Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (60%); Philosophie, Ethik, Religion (30%); Sprach- und Literaturwissenschaften (10%)
Keywords
Albanai,
Mosaic,
Basilica
Abstract
Die in den Jahren 1974 bis 1989 von HAVA und SALI HIDRI freigelegte dreischiffige Anlage befindet sich etwa
sechs Kilometer südöstlich der Hauptstadt der Provinz Epirus Nova und weist im Grundriss große Ähnlichkeiten zu
Basiliken in Epirus Vetus, d. h. Dodona, Paramythia und Nikopolis (heute alle in Westgriechenland) auf. Das
Gebäude ist eng mit der kirchlichen Organisation des Bistums der antiken Stadt Dyrrhachium verbunden und hatte
nicht nur für das religiöse, sondern auch das politische Leben große Bedeutung.
Mit seiner Länge von 65 und der Breite von 28 m ist es die derzeit größte ergrabene Kirche in Albanien.
Die Grundrissgestaltung (etwa der Trikonchos mit halbkreisförmigen, nach außen vorspringenden Apsiden und die
drei Kirchenschiffe, die zusammen die Gestalt eines lateinischen Kreuzes ergeben sowie das Atrium mit
umlaufender Quadriporticus und Brunnenanlage) und bauliche Ausführung (Säulen, Kapitelle und Schrankenplatten
aus prokonnesischem Marmor) legen eine Entstehung in der Regierungszeit Justinian I. (527 - 565) nahe.
Besondere Bedeutung erhält der Bau auch durch ein im südwestlichen Nebenraum oberhalb einer Grabkammer
verlegtes Mosaik. Sein hervorragender Erhaltungszustand und die exzellente Ausführung machen es durchaus den
Mosaiken im Kaiserpalast von Konstantinopel vergleichbar. Es zeigt zwei Bildflächen: zwei Hirsche links und
rechts eines Kantharos mit Weinstock sowie in bukolischer Idylle zwei einander zugewandte Personen, deren
Deutung durch die sehr spezielle Bildgestaltung äußerst schwierig ist.
In mittelbyzantinischer Zeit erfolgte starke Zerstörung durch Brand, weshalb die Kirche vielleicht mit der bei der
byzantinischen Chronistin Anna Komnena im Zusammenhang mit dem Normanneneinfall des Jahres 1081
erwähnten des Hl. Michael in Verbindung gebracht werden kann. Keramische und numismatische Funde
dokumentieren ihr Weiterleben noch darüber hinaus bis ins 14. Jahrhundert.
Damit stellt das vorgelegte Werk ein erstklassiges Monument des in der internationalen Fachwelt wenig bekannten
frühen Christentums in Albanien im Kontext der Archäologie und ihrer Nachbardisziplinen (Geschichte,
Kunstgeschichte, Byzantinistik etc.) dar.