Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (60%); Soziologie (40%)
Keywords
Narrative Identity,
Life-Story,
Love,
Paul Ricoeur,
Self-Construction,
Autobiographical Memory Interview
Abstract
Die vorliegende Dissertation nimmt das autobiografische Erzählen als eine Praxis der Identitätskonstruktion in den
Blick. Wissenschaftliche und öffentliche Diskurse thematisieren das Selbst und dessen Identität verstärkt unter den
Schlagwörtern der Fragmentierung, Pluralisierung und Auflösung. Demgegenüber wird im Rahmen dieser
Untersuchung ein Identitätsbegriff vorgeschlagen, der mit der Erfahrung des Wandels und der Diskontinuität von
Lebensverläufen vereinbar ist. Das Konzept einer narrativen Identität wird in Anlehnung an Paul Ricoeur als
mögliche Antwort auf die theoretische Opposition zwischen Fragmentierung und Stabilität gefasst. Anhand von
Interviews, in denen Personen von ihren Lebens- und Liebeserfahrungen berichten, wird gezeigt, inwiefern Identität
weder als ein stabiler Tatbestand, noch als ein Besitz der Person zu verstehen ist. Vielmehr erweist sie sich als eine
immer wieder neu zu leistende, narrative Aufgabe. Die Liebe bildet dabei den zentralen Schauplatz der
Konstruktion einer Identität, die sich jeweils nur in Bezogenheit von Ich und Anderem (relational) herstellt. Sechs
Falldarstellungen dokumentieren unterschiedliche Varianten der Her-, und Darstellung von Identität im
autobiografischen Erzählen. Sie zeigen, wie einzelne Personen unter Bezugnahme auf kulturelle Narrative und
Diskurse ihre Lebensgeschichten erzählerisch gestalten. Damit fragt die vorliegende Untersuchung nicht zuletzt
nach den (Un-)Möglichkeiten, sich biografisch zugleich als veränderbares, wie auch als dauerndes Subjekt zu
begreifen.