EUROCORES_ECRP_Comparative assessment of use and effects of eParticipation
weitere Initiativen: EUROCORES ECRP
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Technische Wissenschaften (25%); Medien- und Kommunikationswissenschaften (25%); Politikwissenschaften (25%); Soziologie (25%)
Keywords
- E-Participation,
- Assessment,
- Sustainable Development,
- Democracy,
- Comparative,
- Cross-National
Das Kooperationsprojekt will mit einem multi-disziplinären Ansatz dazu beitragen, die nach wie vor vorhandene Forschungslücke im Bereich der Evaluierung von elektronischer Partizipation (ePartizipation) zu schließen. Im Rahmen einer Vergleichsstudie in den fünf EU-Ländern Dänemark, Deutschland, Großbritannien, Spanien und Österreich werden Qualität und Effekte von ePartizipation im Kontext von BürgerInnenbeteiligung an lokaler Nachhaltigkeitspolitik untersucht. Dabei wird folgenden forschungsleitenden Fragen nachgegangen: (1) Wie wird ePartizipation im Bereich nachhaltiger Entwicklung auf lokaler Ebene eingesetzt? (2) Welche Effekte und Auswirkungen auf umweltbezogene Einstellungen und Verhaltensweisen von BürgerInnen sowie auf die lokale Nachhaltigkeitspolitik zeichnen sich ab? (3) Welche Kontextfaktoren können herangezogen werden, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Nutzung, den Effekten und Auswirkungen von ePartizipation im nationalen sowie im länderübergreifenden Vergleich zu erklären? Um diese Fragen zu beantworten, werden elektronisch unterstützte Beteiligungsverfahren in insgesamt fünfzehn Gemeinden in fünf Ländern im Politikfeld Nachhaltige Entwicklung / Klimawandel analysiert. Das Projekt wird eine empirische Evaluierung der Rolle und Effekte elektronischer Unterstützung von BürgerInnen bei Partizipationsprozessen liefern sowie Aufschlüsse über weiterreichende Auswirkungen auf lokale Demokratie und nachhaltige Entwicklung. Dazu wird ein Spektrum von Methoden kombiniert, das Inhaltsanalysen von Online-Angeboten, Telefon- und Online-Umfragen, Website- und Logfile-Analysen sowie Fokusgruppen und Experteninterviews umfasst. Der länderübergreifende Vergleich ermöglicht es, der Relevanz von Kontextfaktoren wie unterschiedlicher Charakteristika politischer Systeme, Stile öffentlicher Verwaltung, rechtlicher Rahmenbedingungen, und kultureller Faktoren nachzugehen.
Das Projekt untersuchte Auswirkungen der Beteiligung von BürgerInnen an lokaler Klimapolitik anhand von ident organisierten Beteiligungsprozessen in sieben europäischen Regionen. Das Ziel war herauszufinden, inwiefern die TeilnehmerInnen ihr Alltagsverhalten zugunsten einer Minimierung des Ausstoßes von Treibhausgasen (THG) veränderten und welche Rolle dabei zwei unterschiedliche Formen der Beteiligung spielten: herkömmliche (direkter persönlicher Kontakt, Post, Telefon) im Vergleich zu elektronischer bzw. e-Partizipation (PC, Internet). Bei freier Wahl zwischen beiden Möglichkeiten dokumentierten die TeilnehmerInnen bis zu zwei Jahre hindurch alle zwei Monate ihr Verbrauchsverhalten und erhielten dazu laufend (mittels CO-Rechner online erstellte oder per Post zugesandte) individuelle Klimabilanzen mit dem Ziel, die Emissionen zu senken. Begleitend gab es weitere Informationsangebote und Gelegenheit zum Austausch auf Gruppentreffen und Veranstaltungen. Der Forschung lag die Annahme zugrunde, dass gemeinsames lokales Engagement kombiniert mit individueller Information zu Sensibilisierung