Translationale Implementierung genetischer Parameter in Management des MDS (TRIAGE-MDS)
Translationale Implementation of genetic evidence in the management of MDS (TRIAGE-MDS)
Wissenschaftsdisziplinen
Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (100%)
Keywords
-
MDS,
Clonal Evolution,
Next Generation Sequencing,
Prognosis,
EU-MDS Registry,
Molecular Aberrations
Myelodysplastische Syndrome (MDS) umfassen eine heterogene Gruppe von maligenen, hämatologischen Erkrankungen mit sehr unterschiedlichem klinischem Verlauf. Die Prognose reicht von einer stabilen, indolenten Erkrankung bis hin zu aggressiven Formen mit einem rapiden Übergang in eine aktute myeloische Leukämie. Mit den aktuellen Risikoscores ist die Prognose einzelner Patienten derzeit sehr schwer vorherzusagen. MDS sind eine der häufigsten Formen von Blutkrebs, deren Prävalenz auf Grund der Zunahme an älteren Menschen deutlich zunimmt und somit von großer klinischer Relevanz ist. Eine umfassende Analyse der molekularen Mutationen bei MDS ist daher als diagnostischer, prognostischer und prädiktiver Parameter von großer Bedeutung. Dies ist nun mittels der neuen high throughput Methode "Next- Generation-Sequencing" (NGS) möglich. In diesem Projekt wird NGS-Technologie angewendet und validiert werden, um alle bisher bekannten genetischen Aberrationen bei MDS in einem einzigen Ansatz analysieren und auszuwerten. Es wird Zellmaterial von 1000 neu-diagnostizierten Patienten mit Niedrig-Risiko MDS aus dem EU-MDS Register analysiert. Das EU-MDS stellt ein seit Jahren rekrutierendes, europäisches Register für MDS unter Beteiligung Österreichs dar. Es ist das größte Register weltweit. Neben sämtlichen klinischen und demographischen Daten sind alle therapeutischen Maßnahmen sowie follow-up Daten alle sechs Monate sowie die Lebensqualität, der Allgemeinzustand und die Komorbiditäten dokumentiert. Zellmaterial vom Zeitpunkt der Erstdiagnos und von verschiedenen Zeitpunkten im follow-up ist in der Mehrzahl der PatientInnen asserviert. Die Ergebnisse aus dem durch NGS erhaltenen Mutationsreport werden mit den klinischen Daten verglichen. Nach Erstanalysen des klinischen Datensatzes erfolgen Qualitätssicherung, Aktualisierung und Review auf Vollständigkeit, Plausibilität und Validität der Daten in Kooperation mit dem Datenzentrum des EU-MDS Register in Leeds, UK und dem Institut für Biostatistik, Universität Münster, Deutschland. Relevante Daten werden extrahiert und ein klinischer Datensatz generiert (validated clinical database). Nach Erstellung eines Auswertungsplans und Schaffen einer Schnittstelle zwischen den molekularen Daten und den klinischen Daten erfolgt die statistische Modellierung der Assoziationen zwischen molekularen Parametern und demographischen sowie klinischen Parametern wie dem Überleben, der Transfusionshäufigkeit, der Lebensqualität, und dem Ansprechen auf verschiedene Therapiemodalitäten (integrated data analysis). Besondere Berücksichtigung finden Aspekte älterer MDS-PatientInnen wie Lebensqualität, Begleiterkrankungen und Allgemeinzustand. Eine Modellierung der Analysen erfolgt unter dem Aspekt möglicher unterschiedlicher Aggregationen der molekularen Daten und kausal involvierter pathways unter klinischen Gesichtspunkten. Diese Analysen werden wichtige Konsequenzen für das Verständnis der Krankheits-progression und die klonale Evolution haben und somit die Basis für maßgeschneiderte Therapiealgorithmen zur Verhinderung der Progression bei MDS legen.
