Silberkomplexe zur Resistenzüberwindung bei Eierstockkrebs
Silver complexes to overcome resistance in ovarian cancer
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (30%); Chemie (50%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (20%)
Keywords
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Silver Complexes,
Ovarian Cancer,
Resistance,
N-heterocyclic carbene
Krebs ist weltweit eine der häufigsten Todesursachen, und Eierstockkrebs ist eine häufig beobachtete Art, die Frauen auf der ganzen Welt betrifft. Die Standardbehandlung von Eierstockkrebs besteht aus der Verwendung von Medikamenten auf Platinbasis. In den meisten Fällen kann der Krebs jedoch nicht geheilt werden, da sich eine Arzneimittelresistenz entwickelt, was schließlich zum Tod der Patienten führt. Auf diese Weise ist es von großem Interesse, Medikamente zu finden, die in der Lage sein könnten, die Tumorresistenz zu überwinden und die Überlebensrate von Patienten zu verbessern. Platin-Medikamente werden zur Behandlung verschiedener Krebsarten eingesetzt. Mit seiner Anwendung sind jedoch insbesondere Resistenzentwicklungen und schwere Nebenwirkungen verbunden, die seine Wirksamkeit und die Lebensqualität der Patienten beeinträchtigen. Dies führte zur Suche nach anderen Verbindungen auf Metallbasis, die die Nachteile von Platinkomplexen überwinden könnten. Gold ist ein Metall, das für verschiedene Arten der Krebsbehandlung untersucht wurde, aufgrund seiner historischen Verwendung in der Medizin und der Beobachtung, dass Patienten, die mit einem auf Gold basierenden Therapeutikum gegen Arthritis behandelt wurden, niedrige Krebsraten aufwiesen. Die Verwendung dieser auf Gold basierenden Verbindung bei Eierstockkrebs ist jedoch fehlgeschlagen, was die Notwendigkeit einer neuen Verbindung zur Behandlung von resistentem Eierstockkrebs weiter unterstreicht. Silber wurde von Menschen im Laufe der Geschichte hauptsächlich zur Behandlung von bakteriellen Infektionen verwendet. Es hat sich gezeigt, dass dieses Metall weniger toxisch ist als andere Metalle, und viele verschiedene Studien haben Verbindungen auf Silberbasis für die Behandlung verschiedener Krebsarten bewertet. Bemerkenswert ist, dass einige Studien (Zellkultur) gezeigt haben, dass Silberkomplexe die Resistenz gegen Eierstockkrebs überwinden können; sie wurden jedoch nie im Detail mit ihren Goldanaloga verglichen oder in vivo getestet. Dies ist die Grundlage dieses Projektes. Es werden verschiedene Silberkomplexe mit unterschiedlichen Modifikationen in ihren chemischen Strukturen synthetisch hergestellt, um zu bewerten, welche Struktur unter Berücksichtigung der Stabilität und Löslichkeit unter physiologischen Bedingungen am vielversprechendsten ist. Die entsprechenden Goldanaloga werden ebenfalls hergestellt, um eine vollständige Studie zum Vergleich von Silber und Gold mit derselben chemischen Struktur durchzuführen. Als nächstes wird für ausgewählte Verbindungen die Toxizität bewertet, um eine sichere Dosis für die Verwendung zu bestimmen. Danach werden die vielversprechendsten in Krebszellen evaluiert, um ihre Wirkungsweise aufzuklären. Zuletzt wird das beste Wirkstoffpaar auf seine In-vivo-Wirksamkeit gegen Eierstockkrebs getestet. Insgesamt sollen in diesem Projekt neue metallbasierte Medikamente für eine mögliche Anwendung im Kampf gegen resistenten Eierstockkrebs entwickelt werden.
