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Die Bedeutung einer intrakrinen Östrogenwirkung auf hormonabhängige Erkrankungen

The importance of intracrine estrogen action in hormone dependent diseases

Walter Jäger (ORCID: 0000-0002-4970-8179)
  • Grant-DOI 10.55776/I3417
  • Förderprogramm Einzelprojekte International
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.07.2017
  • Projektende 30.06.2020
  • Bewilligungssumme 154.914 €
  • Projekt-Website

Bilaterale Ausschreibung: Slowenien

Wissenschaftsdisziplinen

Klinische Medizin (20%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (80%)

Keywords

    Estrogen, Phytochemicals, Metabolism, Menopause, Metabolomics, Ovarian Cancer

Abstract Endbericht

Tumore des Endometriums und des Ovars sind abhängig von Steroidhormonen und repräsentieren einen hohen Prozentsatz aller Tumore in der Menopause und Postmenopause von Frauen. Da das Wachstum dieser Tumore größtenteils durch Östrogenen begünstigt wird ist ihre Anwendung als Hormonersatztherapie in der Behandlung von menopausalen Symptomen wie Hitzewallungen, Nachtschweiß und Depression kontraindiziert. Weil diese Symptome in mehr als 80% der Frauen auftreten und weil diese bis zu 7 Jahre andauern, wurden in den USA und Europa vermehrt verschiedene pflanzliche Phytoöstrogene wie Soja, Rotklee und Traubensilberkerze freiverkäuflich als Alternative zu klassischen synthetischen Östrogenen in den Handel gebracht. Mögliche Auswirkungen und Risiken dieser Naturstoffe bei längerer Anwendung auf das Wachstum von Tumoren des Endometriums und des Ovars, insbesondere auf den endogenen Östrogenspiegel und den Steroidmetabolismus, wurden bis heute noch nicht untersucht. Im vorliegenden Projekt soll daher erstmals in humanen Endometrium- und Ovarialkarzinomzelllinien der mögliche Einfluss von Phytoöstrogenen auf den körpereigenen Hormonhaushalt und die Verstoffwechselung von Östrogenen untersucht werden. Hierzu zählen einerseits Untersuchungen in Zellkultur-Modellen bezüglich jener molekularer Transportsysteme, die eine wichtige Rolle bei der Aufnahme und Abgabe von verschiedensten Hormonvorstufen, aktiven Hormonen und deren Metaboliten spielen und andererseits Versuche, die die potentiell hemmende Wirkung von Phytoöstrogenen auf sämtliche Enzyme, die für die Hormonbiosynthese und den Abbau der Östrogene zuständig sind, belegen sollen. Für diese speziellen Experimente sollen neben bereits etablierten Zellmodellen für Endometrialkarzinome auch neu entwickelte Ovarialkarzinomzelllinien herangezogen werden, die von Patientinnen mit Ovarialkarzinomen unterschiedlichster Stadien gewonnen wurden. Im Zuge der Experimente sollen diese Zelllinien in Gegenwart und Abwesenheit von Phytoöstrogenen mit modernsten molekularbiologischen Methoden genauestens charakterisiert werden. Um die Ergebnisse der vorhergegangenen Zellkultur- und Gewebeuntersuchungen mit den vielschichtigen Vorgängen im Körper von Patientinnen vergleichen zu können, sollen außerdem Blutproben von postmenopausalen Frauen jeweils vor und nach der Einnahme von Phytoöstrogenen auf deren Hormonprofil untersucht werden. Diese Studien sollen mehr zum Verständnis über das Wechselspiel zwischen körpereigenen Hormonen und therapeutisch eingesetzten Naturstoffen beitragen und dabei helfen, in Zukunft konkretere Angaben zur Anwendungssicherheit und möglichen Risiken von Phytoöstrogenen in postmenopausalen Frauen in Hinblick auf hormon-abhängige Erkrankungen treffen zu können. Diese Ergebnisse könnten auch helfen neue Arzneistoffe zu finden, die spezifisch auf Transportproteine und Enzyme wirken, um so das Wachstum und die Verbreitung von Tumorszellen zu hemmen. Das beantragte Projekt soll in enger Zusammenarbeit zwischen der Universität Ljubljana (Fakultät für Medizin) und der Universität Wien (Fakultät für Lebenswissenschaften) durchgeführt werden, um die Expertisen beider Forschungsgruppen optimal zu vereinen.

