Das Bouleuterion in Ephesos
Das Bouleuterion in Ephesos
Wissenschaftsdisziplinen
Bauwesen (60%); Geschichte, Archäologie (40%)
Keywords
-
Ephesos,
Sponsorship in the Roman Empire,
Roman Architecture,
Roman Epigraphy,
Roman Sculpture,
Roman Town Halls
Der vorliegende Band umfasst das überarbeitete Manuskript des 2004 verstorbenen L. Bier zur Forschungsgeschichte und Architektur des kaiserzeitlichen Rathauses (Bouleuterion) in Ephesos (Türkei), ergänzt durch Beiträge von Kolleginnen und Kollegen, zur Architektur (H. Thür), zur Architekturdekoration (U. Quatember), zu den Inschriften (H. Taeuber) und zur Skulptur (M. Aurenhammer, T. Opper). Es handelt sich um die umfassende Vorlage dieses Bauwerks und seiner gesamten Dekoration. Bereits in der Mitte des 19. Jhs. unter J.T. Wood ergraben, wurde das Gebäude oft in der Literatur behandelt, eine Bauaufnahme und eine Analyse der gesamten Ausstattung fehlten jedoch. Bouleuteria der mittleren Kaiserzeit waren multifunktionale Gebäude, die Raum für die Ausübung städtischer Politik, aber auch für kulturelle Veranstaltungen boten. Das kaiserzeitliche Rathaus von Ephesos bestand aus einem halbkreisförmigen Auditorium, das auf eine zweistöckige Bühnenwand ausgerichtet war, jedoch kein tatsächliches Bühnengebäude besaß. Ein hellenistischer Vorgängerbau ließ sich nicht nachweisen. Durch genaue Dokumentation der Architektur gelang L. Bier die Scheidung mehrerer Konstruktionsphasen. In der wahrscheinlich um 100 n. Chr. zu datierenden 1. Phase war die Bühnenwand parataktisch durch Säulenreihen gegliedert. Die Hauptphase fällt in die Mitte des 2. Jhs. n. Chr., als P. Vedius Antoninus, ein hervorragender Mäzen der Stadt mit guten Beziehungen zum Kaiserhaus, die Bühnenwand zu einer modernen Tabernakelfassade umbauen ließ (vgl. die Bauinschrift) und dafür eine Statuengalerie stiftete. Durch Auswertung der architektonischen Reste und durch den Vergleich mit ähnlichen Fassaden konnte L. Bier eine Rekonstruktion dieser Fassade vorlegen. Die Holzkonstruktion des Daches läßt sich nur theoretisch abhandeln. Die an der Bühnenwand angebrachten Inschriften behandeln v.a. das Bauprogramm des Stifters Vedius in Ephesos und dessen Unterstützung durch Kaiser Antoninus Pius. Diese `Kaiserbriefe` datieren die Errichtung der Fassade in die 50er Jahre des 2. Jhs. n. Chr. Das Skulpturenprogramm der neuen Fassade umfasste eine - nur mehr in Fragmenten erhaltene - Galerie von Porträtstatuen des Kaisers, seiner Adoptivsöhne und von Frauen und Töchtern der Dynastie. Die Statuen wurden nach Aussage der Inschriftbasen unter Antoninus Pius, aber offenbar nicht gleichzeitig aufgestellt. Ein erhaltenes Mädchenporträt stellt möglicherweise eine der Töchter des Marc Aurel dar. Eine Inschriftbasis für eine Statue des Demos (Personifikation des Volkes) weist auf die Existenz eines Statuenpaars von Demos und Boule (Personifikation des Rates) hin. - Die Architekturdekoration der 2. Phase läßt sich mit anderen von den Vedii gestifteten ephesischen Bauten vergleichen und legt nahe, daß auch diese Dekoration ein sorgfältig geplanter Teil des Bauprogramms war. - Das Bouleuterion war bis in die Spätantike und darüber hinaus als Gebäude in Verwendung. Die dort gefundenen Skulpturen mythologischen Inhalts wurden erst in der Phase nach Vedius in der Fassade aufgestellt.