Die böhmischen Länder in den Wiener Zeitschriften und Almanachen des Vormärz 1805 - 1848. Teil II
Die böhmischen Länder in den Wiener Zeitschriften und Almanachen des Vormärz 1805 - 1848. Teil II
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (25%); Geschichte, Archäologie (25%); Philosophie, Ethik, Religion (25%); Sprach- und Literaturwissenschaften (25%)
Keywords
-
Bohemian studies,
Viennese periodicals,
Biographical source material,
Pre-March era Bohemian historiography,
References to Bohemian education system,
Bohemian scholars/scientists/Learned Societies
Die Erinnerung an kulturelle Prozesse, verbunden mit der Herausbildung von modernen Schriftsprachen und Nationalliteraturen bzw. der Bewahrung nationaler Identität (Polen) in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, ist für das Selbstverständnis der slavischen Kulturen Zentraleuropas von größter Bedeutung. Traumatische kollektive Erfahrungen von Kriegen, Totalitarismen und ökonomischen Zwängen, welche die jungen Nationalstaaten im 20. Jahrhundert zu gewärtigen hatten, führten zu Prozessen kultureller Ab- und Ausgrenzung, die nach wie vor mentale Barrieren darstellen. Kulturelle Gemeinsamkeiten traten in den Hintergrund, allseits wurden Strategien, die der Konstruktion nationaler Identität diente, verfolgt. Die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Wien, dem Zentrum politischer Macht des Habsburgerstaates, erschienenen gelehrten Zeitschriften und Unterhaltungsblätter, die sich als "nicht politische" Organe definierten, haben trotz Zensur und Gängelung der Presse, aber auch im Sinne der Politik über das kulturelle Leben im Gesamtreich Kenntnisse und Wissen vermittelt; darüber hinaus genoss auch das Russische Imperium mediale Aufmerksamkeit. Das "Wiener Vormärz-Slavica-Projekt" hat sich die Auswertung dieser Periodika zum Ziel gesetzt. Dies geschieht in Form einer nach Themenbereichen gegliederten kritischen Bestandsaufnahme und Inventarisierung des Materials. Es erschienen bislang vier Bände: 1990: Russland in den Wiener Zeitschriften und Almanachen des Vormärz (1805-1848) (Nachträge: 1998); 1992: Polen und Ruthenen in den Wiener Zeitschriften und Almanachen des Vormärz (1805-1848); 1994: Die Südslaven in den Wiener Zeitschriften und Almanachen des Vormärz (1805-1848); 2004: Oberungarn (Slowakei) in den Wiener Zeitschriften und Almanachen des Vormärz. (1805-1848). Die Gliederung des Materials ist in allen Bänden gleich und umfasst die Kapitel: Literatur und Schrifttum - Sprachwissenschaften - Philosophie, Ästhetik, Rhetorik - Bildungsinstitutionen - Kunst - Recht - Religion - Landeskunde - Politische Ökonomie - Naturwissenschaften und Mathematik. Der fünfte Band dieser komparatistischen Reihe erfasst das Material über die böhmischen Länder. Teil I (Literatur und Schrifttum) ist in Druck. Der vorliegende Teil II umfasst die Kapitel: Sprachwissenschaften - Philosophie, Ästhetik, Rhetorik - Geschichte - Bildungsinstitutio-nen. Gedächtnisnotizen, historische Abhandlungen, Korrespondenzberichte, Todesmeldungen, Ankündigungen über neue Sachbücher, stehende Kolumnen informierten beständig über das öffentliche und kulturelle Leben in Böhmen, Mähren und Schlesien, von wo sich ein Teil der Intelligenz auch nach Wien begab. Indem eine inhaltliche Erschließung der Quellen geboten wird, ermöglicht das Werk die Rekonstruktion eines ehemaligen zentraleuropäischen Kommunikationsraumes (Moritz Csky) und zeigt auf, wie sich dieser medial konstitutierte bzw. konstruiert wurde. Das vorliegende Material kann als Ergänzung des tschechischen kollektiven Gedächtnisses über die Periode der "nationalen Wiedergeburt" gesehen werden, und es bildet ein neues Viennensia-Archiv.