Eierstockkrebs gehört zu den tödlichsten Krebserkrankungen bei Frauen. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass viele Patientinnen nach der zunächst erfolgreichen Behandlung einen Rückfall erleiden und der Tumor gegenüber der Standardtherapie mit platinbasierten Chemotherapeutika unempfindlich wird. Ist diese Resistenz einmal entstanden, stehen nur noch sehr begrenzte Therapieoptionen zur Verfügung. Ziel dieses Projekts war es daher, neue metallbasierte Wirkstoffe zu untersuchen, die solche Resistenzen überwinden und bislang unerkannte Schwachstellen resistenter Krebszellen aufdecken können. In der Studie wurde eine Reihe neu entwickelter Silber- und Goldverbindungen untersucht, die sich chemisch nur minimal unterschieden und sich hauptsächlich durch das zentrale Metallatom voneinander abhoben. Trotz dieser großen strukturellen Ähnlichkeit zeigten die Substanzen deutlich unterschiedliche biologische Wirkungen. Während die Silberverbindungen unabhängig von ihrer genauen Struktur ein sehr ähnliches Verhalten aufwiesen, unterschieden sich die Goldverbindungen teils erheblich voneinander. Die wichtigste Entdeckung war, dass eine bestimmte Goldverbindung in platinresistenten Eierstockkrebszellen wirksamer war als in nicht-resistenten Zellen. Dieses seltene Phänomen wird als kollaterale Sensitivität bezeichnet. Anstatt widerstandsfähiger zu werden, hatten die resistenten Krebszellen eine neue Verwundbarkeit entwickelt, die gezielt ausgenutzt werden konnte. Weiterführende Untersuchungen zeigten, warum dies der Fall ist. Platinresistente Krebszellen hatten ihren Energiestoffwechsel grundlegend umgestellt: Sie waren stark auf die Energiegewinnung aus Zucker angewiesen, während die Funktion ihrer Mitochondrien, der "Kraftwerke" der Zelle, bereits eingeschränkt war. Die identifizierte Goldverbindung blockierte gezielt die Energieproduktion in den Mitochondrien. Nicht-resistente Zellen konnten diesen Stress noch ausgleichen, die resistenten Zellen hingegen arbeiteten bereits am Limit. Durch den zusätzlichen Eingriff kam es zu einem Zusammenbruch der Energieversorgung, was schließlich zum Absterben der Zellen führte. Bemerkenswert ist, dass dieser Effekt nicht auf einer erhöhten Aufnahme des Wirkstoffs, einer allgemein höheren Giftigkeit oder klassischen Zelltodmechanismen beruhte. Vielmehr griff die Verbindung gezielt in den Stoffwechsel der Krebszellen ein. Gleichzeitig zeigte sie eine gute Selektivität, da gesunde Zellen deutlich weniger beeinträchtigt wurden. Eine sehr ähnlich aufgebaute zweite Goldverbindung zeigte diesen Vorteil nicht. Resistente Zellen konnten sie effizient aus der Zelle entfernen und gleichzeitig Schutzmechanismen aktivieren. Dies verdeutlicht, dass bereits kleinste chemische Veränderungen große Auswirkungen auf die biologische Wirkung haben können. Zusammenfassend liefert diese Arbeit drei zentrale Erkenntnisse: Erstens wirken Silber- und Goldverbindungen trotz ähnlicher Struktur über grundlegend unterschiedliche Mechanismen. Zweitens besitzen platinresistente Eierstockkrebszellen eine bislang unterschätzte metabolische Schwachstelle. Drittens lässt sich diese gezielt mit speziell entwickelten Goldverbindungen ausnutzen. Die Ergebnisse eröffnen neue Perspektiven für die Entwicklung zukünftiger Therapien gegen therapieresistenten Eierstockkrebs.
- Universität Wien - 100%
- Petra Heffeter, Medizinische Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Christian Kowol, Universität Wien , Mentor:in
Research Output
- 4 Publikationen
- 1 Datasets & Models
- 2 Disseminationen
- 1 Wissenschaftliche Auszeichnungen
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2025
Titel A new fluorescent oxaliplatin(iv) complex with EGFR-inhibiting properties for the treatment of drug-resistant cancer cells. DOI 10.1039/d4qi03025g Typ Journal Article Autor Caban M Journal Inorganic chemistry frontiers Seiten 1538-1552 -
2026
Titel Structure-activity relationships of silver(I)- and gold(I)-NHC complexes reveal distinctly different responses of cisplatin-resistant ovarian cancer to bis-NHC gold(I) derivatives Typ Journal Article Autor Bormio Nunes Jh Journal Journal of Medicinal Chemistry Link Publikation -
2024
Titel Different behavior of silver(I) and gold(I) NHC complexes in resistant ovarian cancer cell lines Typ Conference Proceeding Abstract Autor Bormio Nunes Konferenz 17th European Biological Inorganic Chemistry Conference -
2023
Titel Comparing the activities of silver(I) and gold(I) NHC complexes in cisplatin-resistant ovarian cancer cell lines Typ Conference Proceeding Abstract Autor Bormio Nunes Konferenz International Symposium on Bioorganometallic Chemistry
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2026
Titel Raw data for: Structure-activity relationships of silver(I)- and gold(I)-NHC complexes reveal distinctly different responses of cisplatin-resistant ovarian cancer to bis-NHC gold(I) derivatives DOI 10.17605/osf.io/vza7k Typ Database/Collection of data Öffentlich zugänglich
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2024
Titel Practical lab seminar: MPM7, Master of Molecular Precision Medicine Typ Participation in an open day or visit at my research institution -
2024
Titel Long Night of Research Typ Participation in an open day or visit at my research institution
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2022
Titel Invitation to give a lecture at the Minisymposium organized on anticancer compounds in the frame of the Austrian-Hungarian Scientific & Technological Cooperation project 2019-2.1.11-TÉT-2019-00003 & OeAD project HU 02/2020 Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International