Tabula Imperii Byzantini, Band 15: Syria (Syria Prote, Syria Deutera, Syria Euphratesia)
Tabula Imperii Byzantini, Band 15: Syria (Syria Prote, Syria Deutera, Syria Euphratesia)
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (20%); Philosophie, Ethik, Religion (30%); Sprach- und Literaturwissenschaften (50%)
Keywords
-
Byzantine Studies,
Historical Geography,
History Near East,
Syria,
Church History Middle Ages,
Archaeology
Bei dem vorliegenden dreibändigen Werk handelt es sich um eine Historische Geographie Nordsyriens im Zeitraum vom Hellenismus bis zum Ende der Kreuzfahrerzeit (300 v. Chr.-1300 n. Chr.). Der in TIB 15 behandelte geographische Raum umfasst außer dem Nordteil des Staatsgebiets der heutigen arabischen Republik Syrien auch die an Syrien angrenzenden Provinzen der Republik Türkei. In Ergänzung der bisherigen historisch- archäologischen Erforschung des syrischen Raums, die sich entweder auf das altorientalische, hellenistisch- römische oder auf das islamische und kreuzfahrerzeitliche Syrien konzentrierte, konnte im Rahmen dieses Bandes der TIB die in ihrer entscheidenden Bedeutung noch nicht hinreichend gewürdigte byzantinische Komponente, die nicht nur im behandelten Zeitraum wirksam war, sondern z.B. auch für das heutige Selbstverständnis der im modernen Nahen Osten lebenden griechisch-orthodoxen Christen von Bedeutung ist, in ihrer räumlichen Gebundenheit herausgearbeitet werden. Die Bedeutung des nördlichen Syrien für das oströmisch-byzantinische Reich kann nicht überschätzt werden. Bis zu den Katastrophen des 6. Jahrhunderts gehörten die hier behandelten nordsyrischen Reichsprovinzen Syria prote mit der Hauptstadt Antiocheia (heute Antakya, Türkei), Syria deutera mit der Hauptstadt Apameia (heute Qal`at al- Maiq) und Syria Euphratesia mit der Hauptstadt Hierapolis (heute Manbig) zu den am dichtesten bevölkerten und ökonomisch reichsten Territorien des Imperiums. Nach der arabisch-muslimischen Eroberung des Nahen Ostens (633-638) diente Nordsyrien als Aufmarschgebiet arabischer Heere für Feldzüge gegen Byzanz. Nach der byzantinischen Rückeroberung des küstennahen Nordsyrien war der Dukat von Antiocheia (970-1084) das wichtigste Militärgouvernement des Reiches, das sich bis vor die Tore von Tripolis und im erstreckte. Aleppo blieb zwar Hauptstadt eines arabisch-muslimischen Emirats, doch entrichteten die Emire bis in die 1060er Jahre Tribute an den byzantinischen Kaiser. Das griechisch-orthodoxe Patriarchat von Antiocheia wurde 969/970 in die byzantinische Reichskirche reintegriert. Im 12. Jahrhundert waren die beiden nordsyrischen Kreuzfahrerstaaten, die Grafschaft Tripolis und das Fürstentum von Antiocheia, zeitweise Vasallenstaaten des Reiches. Auch nach 1180 übte Byzanz vor allem durch zeitweise sehr enge diplomatische Beziehungen zu den mamlukischen Sultanen (1250-1517) Einfluss auf die Geschichte Syriens aus. Ziel des Forschungsunternehmens war es, das hellenistisch-römische und byzantinische bzw. byzantinisch geprägte Nordsyrien im Zeitraum zwischen der römischen Kaiserzeit und dem Ende der Kreuzzüge durch eine möglichst vollständige Auswertung aller epigraphischen, literarischen und urkundlichen Quellen in sämtlichen in Frage kommenden Quellensprachen (Alt- und Mittelgriechisch, Latein, Syrisch/Syroaramäisch und andere aramäische Dialekte, Arabisch, Armenisch, Georgisch, Alt- bis Türkeitürkisch, Alt- bis Neupersisch, Hebräisch, Altäthiopisch/Ge`ez und ca. ein Dutzend weitere mehr) sowie durch eine wenigstens summarische Erfassung aller einschlägigen Denkmäler siedlungsgeschichtlich und topographisch zu erfassen. Das dreibändige Werk besteht aus einer umfangreichen Einleitung, in der zunächst in den Abschnitten A-C die Geographie und die historische und administrative Entwicklung Nordsyriens unter Einbeziehung der zahlreichen Naturkatastrophen behandelt werden. Die Abschnitte D-G. sind der sehr komplexen Kirchengeschichte, dem Mönchtum, der Bevölkerungsentwicklung, der Wirtschaft und den Verkehrsverbindungen dieses Gebietes gewidmet. Im zweiten Teil (Metropolen) geben die Verfasser einen detaillierten Überblick über die Geschichte und die einschlägigen Denkmäler der beiden wichtigsten Städte Nordsyriens in der Zeit bis zur 2. Hälfte des 13. Jh., Antiocheia/Antakya und Beroia/Aleppo. Im dritten Teil, der aus ca. 2.000 ortskundlichen Lemmata besteht, werden alle Städte, Siedlungen und Klöster Nordsyriens behandelt, die in den oben genannten literarischen und epigraphischen Quellen erwähnt werden oder in denen heute noch mehr oder minder gut erhaltene Reste von Bauten aus der Zeit zwischen 300 v. Chr. und 1300 n. Chr. archäologisch nachgewiesen werden können. Zu dem dreibändigen Werk gehören zwei thematische Karten, die in enger Zusammenarbeit mit Professor Dr. Anton ESCHER und den beiden Diplom-Geographen Barbara FUCHS und Peter SPEHS (alle drei sind am Geographischen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz tätig) erstellt wurden. Die Hauptkarte im Maßstab 1:800.000 bietet einen Überblick über das gesamte Gebiet, die zweite Karte im Maßstab 1:400.000 zeigt das nordsyrische Kalksteingebirge.
- Universität Wien - 100%