Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (30%); Geschichte, Archäologie (60%); Philosophie, Ethik, Religion (10%)
Keywords
Early Iron Age,
Protogeometric nad Geometric pottery,
Early Cult practice,
Cape Colonna-Aegina,
Symposia
Abstract
Die vorgelegte protogeometrische und geometrische Keramik stammt zum überwiegenden Teil von Ägina-
Kolonna, einem im Nordwesten der Insel ins Meer hinausragenden Felskap, wo bereits vom Neolithikum an eine
Siedlung bestanden hatte. Die sehr große Menge an protogeometrischer Keramik macht deutlich, daß die in
spätmykenischer Zeit verlassene Akropolis auf Kap Kolonna im 10. Jh. v. Chr. wiederbesiedelt wurde. Von Anfang
an bestanden engste Beziehungen der Bewohner Äginas zu Athen, unabhängig von ihrer überlieferten dorischen
Abstammung, wurde doch feines bemaltes Tongeschirr fast ausschließlich von dort importiert. Dabei handelt es
sich vor allem um Formen, die beim Gastmahl und Trinkgelage verwendet wurden, wie Trink-, Mischgefäßte und
Kannen sowie Amphoren zur Anlieferung und Lagerung des Weins. Über zwei Jahrhunderte hat man bei solchen
gemeinschaftlichen Trinkritualen, die unter der Patronanz lokaler basileis bzw. einer Phratrie stattfanden und die als
Frühform des Apollon-Kultes an dieser Stelle zu deuten sind, attische Gefäße benützt. Erst um die Mitte des 8. Jhs.
v. Chr. wurde dieses Monopol Athens vor allem durch Produkte der zunehmend an Bedeutung gewinnenden
korinthischen Keramikindustrie, danach auch durch argivische und kykladische Tonwaren gebrochen, sodaß bereits
für das spätere 8. Jh. v. Chr. ein erweitertes Netz an Handelsbeziehungen und sozialen Kontakten der Ägineten zum
ägäischen Raum vorauszusetzen ist. Darüber hinaus läßt sich an der Keramik dieses Zeitraumes eine vorher nicht
dagewesene Differenzierung der Gesellschaft erkennen, die Teilnahme unterschiedlicher sozialer Gruppen am Kult,
zu denen weniger privilegierte Personen sowie eine durch verfeinerte Tischsitten erstmals faßbare Adelsschicht
zählen.