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Das Tschechisch-Österreichische Langzeitpflegeheimprojekt

The Czech-Austrian Long Term Care Research Project

Stefanie Auer (ORCID: 0000-0002-8893-6932)
  • Grant-DOI 10.55776/I2361
  • Förderprogramm Einzelprojekte International
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.03.2016
  • Projektende 31.01.2019
  • Bewilligungssumme 205.874 €

Bilaterale Ausschreibung: Tschechien

Wissenschaftsdisziplinen

Gesundheitswissenschaften (20%); Klinische Medizin (70%); Soziologie (10%)

Keywords

    Institutional Long Term Care, Psychological Parameters, Nursing Home, Dementia, Health Parameters, Care Staff Burden

Abstract Endbericht

Hintergrund: Die menschliche Gesellschaft altert weltweit rapide. Damit zusammenhängend steigt die Häufigkeit alterskorrelierter Krankheiten die in den späteren Lebensphasen intensive Pflege nötig machen. Es wird erwartet, dass der Bedarf an institutionalisierter Langzeitpflege in den kommenden Jahren noch weiter steigen wird. Fundierte Wissenschaftsdaten sind zur Begründung wichtiger Entscheidungen dringend nötig und fehlen überraschenderweise in vielen Bereichen sowohl in Österreich als auch in der Tschechischen Republik. Zum Beispiel geben Untersuchungen aus anderen Ländern Anlass zur Vermutung, dass nur ungefähr 30% der Personen, die in Langzeitpflegeinrichtungen mit Demenz leben, auch eine medizinische Diagnose haben und eine entsprechende Behandlung erhalten. Für Tschechien und Österreich liegen dazu keine Daten vor. Somit sind auch keine Handlungsfelder definiert und diese Population bleibt weiterhin von medizinischer Behandlung ausgeschlossen. Inhalte des Forschungsvorhaben: Dieses Projekt erhebt Daten aus vier wichtigen Bereichen: (1) BewohnerInnen (2) Pflegeteam (3) Angehörige und (4) Umgebungsfaktoren der Einrichtungen. Untersuchungsparameter für die BewohnerInnen umfassen vor allem die Häufigkeit einer demenziellen Erkrankung sowie weiterer wichtiger medizinischer Diagnosen und sozialer Parameter wie Einsamkeit. Der Belastungsgrad ist bei den Pflegeteams im Fokus der Untersuchung. Bei den Angehörigen ist vor allem eine qualitative Erhebung der Bedürfnisse geplant. Das Projekt sieht vor allem auch vor, das Auftreten von Verhaltensauffälligkeiten in Beziehung zu Umgebungsfaktoren (z.B. Größe der Einrichtung) zu erforschen. Methode: Sowohl in Österreich als auch in der Tschechischen Republik werden je 6 Pflegeheime zufällig ausgewählt und die Personen werden gebeten, sich an der Untersuchung zu beteiligen. Die Daten werden sowohl im Rahmen der Durchsicht der medizinischen Dokumentation der Pflegeinstitution als auch im direkten Gespräch mit den BewohnerInnen, den Pflegeteams und den Angehörigen sowie mit Fragebögen erhoben. Die Dauer des Projektes umfasst 2 Jahre und es werden 500 Personen in jedem Land untersucht(insgesamt 1000 Personen). Die Untersuchungsmethoden in Österreich und in Tschechien sind identisch. Somit können die Daten gemeinsam ausgewertet werden und der Erkenntnisgewinn ist dadurch erhöht. Innovation: Dieses Projekt ist einzigartig, da es zum ersten Mal ein länderübergreifendes Projekt auf diesem Gebiet darstellt und direkt aus dem Praxisalltag Daten erhebt. Die Daten werden in eine gemeinsam zugängliche Datenbank eingelesen und gemeinsam ausgewertet.

