Die Performance des "mouro" in Nordportugal
Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (50%); Soziologie (50%)
Keywords
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Mourisca,
Performance,
Portugal,
Moors,
Identity,
Ethnography
Basierend auf zwischen 2004 und 2007 von der Autorin durchgeführten Feldforschungen über rituelle Tänze, Tanzdramen und Volkstheater in Portugal, die unter dem Begriff "mourisca" zusammengefasst werden, konzentriert sich dieses Buch auf folgende Darstellungen von Christen und Mauren in religiösen Festen im heutigen Nordportugal: das Johannisfest Bugiada in Sobrado (Douro) am 24. Juni 2005, das Festa dos Caretos in Torre de Dona Chama (Trs-os-Montes) am 26. Dezember 2005 und das Auto da Floripes in Neves (Minho) am 5. August 2006. Obwohl sich die untersuchten kulturellen Praktiken in ihrer Form unterscheiden, werden sie alle mit dem performativen Genre der "mourisca" in Verbindung gebracht, das in und außerhalb Europas zu finden ist. Bei der mourisca handelt es sich in der Definition der Autorin immer um einen dramatischen, meist rituellen, oft prozessionalen Tanz von exotischem Charakter und zum Teil mit kriegerischen Elementen. Die mourisca-Variante des Kampfes zwischen Christen und Mauren ist im heutigen Portugal vor allem im Norden des Landes zu finden. Das ursprüngliche Interesse der Autorin an dieser Arbeit, nämlich warum die mourisca mit dem mouro assoziiert wird, resultierte aus der Tatsache, dass verschiedene Autoren die mourisca von einem Tanz der Mauren hergeleitet hatten. Indem sie sich mit dem Element des "mouro" in seiner Vorstellung und Darstellung in den untersuchten Gemeinschaften auseinandersetzte, versuchte die Autorin herauszufinden, ob dieses Element in einem Vergleich von verschiedenen mourisca Varianten herbeigezogen werden kann und einer Definition der mourisca dient. Der Begriff "mouro" wird in Portugal nicht nur für die Mauren verwendet, sondern trägt verschiedene Konnotationen, die in diesem Buch erklärt werden. Die Studie geht von der Hypothese aus, dass der "mouro" noch heute in Nordportugal in der Vorstellung der Bevölkerung als Erinnerung an eine Figur aus der Geschichte Portugals (die Mauren), sowie als Mythos ("die Zeit der mouros") und projektive Figur (Lokalvorstellungen, Legenden) zu finden ist und sich dies auch in mourisca Tanzdramen manifestiert. In der Einleitung der Arbeit wird in die Geschichte der mouros auf der Iberischen Halbinsel und die Kulturpolitik in Portugal eingeführt, sowie die Vorgangsweise in der Erstellung der Arbeit geschildert. Der Hauptteil teilt sich in drei Abschnitte: einen ethnograpischen, in dem die Ergebnisse der Feldforschungen in den untersuchten Festen präsentiert werden, einen Teil mit einer kritischen Literaturanalyse zum Thema und einen Teil, in dem die Begriffe "mouro" und "mourisca" basierend auf dem ersten und zweiten Teil analysiert werden. In der Konstruktion dieser Begriffe wird sowohl die Vorstellung in den jeweiligen ruralen Gemeinschaften als auch ihre Darstellung in den untersuchten religiösen Festen berücksichtigt. Die Schlussfolgerungen werden aus den Analysen im Hauptteil gezogen und diskutieren die Fragen: 1) Warum wird die mourisca mit dem mouro in Verbindung gebracht?, 2) Kann der mouro als Bedeutungseinheit in einem Vergleich von mouriscas verwendet werden? und 3) Warum sind die Vorstellung des mouro und Darstellungen der mouriscas noch heute in Nordportugal zu finden?. Die Autorin kommt zum Schluss, dass im Laufe der Zeit zwei Begriffe verschmolzen, die ursprünglich nichts miteinander zu tun hatten, nämlich der Tanz der Mauren und der Begriff "mourisco" für Objekte, die mit den Mauren assoziiert wurden. Im Rahmen der Frage 2 wird gezeigt, dass der mouro in den untersuchten mourisca-Varianten trotz unterschiedlicher Kontexte formale und semantische Charakteristiken aufweist, die auch andere Autoren in Spanien und Mexiko beobachtet haben. Bei der Frage 3 werden das Wie und Warum der Tradierung der untersuchten kulturellen Phänomene diskutiert. Wichtige Punkte sind hier unter anderem die Überzeugungskraft von Tanz und Bewegung, der Umgang mit der geschichtlichen Vergangenheit, sowie die Schaffung von National- und Lokalidentität. Aufmerksam auf den letzten Punkt wurde die Autorin im Umgang mit geschichtlichen Quellen, dem Einfluss der Kulturpolitik des Estado Novo, Gesprächen mit Informanten und Beobachtungen von Anthropologen und Soziologen zur Stellung des Islams in Portugal. Generell beobachtet die Autorin ein starkes Festhalten an der eigenen Vergangenheit in den untersuchten ruralen Gemeinschaften und in der portugiesischen Geschichtsschreibung. Der Anhang beinhaltet ein Glossar der in der Arbeit verwendeten portugiesischen Wörter, musikalische und choreographische Transkriptionen, den Text des Auto da Floripes, den Ablauf der Forschungen der Autorin, eine Referenzbibliographie, sowie eine Liste der 43 Illustrationen und die Beschreibung der Begleit-DVD, die zur Veranschaulichung der untersuchten kulturellen Phänomene dienen soll.