Autorität in Stein: Islamische Herrschaft in Zentralasien
Inscribing Authority: Islamic Rule in Central Asia
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (45%); Kunstwissenschaften (15%); Sprach- und Literaturwissenschaften (40%)
Keywords
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Islamic epigraphy,
Medieval Central Asia,
History of the Persianate societies,
Islamic art and archaeology,
Material Culture Studies,
Cultural Heritage
Im 9. und 10. Jahrhundert errichteten muslimische Dynastien iranischer oder türkischer Herkunft selbstverwaltete Emirate und Sultanate in den östlichen Regionen des Abbasidenkalifats. Der weitgehende Verlust an handschriftlichen Quellen und materiellen Überresten lässt viele Fragen zu den herrschenden Dynastien und lokalen Eliten, ihren Einflussbereichen und Interaktionen sowie zur Zirkulation politischer Diskurse, religiöser Strömungen, literarischer und künstlerischer Tendenzen offen. Nur eine Gesamtschau der erhaltenen Texte, Architektur und Objekte ermöglicht ein besseres Verständnis der politischen und kulturellen Geschichte der östlichen islamischen Länder, die durch das Zusammentreffen von arabo-islamischen Modellen mit lokalen Traditionen und aus den benachbarten Gebieten Eurasiens importierten Merkmalen gekennzeichnet ist. Das Projekt unternimmt die erste umfassende Untersuchung architektonischer Inschriften aus dem 10. bis 13. Jahrhundert, die in einem Gebiet aufgezeichnet wurden, das das heutige Afghanistan und die zentralasiatischen Republiken (Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan) umfasst. Diese epigraphischen Quellen, die sich in Material und Schreibstil unterscheiden, enthalten historische, religiöse und poetische Texte in arabischer oder persischer Sprache. Viele von ihnen sind noch nicht erforscht. Andere sind isoliert untersucht worden, ohne ihr architektonisches und sozio- historisches Umfeld angemessen zu berücksichtigen. Das Projekt zielt darauf ab, die doppelte Natur von Inschriften als Texte und Artefakte neu zu bewerten, ihren Produktions- und Rezeptionskontext zu definieren und Verbindungen zu Manuskripten, Münzen und der materiellen Kultur herzustellen. Eine solche Untersuchung verspricht, ein Licht auf die textlichen und visuellen Kommunikationsstrategien zu werfen, die die islamische Herrschaft prägten und es den weltlichen und religiösen Autoritäten ermöglichten, sich den Raum anzueignen und die Anerkennung der lokalen Gemeinschaften zu gewinnen. Die durch Feldforschung und Archivrecherche gesammelten Daten werden in einer Online-Datenbank von Texten, Inschriftenbeschreibungen, Fotos, grafischen Rekonstruktionen und Kontextinformationen frei zugänglich gemacht. Der Einsatz digitaler Werkzeuge erleichtert die vergleichende Analysen, Kartierung der Inschriften und die Verknüpfung mit historischen Orten und Personen (Auftraggeber, Handwerker, Autoren). Darüber hinaus fördert die Bereitstellung einer Sammlung von Primärquellen die interdisziplinäre Forschung auf dem Gebiet der Islam- und Eurasienwissenschaften. Das Projekt leistet auch einen Beitrag zum Erhalt und Aufwertung des gefährdeten kulturellen Erbes, da mehrereder untersuchten BaudenkmälervomVerfall oder vonunsachgemäßen Restaurierungsarbeiten bedroht sind. Daher ist es dringend erforderlich, Fotos und Abschriften der Inschriften zu sammeln und das Bewusstsein für ihren hohen historischen und künstlerischen Wert zu schärfen.
- Roberta Giunta, Universita degli Studi di Napoli Orientale - Italien