Elementare Alchemie im experimentellen Kino
Elemental Alchemy in Experimental Cinema
Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (50%); Medien- und Kommunikationswissenschaften (50%)
Keywords
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Experimental Cinema,
Alchemy,
Elemental Thinking,
Aesthetics of Contact,
Haptic Vision,
Haptic Sound
Dieses interdisziplinäre Forschungsprojekt untersucht, wie Experimental- und Dokumentarfilme mit elementaren Medien umgehen, und erweitert unser Verständnis der Beziehung des Kinos zur Natur, zur Tiefenzeit und zur Transformation. Aufbauend auf meiner Dissertation über Öko-Trauma und die filmische Darstellung von Mensch-Natur- Verflechtungen erforscht dieses Projekt, wie der Film es dem Publikum ermöglicht, Zeitlichkeiten, Räume und Materialitäten jenseits traditioneller Darstellungsformen zu erleben. Diese Forschung schlägt einen erweiterten Begriff filmischer Materialität vor, der Film nicht nur als Darstellungsmedium, sondern als elementaren Prozess begreift. Unter Rückgriff auf die Philosophie der Elementarmedien, den Neuen Materialismus und die posthumane Phänomenologie untersucht diese Studie, wie Experimentalfilme die Elemente Erde, Luft, Feuer und Wasser nicht nur als Themen, sondern auch als aktive Teilnehmende im Filmprozess und als Vermittler behandeln. Darüber hinaus bezieht die Studie alchemistische Perspektiven auf Medien ein und untersucht, wie die Elemente als transformative filmische Kräfte fungieren, die unsere Wahrnehmung umgestalten. Durch die Analyse einer Reihe von Werken zeitgenössischer experimenteller Filmemacher:innen, die verschiedene Aspekte einer elementaren Alchemie hervorheben, argumentiert diese Untersuchung, dass diese filmischen Werke eine Denkweise fördern, die als elementares Denken bezeichnet werden könnte. Unter den hier untersuchten filmischen Arbeiten lassen sich zwei Gruppen anhand der Rolle der Elemente unterscheiden: Die erste Gruppe thematisiert die Elemente als pro-filmische Ereignisse auf der Ebene von Bild und Ton. Luis Macas Serie The Sixth Sun (Mexiko/Spanien, seit 2019) beispielsweise beschwört den Planeten als ein miteinander verbundenes, lebendiges System, in dem verschiedene Zeitlinien und Existenzebenen ineinander übergehen. Die zweite Gruppe von Filmen behandelt die Elemente als aktive Akteure im kreativen Prozess. Eva Kolczes Badlands (Kanada, 2013) zum Beispiel erforscht die kanadischen Cheltenham Badlands, eine freiliegende geologische Formation, die durch das Wasser geformt wurde, das einst über sie floss. Der Film wurde in HD und Super 8 gedreht und zeigt auch Zelluloid, das in Erde und Wasser verrottet ist. Solche Filme, so wird hier behauptet, stellen Existenzebenen in den Vordergrund, die es uns ermöglichen, etwas von der tiefen (geologischen, kosmischen) Zeit und unserer verflochtenen Beziehung zum Geologischen und Himmlischen zu erfahren. Auch im Werk des deutschen Experimentalfilmers und Alchemisten Jürgen Reble sind Fragen des Kinos und der Alchemie explizit präsent. Seine Filmperformances wie Alchemie (1992), Tabula Smaragdina (1997) oder Materia Obscura (2009) sowie Filme wie Rumpelstilzchen (1989), Instabile Materie (1995) oder Arktis (2004) sind Zeugnisse einer alchemistischen Auseinandersetzung mit Materie, Elementen, Naturformationen und dem Kosmos. Diese Werke fördern das elementare Denken, indem sie die alchemistischen Prozesse der Filmproduktion betonen. Die Forschung schlägt vor, dass sie eine Brücke zwischen Materie und Metapher schlagen, indem sie metaphorische Eigenschaften in der Körperlichkeit der Materie verankern.