E Protein Interaktionen im Fusionsprozess von Flaviviren
E protein interactions in flavivirus membrane fusion
Bilaterale Ausschreibung: Frankreich
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (60%); Gesundheitswissenschaften (40%)
Keywords
-
Flavivirus,
Virus Entry,
Viral Membrane Fusion,
Class Ii Fusion Protein,
Structure-Function Relationship,
E protein
Flaviviren dringen über Endozytose und die Fusion der viralen mit der endosomalen Membran in Zellen ein. Hauptverantwortlich für diese essentiellen Prozesse ist das Oberflächenprotein E, ein Klasse II virales Fusionsprotein. Wichtige Details der Struktur des E-Proteins und seiner Rolle im Fusionsprozess sind bekannt, wie die Kristallstrukturen der E-Ektodomäne in seiner Prä- und Postfusionskonformation. Die Ektodomäne besteht aus drei Domänen (DI-III), die stäbchenartig in der Präfusionsform angeordnet sind, mit DI im Zentrum. DII besitzt ein Fusionspeptid an seinem distalen Ende. DIII ist über den sogenannten "Stamm" mit dem carboxyterminalen Membrananker verbunden. Niedrige pH-Werte, wie sie in Endosomen herrschen, bewirken eine Dissoziierung der E-Dimere in Monomere, durch die das Fusionspeptid exponiert wird und in die Zielmembran inserieren kann. Danach entstehen aus den Monomeren Trimere mit einer Haarnadel-ähnlichen Konformation, in welcher der Carboxyterminus von DIII in Richtung Fusionspeptid weist. Die aktuellen Fusionsmodelle postulieren wichtige Interaktionen des Stamms mit DII des Trimers, wodurch der Membrananker und das Fusionspeptid in enge Nachbarschaft gelangen. Bisher ist es jedoch noch nicht gelungen die Kristallstruktur der vollständigen E- Ektodomäne, die auch den Stamm in seiner Postfusionskonformation enthält, zu klären. Neueste mit dem E-Protein von Dengue Viren gewonnene Strukturdaten deuten darauf hin, dass der obere Teil des Stamms ungeordnet ist. Der Stamm der Klasse II Fusionsproteine von Togaviren ist wesentlich kürzer und Strukturdaten liefern Details der Interaktionen des Stamms mit DII. Zusätzlich hat der Stamm des EFF-1 Fusionsproteins von C. elegans ein strukturell dem Flavivirus E verwandtes Protein ungefähr die gleiche Anzahl an Aminosäuren wie das E-Protein. In der Postfusionsstruktur von EFF-1 ist (ebenso wie beim Dengue Virus E) der obere Teil des Stamms ungeordnet, während der untere Teil ähnliche Interaktionen mit DII eingeht wie dies bei Togaviren der Fall ist. Da die Interaktionen des Stamms die Energie zur Verfügung stellen, die für die Zusammenführung der Fusionspeptide und Membrananker und dadurch für die Fusion notwendig ist, könnte diese Region einen wichtigen Angriffspunkt für antivirale Medikamente darstellen. Im Rahmen dieses Projekts sollen daher strukturelle Details des Stamms geklärt werden, um neue Erkenntnisse über den Flavivirus Fusionsprozess zu gewinnen. Zu diesem Zweck werden wir zwei Strategien für die Produktion von rekombinanten E-Proteinen zur Kristallographie verfolgen und funktionelle Analysen durchführen. Die erste Strategie umfasst Deletionen des oberen Teils des Stamms, die auf den oben angeführten strukturellen Daten beruhen. Als zweite Strategie schlagen wir die Klärung der Struktur des E-Proteins von Flaviviren vor, die nur Insekten infizieren können. Der carboxyterminale Teil dieser Proteine scheint jenem der Togaviren zu entsprechen, mit einer wesentlich kürzeren Stammregion. Strukturelle Informationen über die Interaktionen des Stamms mit Domäne II wären ein großer Fortschritt im Verständnis des Fusionsmechanismus von Flaviviren und bilden die Voraussetzung für die Struktur-basierte Entwicklung von antiviralen Agentien, die gegen diese Region gerichtet sind.
