Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (35%); Sprach- und Literaturwissenschaften (65%)
Keywords
Heraclitus,
Presocratic Philosophical Language,
Logos,
Semantics,
Orality-Literacy,
Cosmology
Abstract
Seitdem die "scuola urbinate" (z. B. B. Gentili) die Methoden der sog. oral theory für die Untersuchung der Lyriker
angewendet hat, ist klar, dass die Mündlichkeit nicht nur Rhapsoden, sondern im allgemein archaische Autoren in
ihrer Mentalität und Sprache beeinflußt. Von diesen Voraussetzungen ausgehend wird in der vorliegenden
Forschung der Einfluß der Interaktion zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit, die als "Auralität" bezeichnet
wird, in Bezug auf die erste Vorsokratiker und besonders auf Heraklit untersucht. Denn einerseits ist Heraklit ein
"image-thinker" (Havelock), der seine Prosa "dichterisch" komponiert, andererseits ermöglicht aber allein der
Einsatz der Schrift seine Sprachreflexion, in der, wie ich meine, die Rede (&omikron;&omikron;s) nicht
holistisch, d. h. als ein continuum (wie es für mündliche Gesellschaft üblich ist), sondern als eine von
&omikron;&omikron;ata zusammengesetzte Einheit dargestellt wird. Ein solcher &omikron;&omikron;s
vermag als kosmologisches Muster zu fungieren, da die physische Welt ebenfalls aus einer Vielzahl von eng
verbundenen, eine unsichtbare Einheit bildenden Phänomenen bestehet.