und Verhaltensänderungen führen. Die österreichische Teilstudie trug dazu bei, erstmals ein gemeinsam entwickeltes Bewertungsinstrumentarium für Beteiligungsverfahren auf gleichartige Prozesse in drei verschiedenen Ländern anzuwenden und die Ergebnisse zu vergleichen. Der Partizipationsprozess ermöglichte den TeilnehmerInnen ein besseres Verständnis von THG-Emissionen als Folge individueller Verhaltensweisen und unterstützte die Umstellung auf einen klimafreundlichen Lebensstil. Die Auswirkungen insgesamt waren dennoch ambivalent: Zwei von drei Beteiligten in Deutschland und Österreich verbesserten ihre Klimabilanz um mindestens 2% pro Jahr, während dies in Spanien nur jeder/m Zweiten gelang. Unterschiede hinsichtlich Gemeinschaftsbildung, sozialer Kontrolle, Darstellung der Klimabilanz und Anreizen erklären dies nur zum Teil. Die Rückmeldung individueller Bilanzen zum Energieverbrauch, Verkehrsverhalten usw. reicht nicht aus, um nachhaltige Veränderungen zu klimafreundlichem Verhalten zu bewirken. Es bedarf zusätzlich unterstützender Rahmenbedingungen und Anreize, um vielerlei Hindernisse zu überwinden (z. B. sind soziale Gewohnheiten tief verwurzelt und bereits eine Flugreise kann die Bemühungen um Energieeinsparung im Haushalt eines ganzen Jahres zunichtemachen). In der Rekrutierungsphase zeigte sich eine große Diskrepanz zwischen der in Umfragen geäußerten Bereitschaft, zur THG-Reduktion beizutragen und dem tatsächlichen Verhalten. Die Registrierung zur aktiven Teilnahme beschränkte sich vorwiegend auf Umweltinteressierte. Kleinere Gemeinden hatten vergleichsweise größeren Rekrutierungserfolg, die Verbreiterung der Beteiligung bleibt jedoch eine zentrale Herausforderung. Die Option zur e-Partizipation erwies sich als Grundvoraussetzung für stärkere Beteiligung; weitaus die Mehrheit wählte diese Form. Während sich die online Teilnehmenden hinsichtlich der erzielten THG-Reduktion nicht systematisch von der anderen Gruppe unterschieden, war jedoch unter den Onlinern die Rate an vorzeitig Aussteigenden wesentlich höher. Die Ergebnisse legen nahe, dass das Internet zwar mehr Beteiligung möglich macht, aber keine Lösung für entsprechendes Engagement in Beteiligungsprozessen darstellt. Die Kombination von e-Partizipation mit herkömmlichen Formen der Teilnahme scheint für eine Öffentlichkeitsbeteiligung an der Umsetzung politischer Ziele angemessener.
- Herbert Kubicek, Universität Bremen - Deutschland
- Jens Villiam Hoff, University of Copenhagen - Dänemark
- Lourdes Torres, University of Zaragoza - Spanien
- Ann Macintosh, University of Leeds - Vereinigtes Königreich
Research Output
- 51 Zitationen
- 4 Publikationen
-
2013
Titel Can information save energy? A three country comparison of words and actions in participatory local climate protection projects DOI 10.1504/ijeg.2013.053379 Typ Journal Article Autor Aichholzer G Journal International Journal of Electronic Governance Seiten 66 -
2012
Titel Using Online Carbon Calculators for Participation in Local Climate Initiatives DOI 10.1007/978-3-642-33250-0_8 Typ Book Chapter Autor Aichholzer G Verlag Springer Nature Seiten 85-96 -
2016
Titel Evaluating e-Participation, Frameworks, Practice, Evidence DOI 10.1007/978-3-319-25403-6 Typ Book Verlag Springer Nature -
2009
Titel Public Policies on eParticipation in Austria DOI 10.1007/978-3-642-03781-8_3 Typ Book Chapter Autor Aichholzer G Verlag Springer Nature Seiten 24-35