Eukaryotische Gene in Vakuolen-assoziierten Pathogenen und Symbiotnen (EUGENPATH)
Eukaryotic genes in vacuolar pathogens and symbionts (EUGENPATH)
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (80%); Gesundheitswissenschaften (20%)
Keywords
-
Host-microbe interaction,
Environmental microbiology,
Intracellular survival,
Microbial pathogenicity
Intrazelluläre Bakterien sind eine phylogenetisch diverse Gruppe an Mikroorganismen, die wichtige Krankheitserreger des Menschen umfasst. Einige dieser Bakterien können sowohl in Amöben überleben, die ihnen als Spielwiese der Evolution dienten, als auch innerhalb menschlicher Makrophagen. Dazu gehören der Erreger der Legionärskrankheit. Legionella pneumophila, der Erreger des Q-Fiebers, Coxiella burnetii, sowie zur Familie der Parachlamydiaceae gehörende Symbionten von Amöben, die mit Atemwegserkrankungen in Verbindung gebracht werden. Intrazelluläre Krankheitserreger und Symbionten stehen in engen, vielfältigen molekularen Wechselwirkungen mit ihren eukaryotischen Wirtszellen. Diese Interaktionen sind im Verlauf der Koevolution zwischen Bakterien und Wirtszellen entstanden. Dabei spielte die Integration eukaryotischer Gene in die Genome der Bakterien eine entscheidende Rolle. Diese, hier als EUGENs bezeichneten, bakteriellen Gene ermöglichen den gezielten Eingriff in Regulations- und Stoffwechselwege der Wirtszelle. Sie stellen ein Kennzeichen intrazellulärer Bakterien dar und sind kaum in frei-lebenden Bakterien zu finden. Obwohl entscheidend für den Erfolg intrazellulärer Krankheitserreger und Symbionten, sind die genauen Funktionen der meisten EUGENs und ihre Interaktionsmechanismen weitgehend unbekannt. Legionellen, Coxiellen und Parachlamydien kodieren für eine Reihe an EUGENs, die als sogenannte Effektoren über Typ-3 und Typ-4-Sekretionssysteme in die Wirtszelle injiziert werden. Im Rahmen dieses Projekts sollen konservierte EUGENs untersucht und ihre Funktion für Virulenz und Symbiose bei Legionellen, Coxiellen und Parachlamydien bestimmt werden. Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf Wechselwirkungen mit dem Stoffwechsel der Wirtszelle und die Bedeutung für die Ökologie der Bakterien gelegt. Hierfür kommen modernste Methoden der Proteomik, der Transkriptomik, der Metabolomik, sowie innovative biochemische und genetische Ansätze zu Anwendung. Auf diese Weise werden wir neue Einblicke in evolutionär konservierte Mechanismen der Interaktion zwischen intrazellulären Bakterien und ihren Wirtszellen gewinnen. Wir werden die Verschränkung von Bakterien- und Wirtsmetabolismus besser verstehen, und Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen bakteriellen Krankheitserregern und Symbionten identifizieren. Daraus werden sich neue Angriffspunkte für anti-bakterielle Wirkstoffe, sowie potentielle Kandidaten für die Entwicklung neuer Impfstoffen ergeben.
Bakterien interagieren auf unterschiedliche Weise mit Tieren und Menschen, verursachen dabei Krankheiten (Krankheitserreger) oder bringen Nutzen (Symbionten). Die Mechanismen, die diese Wechselwirkungen vermitteln, sind oft wenig verstanden, verwenden aber häufig Genprodukte, die ursprünglich von ihren tierischen Partnern erworben wurden. Dieses Verbundprojekt, an dem sieben Partner aus vier europäischen Ländern beteiligt waren, zielte darauf ab, die Rolle dieser Gene in ausgewählten bakteriellen Krankheitserreger und Symbionten besser zu verstehen. Das österreichische Teilprojekt, geleitet von Matthias Horn am Department für Mikrobiologie und Ökosystemforschung der Universität Wien, untersuchte Bakterien, die sowohl Menschen als auch Einzeller (Protisten), wie Amöben, infizieren können. Die Wissenschaftler haben dabei neuartige molekulare Dolche entdeckt, die bakterielle Zell-Zell-Interaktionen vermittelt. Ihre Arbeit führte zu neuen Erkenntnissen über die Evolution und Regulation von bakteriellen Proteinen, die für die Invasion von tierischen und protistischen Zellen verwendet werden, und sie konnten zeigen, dass sich bakterielle Symbionten und Krankheitserreger gegenseitig stören, wenn sie die dieselbe Amöbenzelle infizieren, was