Die Bedeutung einer intrakrinen Östrogenwirkung auf hormonelle Erkrankungen Östrogene spielen eine zentrale Rolle in der menschlichen Physiologie und begünstigen das Wachstum von hormonabhängigen Tumoren von Brust- und Ovarialkrebs. Diese Tumore entstehen zum Großteil in der Menopause und Postmenopause der Frauen daher ist eine Behandlung von Wechselbeschwerden mit Östrogenen mit einem hohen Risiko verbunden. Frauen greifen daher vermehrt auf natürliche Hormonersatzmittel aus Soja oder Traubensilberkerze zurück, die als Nahrungsergänzungsmittel im Handel weit verbreitet sind. Bis heute ist jedoch noch kaum bekannt, wie diese Naturstoffe bei längerer Anwendung das Wachstum dieser Tumore beeinflussen. Mittels einer neu entwickelten massenspektroskopischen Analysenmethode konnte in humanen Brustkrebszelllinien gezeigt werden, dass die Sojaisoflavone Genistein und Daidzein eine starke, das Phytöstrogen Resveratrol, ein krebshemmendes Polyphenol aus Weintrauben, hingegen nur eine geringe Hemmung der Sulfatierung und Glukuronidierung von Östrogenen bewirkt. Die beiden Sojainhaltsstoffe verursachen daher bereits im (sub-)mikromolaren Bereich einen Anstieg von aktivem 17-Östradiol verbunden mit einem erhöhten Wachstum hormonabhängiger Brustkrebszellen. Nahrungsergänzungsmittel, die Genistein und Daizein enthalten, sollten daher bei hormonabhängigem Brustkrebs nicht eingenommen werden, für Resveratrol gibt es diese Warnung nicht. Weiters wurde bei Traubensilberkerzenextrakt kein Einfluss auf den Metabolismus von Östrogenen und das Wachstum von Brustkrebszellen festgestellt. Die Anwendung von Traubensilberkerzenpräparaten bei Brustkrebspatientinnen ist daher unbedenklich. Traubensilberkerzenextrakt und der wirksame Inhaltsstoff Actein zeigten hingegen eine ausgeprägte Hemmung der Sulfatierung von Dehydroepiandrosteron und folglich zu einem Anstieg der Androgene Androstendion und Testosteron was als Wirkmechanismus von Taubensilberkerzenpräparate gegen menopausale Symptome, insbesondere Hitzewallungen angesehen werden könnte. Ein geänderter Metabolismus von Östrogenen könnte auch als Marker für die Resistenz gegenüber Platinderivate in Ovarialkarzinome dienen wie in diesem Projekt in Carboplatin-sensitiven und resistenten Ovarialkarzinomzelllinien nachgewiesen wurde wobei eine signifikante Hemmung des Östrogenmetabolismus ausschließlich in resistenten Zellen beobachtet werden konnte. Unterschiede im Metabolismus von Östrogenen und Androgenen könnten in Zukunft als Marker nicht nur für anderer Tumore sondern auch für hormonabhängige Erkrankungen wie Morbus Crohn dienen.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Tea Lanisnik Rizner, University of Ljubljana - Slowenien

Research Output

  • 181 Zitationen
  • 12 Publikationen
Publikationen
  • 2019
    Titel Resveratrol and other dietary polyphenols are inhibitors of estrogen metabolism in human breast cancer cells
    DOI 10.1016/j.jsbmb.2019.03.001
    Typ Journal Article
    Autor Poschner S
    Journal The Journal of Steroid Biochemistry and Molecular Biology
    Seiten 11-18
  • 2020
    Titel Metabolism of Estrogens: Turnover Differs between Platinum-Sensitive and -Resistant High-Grade Serous Ovarian Cancer Cells
    DOI 10.3390/cancers12020279
    Typ Journal Article
    Autor Poschner S
    Journal Cancers
    Seiten 279
    Link Publikation
  • 2018
    Titel Clinical Significance of Organic Anion Transporting Polypeptide Gene Expression in High-Grade Serous Ovarian Cancer
    DOI 10.3389/fphar.2018.00842
    Typ Journal Article
    Autor Svoboda M
    Journal Frontiers in Pharmacology
    Seiten 842
    Link Publikation
  • 2018
    Titel Resveratrol Inhibits Key Steps of Steroid Metabolism in a Human Estrogen-Receptor Positive Breast Cancer Model: Impact on Cellular Proliferation
    DOI 10.3389/fphar.2018.00742
    Typ Journal Article
    Autor Poschner S
    Journal Frontiers in Pharmacology
    Seiten 742
    Link Publikation
  • 2022
    Titel SLCO4A1 expression is associated with activated inflammatory pathways in high-grade serous ovarian cancer
    DOI 10.3389/fphar.2022.946348
    Typ Journal Article
    Autor Koller S
    Journal Frontiers in Pharmacology
    Seiten 946348
    Link Publikation
  • 2017
    Titel The Impacts of Genistein and Daidzein on Estrogen Conjugations in Human Breast Cancer Cells: A Targeted Metabolomics Approach
    DOI 10.3389/fphar.2017.00699
    Typ Journal Article
    Autor Poschner S
    Journal Frontiers in Pharmacology
    Seiten 699
    Link Publikation
  • 2021
    Titel Altered Profile of E1-S Transporters in Endometrial Cancer: Lower Protein Levels of ABCG2 and OSTß and Up-Regulation of SLCO1B3 Expression
    DOI 10.3390/ijms22083819
    Typ Journal Article
    Autor Pavlic R
    Journal International Journal of Molecular Sciences
    Seiten 3819
    Link Publikation
  • 2021
    Titel 790 In RL95–2 and KLE model cell lines of moderately and poorly differentiated endometrial carcinoma, estrogens can be formed via the sulfatase pathway
    DOI 10.1136/ijgc-2021-esgo.196
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Pavlic R
    Link Publikation
  • 2021
    Titel 791 Effectiveness and safety of lenvatinib and pembrolizumab (LenPem) therapy for endometrial cancer (EC): Results from a Russian multicenter database
    DOI 10.1136/ijgc-2021-esgo.197
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Tyulyandina A
    Link Publikation
  • 2021
    Titel In the Model Cell Lines of Moderately and Poorly Differentiated Endometrial Carcinoma, Estrogens Can Be Formed via the Sulfatase Pathway
    DOI 10.3389/fmolb.2021.743403
    Typ Journal Article
    Autor Pavlic R
    Journal Frontiers in Molecular Biosciences
    Seiten 743403
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Two common polymorphic variants of OATP4A1 as potential risk factors for colorectal cancer
    DOI 10.3892/ol.2020.12115
    Typ Journal Article
    Autor Buxhofer-Ausch V
    Journal Oncology Letters
    Seiten 252
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Actaea racemosa L. extract inhibits steroid sulfation in human breast cancer cells: Effects on androgen formation
    DOI 10.1016/j.phymed.2020.153357
    Typ Journal Article
    Autor Poschner S
    Journal Phytomedicine
    Seiten 153357
    Link Publikation

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