Politische Massenfestspiele in Österreich zwischen 1918 und 1938
Political Mass Festivals in Austria between 1918 and 1938
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (25%); Geschichte, Archäologie (5%); Kunstwissenschaften (25%); Sprach- und Literaturwissenschaften (45%)
Keywords
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Festspiel,
Österreich 1918-1938,
Massenfestspiele,
Festkultur
In Österreich gab es zwischen 1918 und 1938 eine ausgeprägte Fest- und Festspielkultur, wobei es nicht nur einen Boom der traditionellen Passionsspiele und verstärkt auch Initiativen zur Gründung neuer künstlerischer Festspiele gab; auch alle wichtigen politischen Gruppierungen der Zeit wie Sozialdemokraten, Christlich-Soziale (über ihre kirchliche Vorfeldorganisationen), Deutsch-Nationale und, in den dreißiger Jahren, die Austrofaschisten bedienten sich Festspiele, um ihre Macht zu demonstrieren, ihre Ideologie zu transportieren, die Massen im Sinne der eigenen Weltanschauung zu beeinflussen und sich gegenüber den anderen Gruppierungen abzugrenzen. Ziel der Habilitationsschrift ist es, die Gattung des politischen Massenfestspiels, so wie sie sich in Österreich zwischen 1918 und 1938 herausbildete und von den unterschiedlichen politischen Gruppierungen im Sinne der eigenen Propaganda eingesetzt wurde, zu charakterisieren, wobei die Ähnlichkeiten zwischen den Texten der einzelnen politischen Lager dargelegt werden sollen. Denn waren die Gruppierungen auch von ihrer weltanschaulichen Ausrichtung her extrem polarisiert, so sind die dramatischen Festspielformen und die ästhetischen Mittel, die jeweils benutzt wurden, um die Massen zu binden, vergleichbar. Auf der Grundlage einer Auseinandersetzung mit den Fest- und Festspieltheorien, den komplexen Beziehungsformen von Fest und Theater/Drama und dem Phänomen der "Ästhetisierung" bzw. "Inszenierung" von Politik soll eine kulturwissenschaftliche Analyse der politischen Festkultur in Österreich zwischen 1918 und 1938 und, darauf, basierend, eine literaturwissenschaftliche Darstellung der dramatischen Formen, die in dieser Zeit politische Feste zum Anlaß hatten bzw. diese ersetzten, unternommen werden. Es gilt, diese Texte als Ausprägungen eines Gattungstypus zu beschreiben und sie auch in den Kontext der literarischen Festspielbewegung der Zeit (Hofmannsthal, Mell, Schreyvogl), die ähnliche Intentionen - Schaffung eines Kollektivs, Sinnstiftung, Affirmation - hatte, zu stellen.
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