Tugend und Ehre. Lebensformen adeliger Frauen in der Frühen Neuzeit (15. bis 18. Jahrhundert)
Tugend und Ehre. Lebensformen adeliger Frauen in der Frühen Neuzeit (15. bis 18. Jahrhundert)
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (50%); Soziologie (50%)
Dieses Habilitationsvorhaben zielt aus methodischen Gründen sowohl auf die Darstellung, der sozialen, politischen, mentalen als auch wirtschaftlichen Verhaltensformen der nichtfürstlichen und fürstlichen weiblichen Angehörigen des österreich-steierisch-böhmisch-ungarisch-süddeutschen Hochadels. Diese Mehrgleisigkeit war aber nicht maßgeblich für die Auswahl der zu behandelnden Adelsgeschlechter, sondern er wies sich als materialimmanent. Familiale und dynastische, erziehungsbedingte und mentale, religiöse und politische sowie wirtschaftliche Faktoren wirkten auf den sozialen Bereich der adeligen Frauen. Die vorzulegende Untersuchung ordnet sich in die im Aufschwung begriffene Disziplin der Historischen Familienforschung und Frauenforschung ein und stellt den Wandel von Verhältnissen und Gefühlen in den Mittelpunkt. Zentrale Themen sind die Herausbildung familiärer Privatheit, Veränderungen in den Motiven der Partnerwahl, in der Einstellung der Eheleute zueinander, im Verhältnis der Eltern zu ihren Kindern. Die Beschäftigung damit bedarf aber einer Zugangsweise, die sich vor allem innerhalb der Mentalitätengeschichte widerspiegelt. Trotz des Vorhandenseins reicher Archivbestände liegen bisher zu diesem Thema für den mittelalterlichen und frühneuzeitlichen österreichischen Adel mit besonderem Blick auf die adelige Frau keine quellenorientierten Monographien vor. Das Quellenmaterial erhält im 15. Jahrhundert eine gewisse ``Dichte", die sich bei Eheverträgen, Testamenten, Autobiographien und Briefen bis zum 17. Jahrhundert steigert. quellenorientierte Nachrichten zu Wittum, Wiederverehelichung und Erbverzicht der Töchter, Ehepraxis, Rollenverhalten von Ehefrauen, Muttern und Kindern sollen den theoretischen Konstruktionen der Forschungsdiskussion gegenübergestellt werden. Die Einbettung der Familie in die soziale und politische Aktionsgemeinschaft der Verwandten stellt eine weitere Frage innerhalb dieses Gesamtkomplexes dar. Diese Aufschlüsselung soll Angaben dazu liefern, wie die Gewichtung von agnatischem und kagnatischem Denken im spatmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Adel, und besonders bei den adeligen Frauen, zu beurteilen ist. Nicht zuletzt werden die durch die Erziehung mitbestimmten mentalen Einstellungen auch bezüglich der weiblichen Religiosität, der Identitätsfindung und der Memoria, dem Totengedenken untersucht. Im Rahmen der vorzulegenden Arbeit sollen Erziehung, Bildung, familiäre und Klientelverbindungen, Karrieren, soziales und kulturelles Verhalten der adeligen Frauen gruppenbiographisch für eine computergestützte, sozialwissenschaftliche und mentalitätenhistorische Verarbeitung erhoben und diese Bereiche und ihre Wechselbezüge erforscht werden.
- Stadtarchiv Wiener Neustadt - 100%