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Die Bedeutung von Selenonein im humanen Selenmetabolismus

Toxic or beneficial? Selenoneine in human selenium metabolism

Doris Kuehnelt (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/I2262
  • Förderprogramm Einzelprojekte International
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.11.2015
  • Projektende 30.06.2020
  • Bewilligungssumme 309.087 €
  • Projekt-Website

DACH: Österreich - Deutschland - Schweiz

Wissenschaftsdisziplinen

Chemie (60%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (40%)

Keywords

    Selenoneine, Bioavailability, Selenium Metabolism, Toxicity, HPLC/MS, Protective Effects

Abstract Endbericht

Die Supplementation mit Selen wird mit einer Vielzahl an positiven Auswirkungen auf die Gesundheit in Verbindung gebracht. Der therapeutisch wirksame Bereich von Selen ist jedoch eng und es ist derzeit unklar, welche Selenverbindungen für die positive Gesundheitseffekte verantwortlich sind. Die Ergebnisse bislang durchgeführter Supplementationsstudien sind unterschiedlich und unterstreichen die Notwendigkeit, die zugeführte Form von Selen zu kennen. Nur so ist es möglich, den Metabolismus sowie etwaige resultierende gesundheitsfördernde bzw. toxische Wirkungen zu verstehen. Vor kurzem wurde Selenonein, das Selenanaloge der Schwefelverbindung Ergothionein, eines in Zellen ubiquitären mutmaßlichen Antioxidans, als neue natürlich vorkommende Selenverbindung entdeckt. Selenonein ist eine der Hauptselenverbindungen in marinem Fisch. Ziel dieses gemeinsamen Projektes zwischen dem Institut für Chemie an der Karl-Franzens-Universität Graz und dem Institut für Ernährungswissenschaft an der Universität Potsdam ist die Erforschung der Bedeutung von Selenonein und seinem humanen Metaboliten Se-Methylselenonein für den menschlichen Selenmetabolismus sowie für die gesundheitsfördernde Wirkung von Selen. Da keine der beiden Verbindungen kommerziell erhältlich ist, werden diese in einem ersten Schritt in Anlehnung an Verfahren zur Herstellung der entsprechenden Schwefelanalogen synthetisiert werden. Durch die chemische Synthese werden erstmals beide Verbindungen in der entsprechenden Reinheit und Menge zur Verfügung stehen, die für eine eingehende Untersuchung ihrer Bedeutung für den menschlichen Selenmetabolismus erforderlich ist. Mit den synthetisieren Verbindungen wird eine robuste Analysenmethode auf Basis der Hochleistungsflüssigchromatographie in Verbindung mit induktiv gekoppelter Plasma Massenspektrometrie (HPLC/ICPMS) für deren Bestimmung in komplexen Probenmatrices wie Blut und Urin entwickelt werden, die zum eindeutigen Nachweis der Verbindungen auch mit molekularen massenspektrometrischen Verfahren kompatibel sein muss. Da Selenonein leicht oxidierbar ist, wird besonderes Augenmerk auf die Entwicklung eines schnellen und quantitativen auf Reduktion und anschließender Derivatisierung basierenden Probenvorbereitungs- verfahrens gelegt werden. Die synthetisierten Verbindungen werden im Zuge von in vitro Studien mit Säugetierzellkulturen (Caco-2 Darmzellen, HEPG2 Leberzellen und LUHMES Zellen, Endothelzellen und Plexus-Choroideus Zellen) und ersten in vivo Studien im Fadenwurm C. elegans im Hinblick auf ihre Bioverfügbarkeit, ihren Metabolismus, sowieihre Toxizität bzw.potentiellen gesundheitsschützenden Wirkungen untersucht werden. Die Totalselenkonzentrationen sowie Selenmetaboliten in den Säugetierzellen, in C. elegans und in den Zellkulturmedien werden am Ende der Studien mit der zu Beginn entwickelten Analysenmethode untersucht werden. Die Ergebnisse des Projektes werden einen Einblick in die gesundheitlichen und toxischen Wirkungen sowie den Humanmetabolismus dieser beiden neu entdeckten Verbindungen des essentiellen Spurenelementes Selen geben und helfen, deren Beitrag zu den dem Selen zugeschriebenen positiven Auswirkungen auf die Gesundheit zu beleuchten.