Myelodysplastische Sydrome (MDS) umfassen eine heterogene Gruppe hämatologischer Erkrankungen. Die Prognose für MDS PatientInnen ist sehr variabel und reicht von einem gleichbleibenden Gesundheitszustand, über langsam fortschreitende bis hin zu sehr aggressiven Formen. So entwickeln 30% der PatientInnen mit MDS eine aggressive akute myeloide Leukämie (AML). Bisher ist schwer abschätzbar, welchen Verlauf die Erkrankung bei einzelnen PatientInnen nehmen wird. So ist auch unklar, welcher Patient jeweils besser von einer sofortigen Therapie, oder doch von einem Beobachten und Abwarten profitiert. In diesem Projekt erfolgte eine umfassende genetische Analyse der molekularen Mutationen in einer großen, klinisch gut untersuchten Patientengruppe, um eine bessere Diagnose und Prognose und damit auch gezieltere Behandlungsstrategie zu ermöglichen. Dadurch soll in individualisierter Art und Weise zum richtigen Zeitpunkt die passende Therapiefür den jeweiligen Patienten entwickelt werden. Die gesundheitsbezogene Lebensqualität (QOL) und deren Einschränkung bei MDS PatientInnen stand im Fokus der Teilstudie, die von den österreichischen Projektpartnern durchgeführt wurde. Dafür wurde die Lebensqualität von 1690 PatientInnen aus dem EUMDS Register mit Hilfe des validierten Score EQ-5D-3L erfasst. Um MDS spezifische Einschränkungen festzustellen, erfolgte ein Vergleich mit einer alters- und geschlechtsgemachten Vergleichskohorte. Bei PatientInnen mit MDS wurden signifikant häufiger Probleme mit Schmerz/Beschwerden (49.5%), Beweglichkeit (41.0%), Angst/Depression (37.9%) und alltäglichen Aktivitäten (36.1%) festgestellt. Mobilität, Selbstversorgung, alltägliche Aktivitäten, sowie Schmerz/Beschwerden und der selbstbeurteilte Gesundheitszustand (EQ-VAS) waren signifikant häufiger bei älteren und weiblichen PatientInnen eingeschränkt, aber auch bei jenen, die unter Komorbiditäten litten, wenig Hämoglobin hatten, oder einen hohen Bedarf an Bluttransfusionen aufwiesen. In der nicht an MDS erkrankten Vergleichskohorte waren Probleme mit alltäglichen Aktivitäten und Angst/Depression wesentlich seltener. Vor allem männliche und ältere MDS Patienten empfanden eine Einschränkung in der Mobilität, während weibliche und jüngere MDS PatientInnen häufig unter Angst/Depression litten. Zusammenfassend sind Einschränkungen in der Lebensqualität bei PatientInnen, die gerade mit IPSS low-risk MDS diagnostiziert wurden häufig. Dadurch wird die Notwendigkeit einer individuellen Therapie, die darauf abzielt, die Lebensqualität zu verbessern, hervorgestrichen. Dementsprechende überarbeitete Therapierichtlinien sind derzeit in Entstehung.
