Das Preßburger Protocollum Testamentorum, Band 1
Das Preßburger Protocollum Testamentorum, Band 1
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (70%); Humangeographie, Regionale Geographie, Raumplanung (10%); Rechtswissenschaften (20%)
Keywords
-
Bratislava,
Testaments,
Edition,
Literality,
Town Register,
Middle Ages
Im Preßburger "Protocollum Testamentorum", einem spätmittelalterlichen Stadtbuch, sind fast ausschließlich letztwillige Verfügungen eingetragen worden; außerdem finden sich einige Messstiftungen und Heiratgutzusagen. Die Anlage eines eigenen Buches für diesen Zweck ist typisch für die Entwicklung der städtischen Administration von Preßburg (slow. Bratislava, ung. Pozsony, lat. Posonium), einer Stadt, die am Anfang des 15. Jahrhunderts die zweitwichtigste Siedlung des Königreichs Ungarn und sogar Nebenresidenz Kaiser Sigismunds war. Es ist der Begegnung mit der königlichen Administration und der musterhaften Rolle des etwa 60 km westlich liegenden Wien zu verdanken, dass die Schriftlichkeit von Preßburg eine so differenzierte Praxis ausbildete. Für das mittelalterliche Ungarn ist dieses Quellenmaterial ganz einzigartig: es gibt kaum anderswo ein so umfangreiches und spezialisiertes Stadtbuch, das eine so große Anzahl von Testamentseintragungen enthält. Etwa ein Drittel aller aus dem ungarischen Mittelalter erhalten gebliebenen letztwilligen Verfügungen sind im "Protocollum" überliefert. Der vorliegende Band stellte den ersten Teil der auf zwei Bände ausgelegten Edition des "Protocollum testamentorum" dar und umfasst die Einträge zu den Jahren 1410-1487. In der Absicht der Testierenden vereinten sich die Sorge um das Seelenheil, die Haftung für die materielle Sicherheit der nächsten Verwandten und die Sicherung einer positiven Memoria durch die Nachwelt. Diese mehrfache Absicht erlaubt vielseitige Auswertungsmöglichkeiten, angefangen bei der Rechtsgeschichte über alltags-, sozial- und kulturgeschichtliche Aspekte bis zur Religions- und Mentalitätsgeschichte. Die Edition wird durch eine umfassende Einleitung und eine Liste der Testatoren ergänzt; ein ausführliches Personen-, Orts- und Sachregister wird zusammenfassend für beide Bände im 2. Teil folgen.