Viktor E. Frankl - Gesammelte Werke, Band 4 - Ärztliche Seelsorge
Viktor E. Frankl - Gesammelte Werke, Band 4 - Ärztliche Seelsorge
Wissenschaftsdisziplinen
Psychologie (100%)
Keywords
-
Ärztliche Seelsorge,
Logotherapy,
Meaning-Oriented Psychotherapy
Die Ärztliche Seelsorge hat als vierter Band der "Gesammelten Werke" (GW) eine besondere Bedeutung. Einerseits zählt sie mit elf Auflagen zu den bekanntesten und einflussreichsten Werken Frankls. Sie nimmt für Frankl persönlich den höchsten Rang unter seinen Schriften ein, hat er sie doch als sein "wissenschaftliches Lebenswerk" (Frankl: GW 1, 179) und "wissenschaftliches Hauptwerk" (GW 1, 134) bezeichnet. Andererseits ist der vorliegende Band auch historisch von großem Interesse, da hier erstmals alle drei Fassungen der Ärztlichen Seelsorge nebeneinander und kritisch kommentiert veröffentlicht werden. Gesondert hervorzuheben ist die kurz vor Frankls Deportation nach Therienstadt fertig geschriebenen Erstfassung, von der nur ein Exemplar in Form eines Typoskripts erhalten geblieben ist. Frankl hat das erste Manuskript vor dem September 1942 unter Zeitdruck zu einem vorläufigen Abschluss gebracht und zur Sicherheit je eine Kopie davon seinen beiden engsten Freunden zur Aufbewahrung anvertraut. Eine Kopie erhielt Hubert Gsur, ein Kletterkameraden und engster Freund. Eine zweite Kopie zusammen mit anderen Büchern, insbesondere der Werke Max Schelers und anderer Utensilien bekam Paul Polak, Neurologe und Psychiater und einer seiner frühen und längsten Freunde und Weggefährten. Das Original des ersten Manuskripts nahm Frankl mit sich, als er im September 1942 nach Theresienstadt kam; ihm wurde dieses Original aber in Auschwitz abgenommen: In der Desinfektion [in Auschwitz, Hrsg.] kamen wir [Internierten, Hrsg.] um alles Letzte, was wir hatten: nur Brille und Gürtel blieben mir und den andern - alles andere, alle Dokumente, Fotos, Kleidung, Hab und Gut, mein wissenschaftliches Lebenswerk (druckfertiges Manuskript), alles ging in einer Minute verloren, mit den Kopfhaaren, die uns abgeschoren wurden. (Brief Frankls an seinen Freund Wilhelm Börner und dessen Frau, 15. Juni 1945. - In: GW, 1: 179) Hubert Gsur wurde seinerseits wegen "Zersetzung der Wehrmacht" 1943 zum Tode verurteilt; der Verbleib von Gsurs Kopie der Ärztlichen Seelsorge ist unbekannt. Überstanden hat lediglich die bislang unveröffentlichte bei Paul Polak verbliebene Kopie - die in diesem Band nun erstveröffentlicht und mit den beiden späteren Nachkriegsfassungen der Ärztlichen Seelsorge verglichen werden soll. Der vierte Band der Gesammelten Werke beginnt mit Vorbemerkungen der Herausgeber und endet mit einem Anhang. Dazwischen befindet sich der folgende Textteil: I Vorbemerkungen II Vorarbeiten zu einer wertorientierten Psychotherapie III Erstfassung der Ärztlichen Seelsorge 1942 mit ausgewählten Faksimiles IV Zweitfassung der Ärztlichen Seelsorge 1945 mit ausgewählten Faksimiles V Letztauflage der Ärztlichen Seelsorge 2005 VI Anhang Bemerkungen zu den einzelnen Abschnitten. Die Vorbemerkungen enthalten u. a. die bisher unveröffentlichte Entstehungsgeschichte der Ärztlichen Seelsorge, die sich an drei Manuskriptfassungen rekonstruieren lässt. Außerdem enthält dieser erste Abschnitt auch Einsichten über Gemütsverfassung und Arbeitsstil Frankls. Auf diese Weise soll die hermeneutische Erschließung der Ärztlichen Seelsorge erleichtert werden. Die Vorarbeiten zu einer wertorientierten Psychotherapie bestehen aus vier Aufsätzen aus den Jahren 1925, 1937, 1938 und 1939, in denen Frankl seinen wertorientierten Therapieansatz gefordert und dessen Grundzüge entworfen hat. Die Erstfassung des Manuskripts enthält das Material, das Frankl bis zu seiner Internierung nach Theresienstadt zusammentragen konnte. Die Herausgeber haben in zahlreichen Fußnoten ergänzende Kommentare zur Erleichterung des Textverständnisses aufgenommen. Bei dieser Erstfassung handelt es sich um das einzige existierende Typoskript der Ärztlichen Seelsorge. Die Zweitfassung ist jenes Material, das Frankl durch gedankliche Rekonstruktion zustande gebracht hat. Sie ist im Erzählton gehalten, der durch das für Frankl damals notwendige "Diktat ins Stenogramm" (Frankl) der Schreibkraft zustande gekommen ist. Einige Faksimileseiten aus dem ersten und zweiten Manuskript können den Leser einen Eindruck über dessen Beschaffenheit und die Arbeitsweise Frankls optisch vermitteln. Die Letztauflage dokumentiert den erreichten Stand zu Lebzeiten Frankls. Sie enthält zahlreiche Ergebnisse empirischer Forschung, die die Wirksamkeit der Psychotherapie Frankls bestätigen. Der Anhang enthält die Dokumentation der Textverschiebungen von der Erstfassung (1942) über die Erstauflage der Ärztlichen Seelsorge (1946) zur Letztauflage (2005). Damit lässt sich Frankls Bemühen um die angemessene Formulierung belegen. Ferner finden sich im Anhang eine Bibliographie, ein Personen- und ein Sachregister sowie zahlreiche Informationen zu jenen weniger bekannten Namen, die Frankl im Text erwähnt hat.