Wohlfahrtsstaat und Care-Mix in der Altenpflege
Impact of welfare state on care mix and providers
Bilaterale Ausschreibung: Slowenien
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Sozialwissenschaften (20%); Soziologie (60%); Wirtschaftswissenschaften (20%)
Keywords
-
Welfare Mix,
Long-Term Care,
Community,
Informal Care,
Formal Care,
Family Care
Österreich und Slowenien haben bisher unterschiedliche Ansätze zur Unterstützung der Langzeitpflege von gebrechlichen älteren Menschen verfolgt. Während die Familie in beiden Ländern der wichtigste Pflegeversorger sein soll, wird diese Rolle in Österreich durch großzügige Geldleistungen unterstützt; indessen sind in Slowenien die Familien aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit von öffentlich geförderten Leistungen (Geld- oder Dienstleistungen) für gebrechliche ältere Menschen standardmäßig die Betreuer. Die Hauptforschungsfrage, die DET_CAREMIX zu beantworten versucht, ist jene, wie gebrechliche ältere Menschen, die in der Gemeinde wohnen, und deren Familien Entscheidungen bezüglich des Pflegemixes (informelle vs. formelle Pflege oder eine Kombination von beiden) und der Pflegeaufgaben treffen im Hinblick auf die unterschiedlichen politischen Kontexte in Slowenien und Österreich. Insbesondere sind wir daran interessiert, die verschiedenartigen Entscheidungen, die von den Menschen aufgrund der Unterschiede hinsichtlich Geschlecht, sozioökonomischem Hintergrund (z.B. Bildung, Einkommen) und Zugang zu sozialen Netzwerken in den beiden Ländern gemacht werden, zu untersuchen und zu prüfen, ob öffentliche Politiken hierbei eine Rolle spielen. Um die Hauptforschungsfrage von DET_CAREMIX anzusprechen, verwenden wir eine Mischung aus komplementären Methoden. Zunächst werden quantitative Forschungsmethoden, nämlich die statistische Analyse von Daten aus einer vergleichenden Befragung älterer Menschen in Slowenien und Österreich (SHARE-Umfrage) sowie von Daten aus der ersten repräsentativen Befragung der Anbieter und Nutzer sozialer Heimpflegeleistungen in Slowenien, verwendet. Anschließend werden 55 semi-strukturierte, tiefgehende Interviews mit älteren Pflegeempfängern oder deren Familien in jedem Land durchgeführt und analysiert. DET_CAREMIX wird einen eigenständigen Beitrag zum Verständnis dafür leisten wie Menschen unterschiedlichen Geschlechts und mit unterschiedlichen sozioökonomischen Bedingungen und sozialen Netzwerkcharakteristiken unter verschiedenen Arten von Politik ihre Entscheidungen für die Langzeitpflege treffen. Dies wird auch relevant sein, um die Ursachen für mögliche Ungleichheiten bei der Nutzung von verschiedenen Arten von Pflegeleistungen für ältere Menschen zu verstehen. Durch einen Beitrag für ein besseres Verständnis der Entscheidungen der gebrechlichen älteren Menschen und ihrer Familien werden die Erkenntnisse von unmittelbarer Relevanz für die politischen Entscheidungsträger sein und es ihnen ermöglichen, die öffentlichen Gelder und Zielpolitiken besser zu bemessen und unerwünschte Ungleichheiten beim Zugang oder bei der Nichtaufnahme verschiedener Arten von Pflege anzusprechen. Angesichts der Auswirkungen der informellen Pflegeversorgung auf die Gesundheit und die Beschäftigung der Pflegepersonen, werden sich die Erkenntnisse von DET_CAREMIX auch für informelle Pfleger und Nutzer der Pflege als relevant erweisen.