Zu den Flaviviren zählen eine Reihe von wichtigen human-pathogenen Viren wie die Dengue-, Zika-, Gelbfieber-, West-Nil-, Japanische Enzephalitis- und Frühsommermeningoenzephalitis (FSME)-Viren. Da es sich um membranumhüllte Viren handelt, umfasst die Infektion von Wirtszellen einen Schritt, bei dem die Virusmembran mit einer Zellmembran verschmolzen wird. Dieser Fusionsprozess führt zur Freisetzung des viralen Genoms in die Zelle und zur Initiierung der Virusreplikation. Die Flavivirus-Fusion wird durch das Haupt-Hüllprotein E (ein virales Klasse-II-Fusionsprotein) gesteuert. Nach Wechselwirkungen mit bestimmten zellulären Faktoren, die als Trigger wirken, durchläuft das E-Protein dramatische strukturelle Änderungen, wodurch die Fusion der beiden Membranen vermittelt wird. In diesem Projekt haben wir neue Erkenntnisse zum Flavivirus-Fusionsprozess gewonnen, indem wir Interaktionen von verschiedenen Regionen des E-Proteins untersucht haben, die für die Umwandlung in den fusionsaktiven Zustand notwendig sind. Wir konnten neue atomare Details des E-Proteins des FSME-Virus klären und identifizierten wichtige Elemente, die an diesem entscheidenden Schritt im viralen Vermehrungszyklus beteiligt sind. Unsere Daten erweitern somit die bestehenden Modelle des Flavivirus-Fusionsprozesses und können den Weg für neue antivirale Strategien ebnen, die auf diese Regionen abzielen.
- Felix Rey, Institut Pasteur - Frankreich
Research Output
- 976 Zitationen
- 10 Publikationen
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2020
Titel Extensive flavivirus E trimer breathing accompanies stem zippering of the post-fusion hairpin DOI 10.15252/embr.202050069 Typ Journal Article Autor Medits I Journal The EMBO Reports Link Publikation -
2022
Titel Evolution and activation mechanism of the flavivirus class II membrane-fusion machinery DOI 10.1038/s41467-022-31111-y Typ Journal Article Autor Vaney M Journal Nature Communications Seiten 3718 Link Publikation -
2021
Titel An Absolutely Conserved Tryptophan in the Stem of the Envelope Protein E of Flaviviruses Is Essential for the Formation of Stable Particles DOI 10.3390/v13091727 Typ Journal Article Autor Medits I Journal Viruses Seiten 1727 Link Publikation -
2018
Titel Activation of Viruses by Host Proteases DOI 10.1007/978-3-319-75474-1 Typ Book editors Böttcher-Friebertshäuser E, Garten W, Klenk H Verlag Springer Nature -
2017
Titel The molecular and antigenic structure of tick-borne encephalitis virus. Typ Book Chapter Autor "Tick-Borne Encephalitis (Tbe)". G. Dobler -
2017
Titel Flavivirus structural heterogeneity: implications for cell entry DOI 10.1016/j.coviro.2017.06.009 Typ Journal Article Autor Rey F Journal Current Opinion in Virology Seiten 132-139 Link Publikation -
2016
Titel Structural basis of potent Zika–dengue virus antibody cross-neutralization DOI 10.1038/nature18938 Typ Journal Article Autor Barba-Spaeth G Journal Nature Seiten 48-53 Link Publikation -
2017
Titel The bright and the dark side of human antibody responses to flaviviruses: lessons for vaccine design DOI 10.15252/embr.201745302 Typ Journal Article Autor Rey F Journal The EMBO Reports Seiten 206-224 Link Publikation -
2017
Titel The Antigenic Structure of Zika Virus and Its Relation to Other Flaviviruses: Implications for Infection and Immunoprophylaxis DOI 10.1128/mmbr.00055-16 Typ Journal Article Autor Heinz F Journal Microbiology and Molecular Biology Reviews Link Publikation -
2022
Titel Impact of structural dynamics on biological functions of flaviviruses DOI 10.1111/febs.16419 Typ Journal Article Autor Stiasny K Journal The FEBS Journal Seiten 1973-1985 Link Publikation