Öffentliche Ausgaben und Fiskalmultiplikatoren
Public spending and fiscal multipliers under various policy mixes
Bilaterale Ausschreibung: Slowenien
Wissenschaftsdisziplinen
Wirtschaftswissenschaften (100%)
Keywords
-
Fiscal policy,
Econometric model,
Macroeconomics,
Simulation,
Multipliers,
Dynamic optimization
In diesem Forschungsprojekt werden die Wachstumseffekte verschiedener Ausgabenkategorien des öffentlichen Sektors in Slowenien analysiert. Ferner wird angesichts der Erfordernisse der Budgetkonsolidierung in Slowenien untersucht, ob Ausgabenkürzungen oder Steuererhöhungen weniger schädlich für das langfristige Wachstum sind oder sogar für das Wirtschaftswachstum förderlich sein können. Durch Verwendung eines Optimierungsalgorithmus werden optimale Strategien der Konsolidierung der öffentlichen Finanzen ermittelt. Die wichtigsten Hypothesen, die in diesem Projekt untersucht werden sollen, sind: - Die Größe der Fiskalmultiplikatoren verschiedener Ausgabenkategorien ist deutlich unterschiedlich. - Öffentliche Investitionen im engeren Sinn und Staatsausgaben, die Humankapital fördern, haben größere Multiplikatoren als Transferausgaben und öffentliche Konsumausgaben. - Maßnahmen der Budgetkonsolidierung sollten sich auf die Verringerung von Transfers und öffentlichem Konsum und auf die Erhöhung von Steuern beschränken, die das Arbeitsangebot, das verfügbare Einkommen und die Investitionen wenig beeinträchtigen. - Eine optimale Fiskalpolitik hat einen Zielkonflikt zwischen makroökonomischer Stabilisierung und Nachhaltigkeit der Staatsschuldenentwicklung zu lösen. - In Zukunft wird die Budgetpolitik Sloweniens (und ähnlicher Länder) Umschichtungen der Staatsausgaben von den Transfers zu Investitionen in Infrastruktur und Humankapital vornehmen müssen. Die Methoden, die in dem Projekt angewandt werden, sind ökonometrische Modellierung (Erstellung, Schätzung und Testung eines makroökonometrischen Modells mittlerer Größe für Slowenien) sowie Simulationen und Optimierungen mit diesem Modell. Um Aufschluss über die Robustheit der Schlussfolgerungen zu erlangen, werden zahlreiche Sensitivitätsanalysen durchgeführt werden. Abgesehen von methodologischen Innovationen liegt die wichtigste Neuerung in dem Projekt in einer gründlichen modellgestützten Analyse der Möglichkeiten und der optimalen Gestaltung (unter verschiedenen Zielfunktionen) der Fiskalpolitik für eine kleine offene Volkswirtschaft innerhalb des Euroraums, die den Übergang von einer Zentralverwaltungswirtschaft in eine Marktwirtschaft vollzogen hat.
1 Das wirtschaftlich krisengebeutelteSloweniensteht imZentrum dieses vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Forschungsprojekts, in dem Forscherinnen und Forscher berechnen haben, mit welchen Strategien öffentliche Finanzen optimal konsolidiert werden können. Wenn die Wirtschaft schwächelt, wird häufig der Staat mit Maßnahmen aktiv. Damit sind meist vermehrte Ausgaben oder verringerte Steuereinnahmen verbunden, was sich kurzfristig auf die jeweiligen Staatshaushalte niederschlägt. Reinhard Neck, Klaus Weyerstraß, Dmitri und Viktoria Blüschke (Institut für Volkswirtschaftslehre der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt) und ihre Kolleginnen und Kollegen aus Slowenien haben die Wachstumseffekte verschiedener Ausgabenkategorien des öffentlichen Sektors in Slowenien analysiert. Ferner haben sie angesichts der Erfordernisse der Budgetkonsolidierung in Slowenien untersucht, ob Ausgabenkürzungen oder Steuererhöhungen weniger schädlich für das langfristige Wachstum sind oder sogar für das Wirtschaftswachstum förderlich sein können. Das Team interessierte sich dabei vorwiegend für die so genannten Fiskalmultiplikatoren, also Faktoren, die angeben, wie sehr sich der Impuls höherer oder niedrigerer Staatsausgaben bzw. höherer oder niedrigerer Steuern auf andere gesamtwirtschaftliche Größen auswirkt. Die