Das essentielle Spurenelement Selen und seine Spezies sind von großer gesundheitlicher Bedeutung. Daher ist die Untersuchung der Wirkung und des Metabolismus kleiner, nicht proteingebundener Selenspezies, wie sie z.B. in der Nahrung vorkommen, wichtig. Im Fokus des Projektes war die in Meeresfisch enthaltene Spezies Selenonein, das Selenanaloge der natürlich vorkommenden Schwefelspezies Ergothionein, der antioxidative Wirkungen zugeschrieben werden. Da im Falle von Selenonein ähnliche Eigenschaften diskutiert werden, sind Forschungen hinsichtlich seiner Gesundheitsaspekte wichtig. Diese wurden jedoch bislang durch das Fehlen eines Zuganges zur für derartige Untersuchungen notwendigen reinen Spezies erschwert. Ziel des Projektes war die Synthese von reinem Selenonein in ausreichender Menge, die Entwicklung robuster analytischer Methoden für seine Bestimmung sowie die Bestimmung seiner Metabolite in komplexen biologischen Proben und seine Charakterisierung im Hinblick auf seine gesundheitliche Wirkungen und seinen Stoffwechsel in Zellkultursystemen und einem Modellorganismus, dem Fadenwurm Caenorhabditis elegans. Da eine chemische Synthese im ersten Projektjahr nicht möglich war, wurde Selenonein alternativ aus genetisch modifizierter Spalthefe isoliert. Diese erfolgreiche Isolierung ermöglichte erstmals die Bereitstellung von Selenonein in einer Reinheit und Menge, die eine Charakterisierung seiner toxikologischen und protektiven Wirkungen möglich machte. Um die Konzentration von Selenonein und seinen Metaboliten im Vergleich mit anderen kleinen Selenspezies und Ergothionein in den toxikologischen Tests und in anderen komplexen Proben wie menschlichen Körperflüssigkeiten zu bestimmen, wurden entsprechende analytische Methoden entwickelt. Dabei wurde besonderes Augenmerk auf die Entwicklung einer Methode zur simultanen Bestimmung von Selen- und Schwefelspezies in komplexen Matrices wie menschlichen Blutkörperchen gelegt. Die in vitro und in vivo Experimente zur Charakterisierung von Selenonein im Vergleich mit anderen kleinen Selenspezies und Ergothionein brachten neue Erkenntnisse hinsichtlich der protektiven Effekte von Selenonein sowie seines Transportes über die Darmbarriere bzw. Blut-Hirn-Schranke. So konnte eine Methylierung von Selenonein beim Übertritt durch die Darmbarriere im Zellkulturmodell nachgewiesen werden. Weiters wurden neue Metabolite der Referenzspezies Se-Methylselenocystein und Selenomethionin in menschlichen Leberzellen und dem Fadenwurm C. elegans identifiziert. Zusammenfassend hat die Isolierung von Selenonein aus der Spalthefe zu signifikanten Fortschritten bei der toxikologischen, protektiven und metabolischen Charakterisierung dieser potentiell gesundheitsfördernden Selenspezies geführt. Die im Zuge des Projektes entwickelten analytischen Methoden werden in Zukunft zur Bearbeitung von Fragestellungen weit über den Rahmen dieses Projektes hinaus Anwendung finden.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Graz - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Anna Kipp, Universität Jena - Deutschland
  • Tanja Schwerdtle, Universität Potsdam - Deutschland
  • Michael Aschner, Albert Einstein College of Medicine - Vereinigte Staaten von Amerika

Research Output

  • 233 Zitationen
  • 11 Publikationen
Publikationen
  • 2019
    Titel Treatment of Caenorhabditis elegans with Small Selenium Species Enhances Antioxidant Defense Systems
    DOI 10.1002/mnfr.201801304
    Typ Journal Article
    Autor Rohn I
    Journal Molecular Nutrition & Food Research
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Selenoneine and ergothioneine in human blood cells determined simultaneously by HPLC/ICP-QQQ-MS
    DOI 10.1039/c8ja00276b
    Typ Journal Article
    Autor Kroepfl N
    Journal Journal of Analytical Atomic Spectrometry
    Seiten 127-134
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Side-Directed Transfer and Presystemic Metabolism of Selenoneine in a Human Intestinal Barrier Model
    DOI 10.1002/mnfr.201900080
    Typ Journal Article
    Autor Rohn I
    Journal Molecular Nutrition & Food Research
  • 2018
    Titel Selenium species-dependent toxicity, bioavailability and metabolic transformations in Caenorhabditis elegans†
    DOI 10.1039/c8mt00066b
    Typ Journal Article
    Autor Rohn I
    Journal Metallomics
    Seiten 818-827
    Link Publikation
  • 2018
    Titel Biosynthesis and isolation of selenoneine from genetically modified fission yeast
    DOI 10.1039/c8mt00200b
    Typ Journal Article
    Autor Turrini N
    Journal Metallomics
    Seiten 1532-1538
    Link Publikation
  • 2024
    Titel High levels of the health-relevant antioxidant selenoneine identified in the edible mushroom Boletus edulis.
    DOI 10.1016/j.jtemb.2024.127536
    Typ Journal Article
    Autor Kuehnelt D
    Journal Journal of trace elements in medicine and biology : organ of the Society for Minerals and Trace Elements (GMS)
    Seiten 127536
  • 2020
    Titel Capabilities of selenoneine to cross the in vitro blood–brain barrier model
    DOI 10.1093/mtomcs/mfaa007
    Typ Journal Article
    Autor Drobyshev E
    Journal Metallomics
    Link Publikation
  • 2019
    Titel Selenoneine ameliorates peroxide-induced oxidative stress in C. elegans
    DOI 10.1016/j.jtemb.2019.05.012
    Typ Journal Article
    Autor Rohn I
    Journal Journal of Trace Elements in Medicine and Biology
    Seiten 78-81
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Quantitative determination of the sulfur-containing antioxidant ergothioneine by HPLC/ICP-QQQ-MS
    DOI 10.1039/c7ja00030h
    Typ Journal Article
    Autor Kroepfl N
    Journal Journal of Analytical Atomic Spectrometry
    Seiten 1571-1581
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Differing cytotoxicity and bioavailability of selenite, methylselenocysteine, selenomethionine, selenosugar 1 and trimethylselenonium ion and their underlying metabolic transformations in human cells
    DOI 10.1002/mnfr.201600422
    Typ Journal Article
    Autor Marschall T
    Journal Molecular Nutrition & Food Research
    Seiten 2622-2632
    Link Publikation
  • 2017
    Titel Tracing cytotoxic effects of small organic Se species in human liver cells back to total cellular Se and Se metabolites†
    DOI 10.1039/c6mt00300a
    Typ Journal Article
    Autor Marschall T
    Journal Metallomics
    Seiten 268-277
    Link Publikation

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