schließlich zur Abtötung des Krankheitserregers führt. Im Mittelpunkt des Teilprojektes standen Legionella pneumophila, der Erreger der Legionärskrankheit, und Chlamydien, die als Krankheitserreger bekannt, aber auch als Symbionten von Amöben in der Umwelt weit verbreitet sind. Das Forschungsteam fand heraus, dass Chlamydien die Vermehrung von L. pneumophila in Acanthamoeba castellanii wirksam hemmen und zu einer drastischen Reduzierung der Virulenz führen. Ihre Experimente zeigten unerwartete Wechselwirkungen menschlicher Krankheitserreger mit Umweltmikroben auf. Diese könnten einen möglichen Weg zur Kontrolle der Ausbreitung von L. pneumophila darstellen. Mit modernsten Ansätzen der Genomik, System- und Evolutionsbiologie untersuchten die Wissenschaftler zudem die Wirtsinteraktionsmechanismen der symbiontischen Chlamydien. In diesen Amöben-assoziierten Bakterien entdeckten sie bisher unerreicht große Gruppen an Genen (Genfamilien), die vermutlich dazu dienen Wirtszellen mit einer Armada von ursprünglich von Einzellernn stammenden Effektoren gleichzeitig zu manipulieren. Die Ergebnisse dieses Projekts haben dazu beigetragen, die molekularen Mechanismen von Mikroben bei der Infektion von tierischen Wirtszellen und Protisten besser zu verstehen. Sie liefern wichtige Puzzleteile bei der Suche nach neuen Strategien und molekularen Zielen für Impfstoffentwicklung und antibakterielle Therapie.
- Universität Wien - 100%
- Dörte Becher, Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald - Deutschland
- Michael J. Lalk, Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald - Deutschland
- Wolfgang Eisenreich, Technische Universität München - Deutschland
- Matteo Bonazzi, Centre National de la Recherche Scientifique - Frankreich
- Carmen Buchrieser, Institut Pasteur - Frankreich
- Gil Segal, Tel Aviv University - Israel
- Hubert Hilbi, University of Zurich - Schweiz
Research Output
- 575 Zitationen
- 10 Publikationen
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2018
Titel Peatland Acidobacteria with a dissimilatory sulfur metabolism DOI 10.1038/s41396-018-0077-1 Typ Journal Article Autor Hausmann B Journal The ISME Journal Seiten 1729-1742 Link Publikation -
2019
Titel Symbiont-Mediated Defense against Legionella pneumophila in Amoebae DOI 10.1128/mbio.00333-19 Typ Journal Article Autor König L Journal mBio Link Publikation -
2014
Titel Massive Expansion of Ubiquitination-Related Gene Families within the Chlamydiae DOI 10.1093/molbev/msu227 Typ Journal Article Autor Domman D Journal Molecular Biology and Evolution Seiten 2890-2904 Link Publikation -
2015
Titel probeBase—an online resource for rRNA-targeted oligonucleotide probes and primers: new features 2016 DOI 10.1093/nar/gkv1232 Typ Journal Article Autor Greuter D Journal Nucleic Acids Research Link Publikation -
2015
Titel Chlamydial seasonal dynamics and isolation of ‘Candidatus Neptunochlamydia vexilliferae’ from a Tyrrhenian coastal lake DOI 10.1111/1462-2920.13111 Typ Journal Article Autor Pizzetti I Journal Environmental Microbiology Seiten 2405-2417 -
2015
Titel Marine amoebae with cytoplasmic and perinuclear symbionts deeply branching in the Gammaproteobacteria DOI 10.1038/srep13381 Typ Journal Article Autor Schulz F Journal Scientific Reports Seiten 13381 Link Publikation -
2017
Titel ‘Candidatus Cochliophilus cryoturris’ (Coxiellaceae), a symbiont of the testate amoeba Cochliopodium minus DOI 10.1038/s41598-017-03642-8 Typ Journal Article Autor Tsao H Journal Scientific Reports Seiten 3394 Link Publikation -
2015
Titel Following the Footsteps of Chlamydial Gene Regulation DOI 10.1093/molbev/msv193 Typ Journal Article Autor Domman D Journal Molecular Biology and Evolution Seiten 3035-3046 Link Publikation -
2017
Titel In situ architecture, function, and evolution of a contractile injection system DOI 10.1126/science.aan7904 Typ Journal Article Autor Böck D Journal Science Seiten 713-717 Link Publikation -
2017
Titel Biphasic Metabolism and Host Interaction of a Chlamydial Symbiont DOI 10.1128/msystems.00202-16 Typ Journal Article Autor König L Journal mSystems Link Publikation