Der hochmittelalterliche Burgenbau der Erzbischöfe von Salzburg
Wissenschaftsdisziplinen
Bauwesen (60%); Kunstwissenschaften (40%)
Keywords
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Medieval Architecture,
Salzburg,
Castles,
Romanesque Frescoes
Nach der Eroberung Baierns durch Karl den Großen und seiner Eingliederung in den karolingischen Reichsverband wurde Salzburg Sitz eines Erzbistums, ohne jedoch längerfristig eine unabhängige geistliche Führung aufbauen zu können. Das Land blieb fest im bairischen Herrschaftsverband verankert. Mit dem Investiturstreit des ausgehenden 11. Jahrhunderts änderte sich die politische Rolle der Erzbischöfe grundlegend. Im Konflikt zwischen Papst und Kaiser entwickelte sich Salzburg zum maßgeblichen Vertreter der päpstlichen Partei nördlich der Alpen und "untermauerte" seine neue Position durch den Bau von Wehranlagen an strategisch bedeutsamen Stellen. So entstanden vor allem die zentrale Passsperre bei Hohenwerfen, ein südlicher Stützpunkt in Friesach sowie die erzbischöfliche Hauptburg von Hohensalzburg. Gleichzeitig gelang mit der Gründung des Eigenbistums Gurk die einzigartige Lösung vom direkten päpstlichen Einfluss, wodurch Salzburg dessen Rechte teilweise übernahm. In dieser Zeit des dramatischen Machtkampfs zwischen Reich und Kirche gelang Salzburg somit gegenüber beiden Seiten eine deutliche Steigerung der eigenen Stellung, die eilig durch sakrale wie profane Bautätigkeit abgesichert wurde. Im frühen 12. Jahrhundert gelang den örtlichen Ministerialen und Kleinadeligen durch allseitige Gunstzuweisungen der Aufstieg zum eigenen Stand, der sich sogleich durch zahlreiche namengebende Burgen architektonisch in Szene setzte, das Zeitalter des klassischen Feudalismus hatte begonnen. Das Erzstift reagierte auf diese Entwicklung mit der Verdichtung des eigenen Burgennetzes, aber auch mit der gezielten Vergabe von Kirchenbesitz an treue Ministerialenfamilien. Auch die eigenen Burgen wurden von adeligen Burggrafen verwaltet. Gleichzeitig lässt sich der Ausbau der drei wichtigsten Burgen von Hohensalzburg, Hohenwerfen und Friesach zu erzbischöflichen Residenzanlagen beobachten, die weniger verteidigungstechnisch motiviert waren, sondern sich an hochadeligen Pfalzanlagen orientierten und dabei auch selbst viel beachtete neue Maßstäbe setzten. Im frühen 13. Jahrhundert suchte Salzburg die gezielte Vereinigung des geistlichen Besitzes zu einer geschlossenen Landeshoheit. Als Träger der Politik fungierten vor allem Städte und Märkte, Burgen dienten jedoch weiterhin der Sicherung strategisch bedeutender Orte. Die Burganlagen der Ministerialen wurden im Landesinneren Salzburgs hingegen systematisch aufgekauft, erobert oder zerstört. Nur wenige Sitze überlebten als Verwaltungsmittelpunkte, die von kurzzeitlich bestellten Pflegern bewohnt wurden. Als Träger der Politik dienten vermehrt soldatische Mannschaften, die dem Erzstift direkt unterstellt waren. Die historisch wie architektonisch bedeutsamen Burgen Salzburgs vom 11. bis zum 13. Jahrhundert künden von der Epoche der Landeswerdung, als sie das Fundament zur selbstständigen Politik des Erzbistums bildeten. Die Erforschung ihrer Entwicklung bildet ein wichtiges Mosaikstück zum Verständnis mittelalterlicher Baukultur in Zentraleuropa. Das vorliegende Buch, entstanden aus der einschlägigen Dissertation, beleuchtet dieses bisher noch nie monografisch behandelte Phänomen des erzbischöflichen Burgenbaus zunächst anhand exakter Bauge- schichten der einzelnen Burgen, die sodann in den in den regionalen und bauhistorischen Kontext gestellt werden. An vielen Bauten ergeben sich bisher kaum bekannte frühe Bestandsreste, die einen europaweit einzigartigen Vergleich erzbischöflichen Profanbaus ermöglichen. Zudem geben bautechnische und kunsthistorische Analogien wertvolle Hinweise auf Organisation und Tradition einer überregionalen Bautengruppe. Die Erforschung der frühen Salzburger Burgen schließt somit eine wesentliche Lücke österreichischer Baugeschichte, deren Hauptobjekte zudem in ihrer Epoche für ganz Mitteleuropa vorbildhaft waren.