- Martin Dugas, Universität Münster - Deutschland
- Pierre Fenaux, Hopital Avicenne - Frankreich
- Joop Jansen, Radboud University Nijmegen Medical Centre - Niederlande
Research Output
- 919 Zitationen
- 17 Publikationen
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2018
Titel Digital PCR: A Sensitive and Precise Method for KIT D816V Quantification in Mastocytosis DOI 10.1373/clinchem.2017.277897 Typ Journal Article Autor Greiner G Journal Clinical Chemistry Seiten 547-555 Link Publikation -
2017
Titel Clonal evolution in myelodysplastic syndromes DOI 10.1038/ncomms15099 Typ Journal Article Autor Da Silva-Coelho P Journal Nature Communications Seiten 15099 Link Publikation -
2017
Titel GLM-based optimization of NGS data analysis: A case study of Roche 454, Ion Torrent PGM and Illumina NextSeq sequencing data DOI 10.1371/journal.pone.0171983 Typ Journal Article Autor Sandmann S Journal PLOS ONE Link Publikation -
2017
Titel Evaluating Variant Calling Tools for Non-Matched Next-Generation Sequencing Data DOI 10.1038/srep43169 Typ Journal Article Autor Sandmann S Journal Scientific Reports Seiten 43169 Link Publikation -
2017
Titel Geriatrisches Assessment bei Patienten mit hämatologischen Neoplasien DOI 10.1007/s00391-017-1222-6 Typ Journal Article Autor Hofer B Journal Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie Seiten 247-258 Link Publikation -
2017
Titel Labile plasma iron levels predict survival in patients with lower-risk myelodysplastic syndromes DOI 10.3324/haematol.2017.171884 Typ Journal Article Autor De Swart L Journal Haematologica Seiten 69-79 Link Publikation -
2017
Titel Proposed minimal diagnostic criteria for myelodysplastic syndromes (MDS) and potential pre-MDS conditions DOI 10.18632/oncotarget.19008 Typ Journal Article Autor Valent P Journal Oncotarget Seiten 73483-73500 Link Publikation -
2017
Titel Patient-reported outcomes enhance the survival prediction of traditional disease risk classifications: An international study in patients with myelodysplastic syndromes DOI 10.1002/cncr.31193 Typ Journal Article Autor Efficace F Journal Cancer Seiten 1251-1259 Link Publikation -
2020
Titel Development of a core outcome set for myelodysplastic syndromes – a Delphi study from the EUMDS Registry Group DOI 10.1111/bjh.16654 Typ Journal Article Autor Rochau U Journal British Journal of Haematology Seiten 405-417 Link Publikation -
2020
Titel Novel dynamic outcome indicators and clinical endpoints in myelodysplastic syndrome; the European LeukemiaNet MDS Registry and MDS-RIGHT project perspective DOI 10.3324/haematol.2020.266817 Typ Journal Article Autor De Witte T Journal Haematologica Seiten 2516-2523 Link Publikation -
2020
Titel Malnutrition in Older Patients With Hematological Malignancies at Initial Diagnosis – Association With Impairments in Health Status, Systemic Inflammation and Adverse Outcome DOI 10.1097/hs9.0000000000000332 Typ Journal Article Autor Stauder R Journal HemaSphere Link Publikation -
2021
Titel Core Set of Patient-Reported Outcomes for Myelodysplastic Syndromes - EUMDS Delphi Study in Patients and Hematologists DOI 10.1182/bloodadvances.2021004568 Typ Journal Article Autor Stojkov I Journal Blood Advances Seiten 1-12 Link Publikation -
2018
Titel Health-related quality of life in lower-risk MDS patients compared with age- and sex-matched reference populations: a European LeukemiaNet study DOI 10.1038/s41375-018-0089-x Typ Journal Article Autor Stauder R Journal Leukemia Seiten 1380-1392 Link Publikation -
2018
Titel Diagnosis, management and response criteria of iron overload in myelodysplastic syndromes (MDS): updated recommendations of the Austrian MDS platform DOI 10.1080/17474086.2018.1420473 Typ Journal Article Autor Valent P Journal Expert Review of Hematology Seiten 109-116 -
2018
Titel Fatigue at baseline is associated with geriatric impairments and represents an adverse prognostic factor in older patients with a hematological malignancy DOI 10.1007/s00277-018-3420-8 Typ Journal Article Autor Hofer F Journal Annals of Hematology Seiten 2235-2243 Link Publikation -
2015
Titel Validation of the revised international prognostic scoring system (IPSS-R) in patients with lower-risk myelodysplastic syndromes: a report from the prospective European LeukaemiaNet MDS (EUMDS) registry DOI 10.1111/bjh.13450 Typ Journal Article Autor De Swart L Journal British Journal of Haematology Seiten 372-383 Link Publikation -
2016
Titel Erythropoiesis-stimulating agents significantly delay the onset of a regular transfusion need in nontransfused patients with lower-risk myelodysplastic syndrome DOI 10.1111/joim.12579 Typ Journal Article Autor Garelius H Journal Journal of Internal Medicine Seiten 284-299 Link Publikation