Das sogenannte Lukasgrab in Ephesos
Das sogenannte Lukasgrab in Ephesos
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (20%); Bauwesen (20%); Geschichte, Archäologie (40%); Philosophie, Ethik, Religion (20%)
Keywords
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Asia Minor,
Imperial Architecture,
Macellum,
Archaeology,
Byzantine Ephesus,
Pilgrimage
Das erstmals im 19. Jahrhundert untersuchte Monument südöstlich des Staatsmarktes von Ephesos wurde wegen eines kaiserzeitlichen Reliefs mit der Darstellung eines Zebus samt sekundär eingetieftem Kreuz über dem Buckel des Tieres zunächst als Grabanlage des Evangelisten bezeichnet. Daneben wurde als Funktion des Monuments ein Heroon, ein Polyandreion oder ein Tempel ventiliert, der in frühbyzantinischer Zeit schließlich in eine Kirche umgewandelt worden sei. Aufgrund der Untersuchungen der Jahre 1997 bis 2004 sind die genannten Ansätze allerdings großteils zu revidieren. So gelang etwa im Zuge von gezielten Nachgrabungen die Bestimmung der ehemaligen Funktion als Brunnenanlage, fanden sich doch nicht nur die Reste der Zuleitung und der Steigleitung, über die das Wasser auf das Podium transportiert worden ist, sondern auch die Ableitung in Form eines Abflussbeckens. Die zeitliche Einordnung der Anlage in die Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. ergibt sich sowohl aus dem stratigraphischen Befund als auch aufgrund der erhaltenen Bauornamentik, die direkt mit jener des inschriftlich datierten Vediusgymnasiums (Propylon und Kaiserkultsaal) verglichen werden kann. Hervorzuheben ist zudem die Gestaltung der Anlage als Monopterosbrunnen, einem Brunnentypus, der sich besonders im 2. Jahrhundert n. Chr. großer Beliebtheit erfreute. Nähere Informationen wurden auch zu den umgebenden Hallen gewonnen, die im Laufe des 20. Jahrhunderts in Vergessenheit geraten und daher in den wissenschaftlichen Betrachtungen der letzten Jahrzehnte stets unberücksichtigt geblieben waren. Besonders zu erwähnen ist ferner, dass auch die Funktion des Ensembles Quadriportikus - Monopteros näher eingegrenzt werden konnte. Zahlreiche epigraphische und bautypologische Indizien sprechen nämlich für eine Deutung als öffentliche Marktanlage, wobei diese Interpretation zudem durch das Fundmaterial gestützt wird. Hervorgehoben seien hier vor allem die zahlreichen Tierknochen, die etwa in den Kanälen der Portiken sichergestellt wurden. In der 2. Hälfte des 5. Jahrhunderts wurde der Monopteros schließlich abgetragen und eine Kirche auf dem Podium errichtet. Allerdings hat sich von diesem Zentralbau nichts erhalten, da die Ruine in postbyzantinischer als Steinbruch verwendet worden sein dürfte. Wie wenige Reste polychromer Malerei beweisen, war die Krypta, die anstelle des östlichen Kammersektors des Brunnenpodiums unter der Apsis eingerichtet worden war, ehemals prächtig ausgestattet (Fresken mit neutestamentlichen Szenen). Besonders die Anlageart der Unterkirche, die über zwei getrennte Eingänge und eine Verbindungstreppe zwischen Ober- und Unterkirche verfügte, könnte auf die Deutung als Pilgerkirche weisen. Allerdings fanden sich keine konkreten Hinweise auf den/die hier verehrte/n Heilige/n. In der vorliegenden Publikation finden sich entsprechend der kontextorientierten Auswertung des Monumentes zudem die Ergebnisse der Fundbearbeitung (im Konkreten der Keramik, Epigraphik, Numismatik, Anthropologie und Archäozoologie).