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Emotionales, gezügeltes und bulimisches Essen

Emotional, Restraint and Bulimic Eating in Lab and Life

Jens Blechert (ORCID: 0000-0002-3820-109X)
  • Grant-DOI 10.55776/I2130
  • Förderprogramm Einzelprojekte International
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.03.2015
  • Projektende 31.08.2018
  • Bewilligungssumme 175.324 €

Bilaterale Ausschreibung: Luxemburg

Wissenschaftsdisziplinen

Klinische Medizin (20%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (20%); Psychologie (60%)

Keywords

    Emotion eating, Restraint Eating, Bulimia Nervosa, Ambulatory Monitoring, Event related potentials, Ecological momentary assessment

Abstract Endbericht

Essstörungen, Übergewicht, und Adipositas führen zu deutlicher psychischer Beeinträchtigung und zu vielfältigen physischen komorbiden Störungen, welche das Mortalitätsrisiko steigern. Störungen des Ernährungsverhaltens erhöhen somit die globale Belastung durch Krankheiten und stellen eine enorme Herausforderung für die Gesundheitssysteme unserer Zeit dar. In den heutigen Überflussgesellschaften erfüllt Nahrungsaufnahme eine Reihe von Funktionen, die über homöostatische Energiezufuhr hinausgehen. Manche Personen nutzen Nahrungsaufnahme um negative Emotionen zu regulieren, sowie als Belohnung oder Ablenkung, oder essen einfach weil sich die Gelegenheit bietet. Andere versuchen ihr Gewicht zu reduzieren und machen ihre Selbstbewertung von ihrem Diäterfolg abhängig, so zum Beispiel beim Vorliegen von Essstörungen. Insgesamt ist noch wenig bekannt über die Selbstregulationsprozesse in einer Gesellschaft, die von einem Überangebot an hochkalorischem und billigen Essen geprägt ist. Das aktuelle Projekt wird unser Verständnis von Selbstregulationsprozessen bei gesunden und essgestörten Probandinnen erhöhen. Die Einzigartigkeit dieses Projekt liegt in seinen konzeptuellen und methodologischen Ansatz: konzeptuell fliesen Theorien nicht-homöostatischen Essens bei Gesunden genauso mit ein wie Erklärungsansätze von Essstörungen. Methodologisch werden laborbasierte Paradigmen aus den affektiven Neurowissenschaften mit fortgeschrittenen Methoden der ambulatorischen Datenerhebung kombiniert. Mittels dieser Methoden untersucht das vorliegenden Projekt gezügeltes und emotionales Essen als zentrale Faktoren die gesundem und bulimischen Essenverhalten gemeinsam sind. Dazu erhoben werden Selbstwert, Impulsivität, generelle Psychopathologie und kompensatorisches Fasten als spezifisch bulimische Faktoren. Es wird eine Serie eng aufeinander aufbauender Studien durchgeführt bei Gesunden mit gezügeltem und emotionalem Essstil auf der einen Seite und PatientInnen mit Bulimia Nervosa auf der anderen. Dazu werden psychometrische Messungen mit ambulatorischen Methoden und mit Laborparadigmen kombiniert, um phänomenologische Daten (habituelle und Trait-Variablen) mit Prozessdaten (neuronale Verarbeitungsschritte) in Verbindung zu bringen. Hierdurch entsteht ein innovativer Datensatz welcher Einblicke in basale Lernprozesse bei Überessen/Essanfälle gibt sowie die neuronale Prozesse beschreibt, welche essbezogene Traits in motivationale und kognitive Reaktionen übersetzen.

Negative Emotionen beeinflussen nicht nur das Befinden einer Person, sondern auch ihr Essverhalten. Dies kann zu einer erhöhten Kalorienzufuhr führen und ist damit gesundheitlich relevant. Bei starken Ausprägungen der negativen Emotionen und nachfolgendem unkontrolliertem Essen spricht man von Essanfällen, wie sie bei verschiedenen Essstörungen auftreten. Das EmoEat Projekt untersucht dieses Phänomen bei verschiedenen Populationen. Besonders im Fokus standen hier Personen mit der Essstörung Bulimia Nervosa, aber auch Personen ohne klinisch diagnostizierte Essstörung, die aber einen bestimmten Essstil (z.b. Diätverhalten, emotionales Essen, Essens-Cravings) aufwiesen. Wir konnten feststellen, dass sich verschiedene Emotionen in ihren Auswirkungen auf Essen unterscheiden: Ärger und Angst können das Essen inhibieren, Traurigkeit das Essen steigern. Bestimmte Personen haben eine stärkere Tendenz, auf negative Emotionen mit Über-Essen zu reagieren, dies konnte mittels Befragung festgestellt werden. Zusätzlich zur Arbeit im Labor wurden auch im Alltag Untersuchungen mit unserer Forschungs-Smartphone App durchgeführt: Emotionen beeinflussten das alltägliche Essverhalten, und zwar unabhängig von Zeitstress und insbesondere bei Personen mit einem emotionalen Essstil. Weiter konnten wir zeigen, dass Personen mit Diäterfahrung ein spezifisches Entscheidungsmuster bei der Auswahl von Nahrungsmitteln zeigen und dass starkem Verlangen nach bestimmten Nahrungsmittel beim Essverhalten im Alltag eine entscheidende Rolle zukommt. Gemeinsam unterstreichen die Befunde die Bedeutsamkeit bestimmter Essstile, die unabhängig von physiologischem Hunger den Alltag vieler Menschen prägen.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Salzburg - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Claus Vögele, Université du Luxembourg - Luxemburg

Research Output

  • 1335 Zitationen
  • 8 Publikationen
Publikationen
  • 2018
    Titel Contesting the evidence for non-adaptive plasticity
    DOI 10.1038/nature25496
    Typ Journal Article
    Autor Mallard F
    Journal Nature
  • 2021
    Titel I change my mind to get better: Process tracing-based microanalysis of food choice processes reveals differences between Anorexia Nervosa and bulimia nervosa during inpatient treatment
    DOI 10.1016/j.appet.2021.105745
    Typ Journal Article
    Autor Georgii C
    Journal Appetite
    Seiten 105745
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Multi-pass microscopy
    DOI 10.1038/ncomms12858
    Typ Journal Article
    Autor Juffmann T
    Journal Nature Communications
    Seiten 12858
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Biometry of the corpus callosum assessed by 3D ultrasound and its correlation to neurodevelopmental outcome in very low birth weight infants
    DOI 10.1038/jp.2016.231
    Typ Journal Article
    Autor Klebermass-Schrehof K
    Journal Journal of Perinatology
    Seiten 448-453
  • 2014
    Titel Epidermal Elafin Expression Is an Indicator of Poor Prognosis in Cutaneous Graft-versus-Host Disease
    DOI 10.1038/jid.2014.489
    Typ Journal Article
    Autor Brüggen M
    Journal Journal of Investigative Dermatology
    Seiten 999-1006
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Decreased renal function in hypertensive emergencies
    DOI 10.1038/jhh.2013.132
    Typ Journal Article
    Autor Derhaschnig U
    Journal Journal of Human Hypertension
    Seiten 427-431
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Unequal household carbon footprints in China
    DOI 10.1038/nclimate3165
    Typ Journal Article
    Autor Wiedenhofer D
    Journal Nature Climate Change
    Seiten 75-80
    Link Publikation
  • 2015
    Titel The promise and peril of chemical probes
    DOI 10.1038/nchembio.1867
    Typ Journal Article
    Autor Arrowsmith C
    Journal Nature Chemical Biology
    Seiten 536-541
    Link Publikation

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