Dämonie der Leidenschaft: Rituale und Entgrenzung bei Adalbert Stifter
Demons of Passion: Ritual and Boundlessness in Adalbert Stifter
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (20%); Sprach- und Literaturwissenschaften (80%)
Keywords
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Adalbert Stifter,
Ordnung des Erzählens,
Österreichische Literatur,
Wirkungsästhetik,
Ritual
Der Eindruck des Ritualhaften, den viele narrative Texte Stifters beim Leser erwecken und der in der Forschungsliteratur zu Stifter auch oftmals festgestellt worden ist, wird zum Anlass für eine fächerübergreifende Analyse des Stifterschen Erzählwerkes genommen. Der Erfahrung entgrenzender Leidenschaft wird in Stifters Texten - und mit zunehmendem Alter immer stärker - das Bedürfnis nach Bändigung und Mäßigung entgegengestellt. Der drohenden Unordnung, dem durch die Leidenschaften entfachten Chaos wird eine ritualhaft inszenierte Bemühung um Ordnung kontrastiert, die dem in der Vorrede zu den "Bunten Steinen" formulierten Prinzip der Welterhaltung entspricht und die allein ein - auf Dauer haltbares - "Glück" in sozialer wie in individueller Hinsicht zu gewährleisten vermag. Der Darstellung der Ordnungsbemühung auf inhaltlicher Ebene entspricht auf der Ebene des Erzählens das Bemühen um eine "Ordnung des Erzählens", die zum einen an die Frage nach der Spezifik der narrativen "Form" rührt und die zum anderen dazu imstande sein soll, den Leser, die Leserin - quasi in einer "Initiation" - in die symbolische Ordnung des literarischen Diskurses einzuführen und ihn/sie im Vollzug des Lesens diese Ordnung selbst erfahren zu lassen. Dem illusionslosen Wissen um die Getriebenheit des Menschen, um die in ihm lauernden "tigerhaften", zerstörerischen Kräfte korreliert der Entwurf Stifters, in einer ritualhaft inszenierten Ordnungsbemühung der drohenden Kontingenz- und Destruktionserfahrung entgegenzutreten und so etwas wie Sinn, Bedeutung, Solidarität und moralische Verantwortung ritualhaft zu "beschwören". Diese Anstrengung, die sich sowohl als Erzähl- wie als Lebensprojekt erweist, soll mit Hilfe von Erkenntnissen der "ritual studies" analysiert werden und als Beitrag zu einer Wirkungsästhetik produktiv verwendet werden.
- Bundesland Steiermark - 50%
- Universität Graz - 50%