Wissenschafterinnen und Wissenschafter haben mit einem Optimierungsalgorithmus optimale Strategien der Konsolidierung der öffentlichen Finanzen ermittelt. Zunächst wurde angenommen, dass mit den verschiedenen Ausgabenkategorien verschieden deutliche Effekte, also verschieden große Fiskalmultiplikatoren, erreicht werden können. Die Hypothese lautete, dass öffentliche Investitionen im engeren Sinn und Staatsausgaben, die Humankapital fördern, größere Multiplikatoren als Transferausgaben und öffentliche Konsumausgaben haben. Eine weitere Hypothese war, dass sich Maßnahmen der Budgetkonsolidierung auf die Verringerung von Transfers und öffentlichem Konsum und auf die Erhöhung solcher Steuern beschränken sollten, die das Arbeitsangebot, das verfügbare Einkommen und die Investitionen wenig beeinträchtigen. Gleichzeitig, so die Annahme, hat die optimale Fiskalpolitik einen Zielkonflikt zwischen makroökonomischer Stabilisierung und Nachhaltigkeit der Staatsschuldenentwicklung zu lösen. Die Methoden, die in dem Projekt angewandt wurden, waren ökonometrische Modellierung sowie Simulationen und Optimierungen mit diesen Modellen. Mit Slowenien nahm das Forschungsteam eine kleine offene Volkswirtschaft innerhalb des Euroraums unter die Lupe, die den Übergang von einer Zentralverwaltungswirtschaft in eine Marktwirtschaft vollzogen hat. Slowenien kann als Prototyp für andere ähnliche Länder gesehen werden. Die gewonnenen Erkenntnisse könnten damit auch für andere Staaten interessant sein. Außerdem ging es den Projektmitarbeiter/inne/n darum, eine wissenschaftliche Perspektive in die Diskussion öffentlicher Finanzen einzubringen, die die Basis für stärker rationale und weniger ideologisch motivierte politische Entscheidungen sein könnte. Einige wichtige wissenschaftliche Ergebnisse des Projekts sind: Die Auswirkungen fiskalpolitischer Maßnahmen entsprechen den Voraussagen der keynesianischen Theorie (Staatsausgabenkürzungen und Steuererhöhungen wirken restriktiv auf Produktion und Beschäftigung), ihr quantitatives Ausmaß ist allerdings sehr gering. Steuersenkungen bei Einkommensteuer und Sozialversicherungsbeiträgen haben positive Wachstumseffekte; ihre Auswirkungen auf die Staatsschulden können durch Erhöhungen der Umsatzsteuer ohne nennenswerte unerwünschte Nebeneffekte kompensiert werden. Bei den Staatsausgaben ist eine Umschichtung von Transfers und öffentlichem Konsum zu den öffentlichen Investitionen, insbesondere zu jenen in Forschung und Entwicklung und in Humankapital zu empfehlen. 1 Dieser Text beruht teilweise auf einer Presseaussendung der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt.
- Universität Klagenfurt - 100%
- Boris Majcen, Institute for Economic Research - Slowenien
- Miroslav Verbic, Institute for Economic Research - Slowenien
Research Output
- 28 Zitationen
- 5 Publikationen
-
2021
Titel Demand-side or supply-side stabilisation policies in a small euro area economy: a case study for Slovenia DOI 10.1007/s10663-021-09503-y Typ Journal Article Autor Neck R Journal Empirica Seiten 593-610 Link Publikation -
2019
Titel Budget consolidation in a small open economy: a case study for Slovenia DOI 10.1080/14631377.2018.1537735 Typ Journal Article Autor Blueschke D Journal Post-Communist Economies Seiten 325-348 Link Publikation -
2018
Titel How to Achieve the Take-off into Sustained Growth: A Case Study for Slovenia DOI 10.1007/s11294-018-9678-8 Typ Journal Article Autor Neck R Journal International Advances in Economic Research Seiten 109-121 Link Publikation -
2018
Titel SLOPOL10: A Macroeconometric Model for Slovenia DOI 10.15458/85451.62 Typ Journal Article Autor Weyerstrass K Journal Economic and Business Review Link Publikation -
2017
Titel Finite horizon optimum control with and without a scrap value DOI 10.1063/1.4981952 Typ Conference Proceeding Abstract Autor Neck R Seiten 020012 Link Publikation