. Im zeitlichen Rahmen zwischen 33.000 und 27.000 Jahren vor heute kam es zu wiederholten Besiedlungen des Platzes, der für die eiszeitlichen Jäger- und SammlerInnen eine hervorragende Lage hatte. Die Wasserläufe der Donau und der Krems, in deren Zwickel der Geländesporn des sog. Wachtberges gelegen ist, boten ein breites Spektrum für ihre Lebensgrundlagen. Rohstoffe für die Steinbearbeitung, eine Aulandschaft mit einer Vegetation, die reichhaltiger war als die karge steppen- oder tundrenähnliche Landschaft der Umgebung und die damit auch reichlich jagdbares Wild anzog. Der bei den Grabungen 2000-2002 untersuchte Bereich gehörte in keiner Phase zu einem zentralen Siedlungsbereich. Die freigelegten Feuerstellen wurden kurzfristig genutzt; an ihnen lässt sich eine Grundproduktion der Steingeräte aus vorwiegend lokalen Rohstoffen nachweisen. Reichliche Spuren der Zerlegung und Verarbeitung des Jagdwildes - vorwiegend Rentier und Mammut - und teilweise auch starker Verbiss der Schlachtreste deuten an, dass diese Zone peripher zur Siedlung gelegen war. Mehrfache saisonale Hinweise streuen breit und lassen zusammen mit dem Winterlager des nördlich gelegenen Fundplatzes Krems-Wachtberg vermuten, dass die Anhöhe zu allen Jahreszeiten ein bevorzugter Siedlungsplatz war.