Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (100%)
Keywords
Art History,
Book Illumination,
Middle Ages
Abstract
Das Wiener Jahrbuch 2009 ist dem Thema Buchmalerei gewidmet und enthält Beiträge, die unbekanntes Material
vorstellen oder durch ihren methodischen Ansatz neue Wege für dieses Forschungsgebiet und die Kunstgeschichte
des Mittelalters erschließen. Der Aufsatz von Jeffrey Hamburger ist den Diagrammen in Lothar de Segnis De
Missarum Mysteriis und ihrer Bedeutung für das Verständnis mittelalterlichen Denkens gewidmet. Er demonstriert,
wie von kunsthistorischer Seite diese überwiegend geometrischen Darstellungen erschlossen und für die Deutung
mittelalterlicher Kunstwerke nutzbar gemacht werden können. Liselotte Saurma-Jeltsch hat sich dem Erzählen in
Miniaturzyklen zugewandt und die zeitliche Dimension der Bildrezeption in Büchern analysiert. Eine neue Quelle
für die Bilderzyklen im Randschmuck mittelalterlicher Stundenbücher hat Francois Avril mit den von Mantegna
gestalteten Tarot-Karten entdeckt. Die übrigen Beiträge gehen auf einen Workshop zurück, der vom 14. bis 16.
September 2007 im Institut für Kunstgeschichte stattgefunden hat und zum ersten Mal in umfassender Weise dem
Phänomen des gemalten Buchschmuckes in gedruckten Büchern nachgegangen ist. Buchmalerei in Inkunabeln ist
kein Randphänomen: Es handelt sich um eine Erscheinung, die den Übergang vom geschriebenen zum gedruckten
Buch begleitet und mitgestaltet. Ihre Untersuchung verspricht Einblicke in den Verlauf eines für die entstehende
Moderne zentralen Medienwechsels. Die Menge des ab der Mitte des 15. Jahrhunderts für Drucke hergestellten
gemalten Buchschmuckes übertrifft jene des gemalten Buchschmuckes für die zeitgleich entstandenen
Handschiften. Da es gegenwärtig gilt, die fast unübersehbar reiche Produktion von Buchmalerei im 15. und frühen
16. Jahrhundert zu erfassen, stellen die ausgemalten Drucke sowohl von der Menge her als auch methodisch eine
besondere Herausforderung dar.