Wissenschaftlicher Nachlass dt.-böhm. archäologischer Expedition von 1902
Wissenschaftlicher Nachlass dt.-böhm. archäologischer Expedition von 1902
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (65%); Philosophie, Ethik, Religion (35%)
Keywords
-
Science history of Austria-Hungary,
Asia Minor,
Classical Archaeology,
Josef Strzygowski,
Christian Art History,
Late Ottoman and Modern Turkey
Im Jahre 2006 konnten einige der lange verloren geglaubten Nachlaßunterlagen der deutsch-böhmischen archäologischen Expedition, die 1902 von der "Gesellschaft zur Förderung deutscher Wissenschaft, Kunst und Literatur in Böhmen" (GDWB) nach Kleinasien ausgesandt wurde, zum einem im Stadtarchiv von Prag, zum anderen im Nachlaß eines ehemaligen Expeditionsmitglieds, des Balkanologen Professor Carl Ludwig Patsch (1865-1945), am Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München ermittelt werden. Diese können nun erstmals in einer - beide Nachläße verknüpfenden - Edition publik gemacht werden. Der Prager Professor und Altphilologe Heinrich Swoboda konnte 1902 für diese Unternehmung gewonnen werden, mit ihm Professor Julius Jüthner (1866-1945), ebenso Altphilologe, seinerzeit Professor an der Universität Freiburg in der Schweiz, später Professor in Czernowitz in der Bukowina, Dr. Carl Ludwig Patsch (1865-1945), bekannter Balkanologe und später Professor für Slawistik an der Universität Wien, zu dieser Zeit Kustos am "Bosnisch- Herzegowinischen Landesmuseum" in Sarajevo sowie der Wiener Architekt Ing. Fritz Knoll (1872-1940) aus Karlsbad, der später die österreichischen Ausgrabungsergebnisse der Marienkirche in Ephesos mitherausgab, drei weitere führende sudetendeutsche Wissenschaftler. Es handelt sich bei diesem Nachlaß um zahlreiche unbekannte und zeitgeschichtlich wertvolle Dokumente wie Briefe und historische Fotografien der Expedition, welche die historischen Landschaften und antiken Provinzen von Isaurien, Lykaonien und Ost-Pamphylien berührte. Wichtige Ergebnisse der Expedition wurden auch von dem berühmten Wiener Kunsthistoriker Josef Strzygowski (1862-1941) für sein wegweisendes (und überhaupt erstes) Buch über den kleinasiatischen Kirchenbau "Kleinasien - Ein Neuland der Kunstgeschichte" verwendet. Dieses Werk konnte bereits 1903 erscheinen. Dessen Entstehungsgeschichte illustrieren nun die hier ebenso erstmals vorgelegten, auch biographisch aufschlußreichen Strzygowski-Briefe, seinerzeit noch Professor für Kunstgeschichte an der Universität Graz (bis 1909). Die Edition beleuchtet ferner die schwierigen Umstände, welche dafür verantwortlich waren, daß die Abschlußpublikation erst lange nach dem Ende des 1. Weltkriegs und 33 Jahre nach dem Ende der Expedition im Jahre 1935 in der noch jungen Tschechoslowakischen Republik erschienen war. Die Herausgabe wurde von Professor Josef Keil (1878-1963) bewerkstelligt, der ebenso, wie die vier Expeditionsteilnehmer, gebürtiger Sudetendeutscher war und später dem Österreichischen Archäologischen Institut in Wien vorstand. Keil hatte zwar an der Expedition nicht teilgenommen, ihm wurde aber die Herausgabe nach dem Tod des Expeditionleiters Professor Heinrich Swoboda (1856-1926) von der zuständigen "Deutschen Gesellschaft der Wissenschaften und Künste für die Tschechslowakische Republik" in Prag (heute "Sudetendeutsche Akademie der Wissenschaften", München) anvertraut. Ein nicht unwesentlicher Zuschuß zur Drucklegung des Werks von 1935 wurde von Keils Freund, dem berühmten US-amerikanischen Archäologen William Hepburn Buckler (1867-1952) geleistet.