Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (10%); Soziologie (90%)
Keywords
Abstract
Der vorliegende Band stellt 24 Studien zur balkan-mediterranen Kulturkomparatistik im Zeichen einer
Vergleichenden Volkskunde zusammen, wie sie vom Altmeister der "Ethnologia europaea", Leopold
Kretzenbacher, betrieben wurde, und vermittelt einen lebhaften Eindruck über die mögliche Reichweite von
Themen und Fragekomplexen, die sich in Geschichte und Gegen wart der Volkskultur des ältesten europäischen
Kulturraums Europas stellen, den es für eine interessierte Leserschaft vielfach noch zu entdecken gilt. Unter
methodischen Gesichtspunkten reicht die Vielfalt der Studien über den traditionellen thematischen Kanon der
Vergleichenden Volkskunde hinaus: neben theoretischen und terminologischen Fragen wird in die Kulturgeschichte
bis zur Spätantike ausgeholt, theologische Fragestellungen kommen neben Masken- und Brauchforschung zu
stehen, alterssoziologische und gender-zentrierte Problematiken treffen auf die Methodenkritik der Viktorianischen
Schule der Ethnographie, Sportgeschichte und ihre symbolisch-machtpolitische Funktionen kommen zur Sprache,
das Volksschauspiel als genetische Struktur eine möglichen Theaterentwicklung ist thematisiert, die byzantinische
Ikonographie wird in Einzelbeispielen auf ihre Auswirkung auf die balkanische Volkskultur analysiert,
Untersuchungen zu Ethnostereotypen finden sich neben Formen und Funktio nen der Wahlbruderschaft in ihrer
langen Geschichte, die Rezeptionachsen popularer Lesestoffe werden großräumig nachgezeichnet; dazu treten
Studien zur mittelalterlichen Legendenbildung in West und Ost, religiöse Verserzählungen zwischen Orthodoxie
und Katholizismus, Märchentypen zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit, Fragen der öffentlichen Inszenierung
persönlicher Gefühle, Dämonologie und Schimpfgebärden, Formen der oralen Autobiographie, etymologische und
semantische Fragen, die Vorstellung einzelner Großforschungsprojekte wie auch die ideologische Funktion der
Beschäftigung mit der Volkskultur im 19. Jahrhundert. Die Mehrzahl dieser Studien ist komparativ angelegt, die
Kapitel 15-24 beziehen sich spezifischer auf die griechische Tradition bzw. Griechenland, ohne daß aber die
vergleichenden Perspektiven gänzlich fehlen würden.
Ein Einleitungskapitel, das Schlußwort, die den Gesamtband betreffende Auswahlbibliographie und die
umfassenden Register integrieren die Einzelkapitel in eine übergreifende einheitliche Perspektive, die Indices
erlauben dahingegen auch einen handbuchartigen Gebrauch.