Karl Graf Zinzendorf - Band 2
Karl Graf Zinzendorf - Band 2
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
-
Multi-Ethnic Society,
Innovations In Trade,
Travels,
Reading And Communication,
Arts And Sciences,
Gender Relations
Das in Französisch verfaßte Diarienwerk des Karl Grafen Zinzendorf (1739-1813) umfaßt mehr als 60 Jahre. Die internationale Forschung ist seit langem vom hohen Aussagewert dieser Tagebücher überzeugt. Bislang hat sie aus den Originalen wegen deren Komplexität jedoch nur vereinzelte Fundstücke zu Tage fördern können oder mußte sich mit Bruchstücken wissenschaftlicher oder amateurhafter Editionen begnügen. Die vorliegende Transkription gibt erstmals den Text von Zinzendorfschen Tagebüchern komplett wieder. Es handelt sich um die Jahre 1776 bis 1782, als Zinzendorf im multi-ethnischen Freihafen Triest als Gouverneur wirkte. Die Tagebücher zeichnen sich durch Vielseitigkeit und -wertigkeit der Interessen, Mannigfaltigkeit der Beobachtungen, Dichte und Präzision der Mitteilungen und durch einen hohen Grad der Selbstreflexion des Schreibers aus, der sich im Übergang von der ständischen zur bürgerlichen Gesellschaft durch das Rousseau`sche Leitwort als "citoyen" zu definieren sucht. Das Ziel der Herausgeber ist es, durch eine integrale Transkription - und nicht durch eine Auswahl - den Zugang zu den Tagebüchern, deren Benützung und Verwertung zu erleichtern und somit neue Forschungen zu ermöglichen. In diesem Sinne handelt es sich um historische Grundlagenforschung. Wegen des großen Umfangs ist die Transkription auf zwei Bände aufgeteilt. Der vorliegende Band (Edition: Bd. 2 ) enthält den Text der Tagebücher, angefangen von der Abreise von Wien am 31. Mai 1776 bis zum 31. Dezember 1778. Für Triest seien die Maßnahmen zur Deregulierung des Transports zu Wasser und zu Land und die Freigabe von Produktion und Verkauf von Nahrungsmitteln herausgegriffen, ferner die Anlegung der neuen Kommerzialstraße und die Kataster- Versuche, die Ausweitung des Hafens und die Intensivierung der Seelsorge und des Bildungswesens. Vom Dezember 1777 bis Mai 1778 in Wien, bemüht sich der Gouverneur in Audienzen bei Kaiserin und Kaiser, in offiziellen und inoffiziellen Gesprächen mit Ministern und hohen Beamten und als Gast in adeligen Salons Billigung seiner Vorhaben zu erreichen. In Wien beobachtet er auch die Anfänge des Bayerischen Erbfolgekrieges. Im September 1778 befährt er als erster Zivilist in der Kroatischen Militärgrenze, einem Niemandsland der Aufklärung, die neu gebaute, an die Adria führende Straße. Zu den Erlebnisräumen zählen auch Venedig, Istrien und Kärnten, während durch Lektüre und Besucher Amerika, Asien, der Pazifik und Afrika präsent sind. Die für die Transkription erforderlichen Maßstäbe und Prinzipien sind von den Herausgebern eigens entwickelt worden; sie gibt den Text in einer weitgehend diplomatischen Form wieder. Sie enthält auch die den Tagebüchern vom Schreiber beigebundenen jährlichen Korrespondenzlisten, welche die Forschung bislang übersehen hat. Auf einen ausgedehnten Anmerkungsapparat mit Rekursen auf das über ganz Europa verstreute zusätzliche Quellenmaterial wird verzichtet. Angesichts der außerordentlichen Fülle von Personen, geographischen Namen, Sachbegriffen und Lektürematerial - u.a. wortwörtliche Zitate aus Sachbüchern, Zeitungen, Zeitschriften und Gedichtbänden - werden die Transkriptionsbände durch einen umfangreichen Index, in den ein Glossar und Übersetzungen von lateinischen, griechischen, Dialekt- und obsoleten Wörtern integriert ist, erschlossen (Edition: Bd. 4). Band 1 der Edition, eine problemorientierte Monographie, ist als Einführung in die Edition konzipiert.
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