Privaturkundenlehre I: Notarielle und kirchliche Urkunden
Privaturkundenlehre I: Notarielle und kirchliche Urkunden
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (85%); Medien- und Kommunikationswissenschaften (5%); Rechtswissenschaften (10%)
Keywords
-
Private Charters,
Middle Ages,
Notarial Documents,
Diplomatics,
Ecclesiastical Documents
Die sogenannten Privaturkunden aus dem Mittelalter sind Geschichtsquellen von ungeheurer Fülle, Streuung und Verschiedenheit; eben deshalb sind sie in vieler Hinsicht schwieriger zu bearbeiten als Herrscher- oder Papsturkunden. Dennoch (oder vielleicht eben deshalb?) gibt es keine einführende Übersicht zu dieser wichtigen Quellengattung aus neuerer Zeit: Das jüngste solche Werk in deutscher Sprache stammt von 1911, das jüngste in einer anderen Sprache (und weitestgehend auf Frankreich konzentriert) von 1948. Der hier vorgelegte Band vereinigt in sich die Entwicklungsgeschichte einerseits mit einer knappen Einführung in die (Privat-)Urkundenlehre überhaupt (denn der Band soll auch für sich allein benützbar sein); andererseits und vor allem finden sich hier auch eine Einführung in die praktische Arbeit und eine Beispielsammlung. Bei der geschichtlichen Entwicklung der Privaturkunde wird hier erstmals und konsequent der gesamte europäische Kontinent, soweit von der lateinischen Schriftkultur erfasst, gleichmäßig und unter einheitlichen Gesichtspunkten in den Blick genommen. Dieser Raum deckt sich in hohem Maß mit dem gegenwärtigen Umfang der Europäischen Union (zuzüglich Schweiz, Norwegen und Kroatien, ohne Griechenland, Zypern und Bulgarien). Die Darstellung reicht von den römischen Grundlagen bis ins ausgehende 13. Jahrhundert; dieser Zeitraum entspricht der Periode des "reinen" Urkundenwesens im Gegensatz zur Antike wie auch zum Spätmittelalter, als auch andere Typen von Aufzeichnungen und vor allem Amtsbücher in Gebrauch waren. Die Darstellung gilt zunächst dem europäischen Zentralraum und hier zuerst dem notariellen Urkundenwesen, wie es sich im Mittelmeergebiet entwickelt und später in den Norden ausgebreitet hat, dann dem kirchlichen Urkundenwesen. Nach der Vorstellung von speziellen Lösungen von überwiegend regionaler Bedeutung folgt eine Übersicht über die (vielen) Besonderheiten in den Ländern an der Peripherie des lateinischen Europa. Im anschließenden praktischen Teil geht es um die Formen, in denen Privaturkunden überliefert sein können, sowie um die methodischen Grundsätze der Privaturkunden-Kritik. Dazu gehört auch die Diskussion aktueller Themen der Forschung. Eine auch nur einigermaßen vergleichbare Zusammenfassung hat bislang nicht existiert, geschweige denn in Verbindung mit einer geschichtlichen Darstellung. Eine Beispielsammlung mit 29 Abbildungen samt Transkriptionen und Kommentaren veranschaulicht die theoretische Darstellung. Hierbei wurde auf zeitliche, räumliche, thematische und typologische Streuung in einem Ausmaß Wert gelegt, wie das vergleichbaren Darstellungen bisher ebenfalls nirgendwo zu finden ist.
- Universität Graz - 100%