Das Hauptziel des DET_CAREMIX-Projekts war es, unser Verständnis von Entscheidungen zu verbessern, wie ältere Menschen Pflege in Anspruch nehmen und wie Familien ihre älteren Angehörigen pflegen. Warum bevorzugen manche Menschen die Pflege durch ihre Angehörigen, während andere stattdessen professionelle Pflegekräfte wählen? Ändern sich die Motivationen zur Pflege, je nachdem, ob man eine Frau oder ein Mann, reicher oder ärmer ist? Wir haben uns auf zwei Länder konzentriert, in denen die Familie eine wichtige Rolle in der Pflege spielt: Österreich und Slowenien. Durch Interviews mit älteren Menschen und ihren PflegerInnen haben wir herausgefunden, dass die Rolle der Familie bei der Bereitstellung von Pflege sehr stark damit zusammenhängt, was unter "guter Pflege" verstanden wird. Einige sehen die Pflege als eine Möglichkeit, sich für die Unterstützung zu revanchieren, die sie in jungen Jahren erhalten haben. Die Familie springt auch oft ein, um Lücken bei der Versorgung durch mobile Pflege- und Betreuungsdienste zu füllen: Pflegende Angehörige sind flexibler, professionelle PflegerInnen wechseln häufig oder kommen zu ungünstigen Zeiten. Professionelle Pflege wurde gerne in Anspruch genommen, aber es gab zugleich den Eindruck, dass es nicht genug davon gibt. Diese Ansichten wurden unabhängig vom wirtschaftlichen Hintergrund vertreten. Die Pflege durch die Familie hatte allerdings ihren Preis. Viele der PflegerInnen, die wir interviewen konnten, sprachen von den persönlichen Opfern, die sie bringen mussten: Sie gaben ihren Arbeitsplatz auf oder reduzierten den Kontakt zu Freunden. Einige fanden sich in der Pflege wieder, weil sie nach einer Scheidung zu ihren Eltern gezogen waren, oder weil sie arbeitslos waren, oder wegen Konflikten zwischen Eltern und anderen Geschwistern. Die Pflege wurde oft unter schwierigen Umständen erbracht. Während Familien in Österreich Pflegegeld erhalten, gibt es in Slowenien die Erwartung, ältere Angehörige zu pflegen, ohne dass dafür eine großzügige staatliche Unterstützung gewährt wird. Dennoch brachte das Pflegegeld in Österreich nicht weniger Pflegearbeit für Frauen mit sich. In Slowenien wohnen pflegende Angehörige oft im selben Haus mit Verwandten, was in Österreich weniger der Fall ist. Wir haben auch statistische Methoden verwendet, um zu analysieren, wer die Pflege geleistet hat. "Familiäre Pflege" bedeutete für beide Länder "Pflege durch Frauen". Aber unter den Frauen waren esdiejenigen mit geringerer Bildung oder niedrigerem Einkommen, die eine sehr intensive und häufige Pflege leisteten. Diejenigen mit höherer Bildung oder höherem Einkommen leisteten zwar eher Pflege, aber sie taten dies gemeinsam mit professionellen Pflegekräften, leisteten weniger Stunden und konnten dies mit einer Beschäftigung vereinbaren. Für Österreich haben wir festgestellt, dass diese Unterschiede nach den Rentenreformen kontinuierlichzunahmen. In beiden Ländern lassen unsere Ergebnisse darauf schließen, dass wir uns in Zukunft nicht mehr in gleicher Weise auf die Familie verlassen können. Die meisten pflegenden Angehörigen, mit denen wir gesprochen haben, wollten auch nicht von ihren Kindern auf die gleiche Weise betreut werden..
- Boris Majcen, Institute for Economic Research - Slowenien
- Valentina Hlebec, University of Ljubljana - Slowenien
Research Output
- 30 Zitationen
- 5 Publikationen
- 1 Policies
- 1 Disseminationen
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2022
Titel Life Course Pathways Into Intergenerational Caregiving DOI 10.1093/geronb/gbac024 Typ Journal Article Autor Rodrigues R Journal The Journals of Gerontology: Series B Seiten 1305-1314 Link Publikation -
2022
Titel Community-dwelling older adults and their informal carers call for more attention to psychosocial needs – Interview study on unmet care needs in three European countries DOI 10.1016/j.archger.2022.104672 Typ Journal Article Autor Van Aerschot L Journal Archives of Gerontology and Geriatrics Seiten 104672 Link Publikation -
2021
Titel Life course pathways into intergenerational caregiving DOI 10.31219/osf.io/wa6qj Typ Preprint Autor Rodrigues R Link Publikation -
2021
Titel How does she do it all? Effects of education on reconciliation of employment and informal caregiving among Austrian women DOI 10.1111/spol.12706 Typ Journal Article Autor Rodrigues R Journal Social Policy & Administration Seiten 1162-1180 -
2022
Titel Care Task Division in Familialistic Care Regimes: A Comparative Analysis of Gender and Socio-Economic Inequalities in Austria and Slovenia DOI 10.3390/su14159423 Typ Journal Article Autor Rodrigues R Journal Sustainability Seiten 9423 Link Publikation
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2018
Titel Member of the Eurocarers Reserch Working Group Typ Participation in a guidance/advisory committee
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2019
Titel University visit (joint course organized by Humboldt University, University of Warsaw and Oregon State University) Typ Participation in an open day or visit at my research institution