Der Anteil älterer Menschen in den meisten Gesellschaften weltweit steigt an. Mit der Chance, so alt wie noch nie zuvor in der Menschheitsgeschichte werden zu können, steigt leider auch die Chance, an einer altersbedingten Krankheit wie einer Demenz zu erkranken. Besonders Pflegeheime sind von diesem Wandel betroffen und der Zugang zu Pflegeheimen wird zunehmend reglementiert. Eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme und die Entwicklung neuer evidenzbasierter Konzepte ist dringend nötig. Wenig ist über den Gesundheitszustand der Personen bekannt, die heute in Pflegeheimen in Österreich und der Tschechischen Republik leben. Aus diesem Grund wurde das Kooperationsprojekt zwischen der Donau Universität und der Karls Universität in Prag initiiert und ein gemeinsames Studienprotokoll (Auer et al, 2017) entwickelt, in dem medizinische und soziale Daten erhoben wurden. Aus einer Gesamtpopulation von 1666 Personen nahmen 1085 PflegeheimbewohnerInnen (571 in Österreich, 514 in der Tschechischen Republik) an der Untersuchung teil (Auer et al, 2018). 85.2% der Bewohner in Österreich und 53.0% in der Tschechischen Republik hatten eine kognitive Beeinträchtigung. Die österreichische Demenz-Prävalenz war mit internationalen Daten vergleichbar. 80.0% der österreichischen BewohnerInnen und 56.7% der BewohnerInnen der tschechischen Pflegeheime zeigten Verhaltensauffälligkeiten. Schmerzen hatten in österreichischen Heimen 44.8% der BewohnerInnen und 51.5% der BewohnerInnen in tschechischen Heimen. 78.4% der österreichischen und 74.5% der tschechischen PflegeheimbewohnerInnen waren eingeschränkt in ihrer Beweglichkeit. Der vom FWF vorgeschlagenen Initiative zur open data policy folgend, wurden die Daten der Auer et al (2018) Publikation in einem Data Journal zur Publikation eingereicht (Höfler et al, 2019, under review). In einer weiteren Publikation wurde die Verwendung von Medikamenten zur Schmerzbehandlung bei 404 BewohnerInnen, die in tschechischen Heimen lebten, analysiert (Holmerova et al 2018). 68% der BewohnerInnen, die Schmerzen berichteten, bekamen keine Schmerzmittel und 31% der BewohnerInnen, die Schmerzmittel bekamen, berichteten weiterhin über Schmerzen. Um die Bedürfnisse der Pflegeteams zu beforschen, wurden Fokusgruppen durchgeführt. Die in den Fokusgruppen angesprochenen Themen gingen weit über die in der Literatur vorrangig dargestellten Probleme des Zeitmanagements hinaus und bestanden aus Hürden wie Team Organisation und Arbeitsteilung. Die positive Motivation der Pflegeteams in den Fokusgruppen war augenscheinlich. Dringend ist hier weitere Forschung nötig.

Forschungsstätte(n)
  • MAS Alzheimerhilfe - 50%
  • Donau-Universität Krems - 50%
Nationale Projektbeteiligte
  • Edith Span, MAS Alzheimerhilfe , assoziierte:r Forschungspartner:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Iva Holmerova, Charles University Prague - Tschechien

Research Output

  • 54 Zitationen
  • 4 Publikationen
Publikationen
  • 2019
    Titel Data of a sub-analysis of the DEMDATA study: characteristics of Austrian and Czech nursing homes residents
    DOI 10.1186/s13104-019-4495-6
    Typ Journal Article
    Autor Höfler M
    Journal BMC Research Notes
    Seiten 463
    Link Publikation
  • 2018
    Titel Cognitive status and use of analgesics and anxiolytics in residents of nursing homes in the Czech Republic
    DOI 10.2147/cia.s188601
    Typ Journal Article
    Autor Holmerová I
    Journal Clinical Interventions in Aging
    Seiten 2511-2515
    Link Publikation
  • 2018
    Titel Cross-sectional study of prevalence of dementia, behavioural symptoms, mobility, pain and other health parameters in nursing homes in Austria and the Czech Republic: results from the DEMDATA project
    DOI 10.1186/s12877-018-0870-8
    Typ Journal Article
    Autor Auer S
    Journal BMC Geriatrics
    Seiten 178
    Link Publikation
  • 2017
    Titel DEMDATA: The Austrian-Czech institutional long term care project – design and protocol of a two-centre cross sectional study
    DOI 10.1186/s12913-017-2244-x
    Typ Journal Article
    Autor Auer S
    Journal BMC Health Services Research
    Seiten 296
    Link Publikation

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