Mentalisieren und episodische Erinnerungen (MEMES)
Mentalizing and Episodic Memories (MEMES)
Wissenschaftsdisziplinen
Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (50%); Psychologie (50%)
Keywords
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Theory of Mind,
Episodic Memory,
Mentalizing,
Fmri,
Social Neuroscience
Sich in die Lage eines anderen zu versetzen oder die eigenen zukünftigen Schritte vorherzusagen, erfordert einen Mentalisierungsprozess: Man muss sich vorstellen, wie es ist, eine andere Person zu sein (selbst wenn diese andere Person das eigene zukünftige Ich ist). Das ist jedoch leichter gesagt als getan Mentalisierung ist ein kognitiv bemerkenswert komplexes Unterfangen. Warum aber scheint es den meisten Menschen so leicht zu fallen, zu mentalisieren? Eine entscheidende, aber bisher weitgehend übersehene Antwort auf diese Frage könnte in unserer Fähigkeit liegen, auf unsere eigenen vergangenen Erfahrungen (unsere episodischen Erinnerungen) zurückzugreifen. Unsere Fähigkeit, die Vergangenheit abzurufen, scheint dieselben Gehirnregionen zu nutzen wie unsere Fähigkeit, die Perspektive einer anderen Person (oder unseres zukünftigen Ichs) einzunehmen. Mit anderen Worten: Die Forschung deutet zunehmend darauf hin, dass wir uns möglicherweise in die Lage eines anderen versetzen (oder unsere eigenen Schritte vorhersagen) können, indem wir uns an unser vergangenes Ich erinnern. Diese Ergebnisse sind zwar vielversprechend, aber bislang nur Indizien obwohl Mentalisierung und Gedächtnis offenbar in denselben Hirnregionen stattfinden, gibt es bisher keine systematischen Bemühungen, diese beiden Themen zu verknüpfen. Daher wissen wir noch vieles nicht über das Zusammenspiel von Erinnerungen und Mentalisierung. Ein Hauptgrund für die eingeschränkte Integration dieser Themen ist der Mangel an methodischen Instrumenten zur Erforschung des Zusammenspiels. Um diese Lücke zu schließen, entwickeln wir neue Online- und Bildgebungs- Experimente, mit denen wir anschließend das Zusammenspiel von Erinnerungen und Mentalisierung anhand von drei Schwerpunkten untersuchen. Zuerst untersuchen wir die Rolle von Erinnerungen bei der Mentalisierung. Aus früheren Untersuchungen wissen wir, dass es einfacher ist, die Perspektive einer Person mit ähnlichem als mit anderem Hintergrund einzunehmen. Wir erforschen die kognitiven Mechanismen, die dieses ähnlichkeitsbasierte Mentalisieren unterstützen. Wir stellen dann die umgekehrte Frage: Verbessert die Perspektive eines anderen unsere Fähigkeit, auf unsere eigenen Erfahrungen zurückzugreifen? Auch wenn diese Frage zunächst nicht intuitiv erscheinen mag, ist es doch allgemein bekannt, dass wir durch die Beobachtung anderer neue Verhaltensweisen erlernen können. Wir werden untersuchen, ob dieses soziale Lernen auch unsere Fähigkeit verbessert, auf unsere eigenen Erfahrungen zurückzugreifen. Schließlich wollen wir unser Verständnis der neuronalen Grundlagen vertiefen, die dieses Zusammenspiel zwischen Gedächtnis und Mentalisierung unterstützen. Erste Erkenntnisse deuten darauf hin, dass beide Prozesse Teil eines größeren Gehirnnetzwerks (des Default Mode Network) sind. Die Erforschung dieses Zusammenspiels könnte daher ein neues Licht auf eine Vielzahl von Gehirnfunktionen werfen.
- Universität Wien - 100%
- Claus Lamm, Universität Wien , Mentor:in
- Isabella Anderson-Wagner, Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in