Historische Landnutzung und Landschaftswandel in der Dekapolis-Region
Historical land use and landscape change in the Decapolis region
DACH: Österreich - Deutschland - Schweiz
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Naturwissenschaften (10%); Geowissenschaften (10%); Geschichte, Archäologie (40%); Land- und Forstwirtschaft, Fischerei (40%)
Keywords
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Land Use,
Landscape Change,
Rural Settlement,
Geoarchaeology,
Intensive Survey,
Material Culture
Dieses Projekt rekonstruiert die historische Landnutzung und Landschaftswandel in der Dekapolis- Region in Nordjordanien mittels der Kombination verschiedener naturwissenschaftlicher, archäologischer, und historischer Methoden. Dabei werden grundlegende Fragen zum Zusammenhang von natürlichen Ressourcen, menschlichen Aktivitäten, und historischen Landschaftskonzepten gestellt. Das übergeordnete Ziel des Projekts ist die Untersuchung von Landnutzung und Umweltveränderung seit der Bronzezeit bis in die Moderne. Dies wird durch einen vergleichenden Ansatz erreicht, der auf der Ressourcendiversität und klimatischen Gradienten des Untersuchungsgebietes basiert. Der Zusammenhang von Klima, Bodentyp, Vegetation, und historischer Landwirtschaft wird untersucht. Die Forschungsagenda und das Datenmanagement sind transdisziplinär angelegt. Vergleichende Untersuchungen zur Umwelt, Geschichte, Böden und Archäologie werden in der Umgebung von Umm Qeis (Gadara), Abila, und Umm el-Jimal in der Dekapolis-Region in Nordjordanien durchgeführt. Ein intensiver archäologischer Survey wird Reste alter Landnutzungsmuster nahe diesen Orten identifizieren, die in unterschiedlichen klimatischen und pedologischen Zonen liegen. Einerseits werden erprobte Survey-Methoden wie der Transekt- Survey oder der Umweltzonen-Survey angewandt, andererseits werden auch neue Ansätze, wie ein Keramik-Index, ein Dauerhaftigkeit-der-Landnutzung-Index, und ein Unterschiedlichkeit-der- Aktivitäten-Index angewandt. Bodenkundliche Untersuchungen einschliesslich Biomarkern und Phytolithen verbessern die Landnutzungsrekonstruktion, z.B. mit Blick auf Indikatoren für Düngung. Außerdem werden weitverbreitete Talverfüllungen weiter untersucht, die wahrscheinlich vor allem in der Spätantike und unter trockeneren Bedingungen abgelagert wurden. Die Sedimente erlauben eine detaillierte Rekonstruktion von Änderungen der fluvialen Dynamik und der Vegetationsgeschichte. Das Projekt befasst sich mit kritischen Fragen wie der Analyse der regionalen Verteilung von Keramik ausserhalb von Siedlungen. Völlig innovativ ist die Durchführung des Surveys im Kontext bodenkundlicher Untersuchungen. Durch die Zusammenarbeit mit verschiedenen Ausgrabungen ist das Projekt inmitten der Archäologie Nordjordaniens verortet und vernetzt. Das Projekt bringt verschiedene Universitäten und Forschungseinrichtungen in Deutschland, Österreich und Jordanien zusammen. Dabei werden auch verschiedene Disziplinen verbunden (Geographie, Islamwissenschaften, Klassische Archäologie), die selten zusammenarbeiten. Durch die Teilnahme einer Reihe von Nachwuchswissenschaftlern, zwei Promotionen, und vielen Gelegenheiten für die Teilnahme von Studenten bietet das Projekt ausgezeichnete Möglichkeiten zur Qualifikation junger Wissenschaftler. Die Ergebnisse werden international publiziert und im Rahmen eines web-basierten Katalogs und zweier Workshops in Jordanien bekannt gemacht.
Von 2014 bis 2017 untersuchte ein von der DFG und dem FWF finanziertes Projekt historische Landnutzung und Landschaftswandel von der Antike bis in die Moderne mittels der Kombination verschiedener naturwissenschaftlicher und archäologischer Methoden. Der Wiener Projektteil verfolgte vor allem zwei Hauptaufgaben:1.) Entwicklung einer geeigneten Survey-Methode sowie Durchführung der Surveys2.) Interpretation der dabei gemachten klassischen Funde (3. Jh. v. Chr.-frühes 7. Jh. n. Chr.) im Hinblick auf LandnutzungIn methodischer Hinsicht wurde eine intensive Off-Site Survey-Strategie verfolgt, wobei im Umkreis dreier Siedlungen (Gadara, Abila, Umm el-Jimal) umfangreiche Transekte abgesucht wurden, um eine tragfähige Materialbasis für weiterführende Interpretationen zu schaffen. Ein spezifisches Ziel war der Test eines wichtigen Modells in der Archäologie, das die Abfolge unterschiedlich intensiv genutzter Zonen postuliert. Ein wichtiges Ergebnis von allgemeiner Bedeutung ist, dass wir mittels methodi-cher Tests die These, dass das meiste off-site Material vom Düngen stamme, verifizieren konnten. Generell trug das Teilprojekt wesentlich zum Fortschritt des Gesamtprojekts bei. Im engeren Sinn erzielte das Wiener Projekt bedeutende neue Einsichten zur Landnutzung in klassischer vor allem spätrömischer und byzantinischer Zeit, während spätere Landnutzung vom Projekt in Bonn, Landschaftswandel vom Projekt in Erlangen untersucht wird. Bei der Analyse der räumlichen und zeitlichen Verteilung des Fundmaterials, meist Keramikscherben, konnte ein detailliertes Bild der Landnutzung gewonnen werden: Deutliche Konzentrationen im Umkreis von Gadara verweisen auf eine multifunktionale städtische Peripherie, die verschiedene Produktionsstätten, aber auch intensiv genutzte Gärten umfasst. Im weiteren Umkreis wurden cash crops wie Oliven oder Wein ange-pflanzt, während in noch größerer Entfernung wohl Getreide kultiviert wurde. Landnutzung um Abila war vergleichbar, doch fehlt der intensiv genutzte vorstädtische Bereich. Variable Funddichten inner-halb und zwischen den Transekten verweisen auf eine kleinteiligere Nutzung. Kleine Fundkonzentrationen stammen wohl von landwirtschaftlichen Gebäuden, vor allem in größerer Entfernung von Abila. In der bisherigen Forschung wird eine ähnlich intensive Nutzung für das Umland von Umm el-Jimal postuliert, obwohl das dortige Klima deutlich trockener ist. Unsere Forschungen kommen jedoch zu einem anderen Ergebnis: Dichte Fundvorkommen in oder direkt bei der Siedlung verweisen zwar auf intensiv genutzte Gärten, das annähernde oder vollständige Fehlen von off site-Funden in größerer Entfernung verweist jedoch auf deutlich extensivere Bewirtschaftung. Auch die Gebäude, bisher als Bauernhöfe interpretiert, sind als Lager nomadischer Hirten zu identifizieren. Diese Ergebnisse zeigen, dass die Landnutzung in und um Umm el-Jimal von Weidewirtschaft dominiert war, ergänzt durch Garten- und Landwirtschaft im unmittelbaren Umfeld der Siedlung.
- Universität Wien - 100%
- Bernhard Lucke, Friedrich Alexander Universität Erlangen-Nürnberg - Deutschland
- Walker Bethany, Universität Bonn - Deutschland
Research Output
- 1 Publikationen
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2015
Titel Soil development in the context of historical land use of northern Jordan. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Lucke B Konferenz Mitteilungen der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft 2015