Die Rezeption der Psalmen in der byzantinischen Dichtung
The Legacy of the Psalms in Byzantine Poetry
Bilaterale Ausschreibung: Belgien
Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Keywords
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Byzantine Poetry,
Psalms,
Paratexts,
Epigrams,
Manuel Philes
Das Projekt hat die Untersuchung, inwieweit die Psalmen als Gedichte in der byzantinischen Literatur wahrgenommen wurden, zum Inhalt. Die Psalmen, ein wichtiges Corpus im Bereich der Bibeldichtung, haben die gesamte Geschichte der europäischen Literatur und religiösen Kultur beeinflusst. Frühchristliche und byzantinische Leser erkannten deren dichterische Merkmale, und die Psalmodie (d.h. das Singen der Psalmen während des Gottesdienstes) war eine für das Mönchsleben typische Beschäftigung. Das beantragte Projekt wird analysieren, wie die griechischen Psalmen als Gedichte in den verschiedenen Ausformungen der spätantiken und byzantinischen Dichtung (bis 1453) reflektiert wurden. Dieser Konnex wurde bislang nicht wahrgenommen, er wird jedoch in hohem Ausmaß zu einem Einblick in die Bibelrezeption im Mittelalter beitragen. Obwohl die dichterische Natur der Psalmen explizit in den patristischen und rhetorischen Quellen erkannt wurde, fehlt noch eine systematische Studie zu deren Einfluss auf die spätere Dichtung. Die Untersuchung wird sowohl aus philologischen und interpretatorischen Analysen bestehen, da sie von der mannigfachen Expertise der beiden Forschungspartner profitieren wird. Die Methodologie wird um den Terminus Paratext gebaut werden, der definiert ist als alle begleitenden Texte, die einen Text vervollständigen und diesem zusätzliche Bedeutung verschaffen. Darüber hinaus wird das Studium der Textüberlieferung, wie sie in den Handschriften zutage tritt, die Forschungsarbeit bestimmen. Verschiedene Arten von Gedichten aus verschiedenen Zeitabschnitten werden untersucht werden, um Perspektivenvielfalt sicherzustellen. Das Projekt wird Buchepigramme, die sich auf Psalmen beziehen, inkludieren, d.h. kurze Gedichte, die dem Lob Davids (oft als neuer Orpheus bezeichnet) und seiner Psalmen gewidmet sind. Diese Gedichte (ca. 100 Epigramme in mehr als 150 Handschriften) sind zusammen mit den Psalmen selbst überliefert und bezeugen die Fortdauer der dichterischen Wahrnehmung im Rahmen der Überlieferung des biblischen Texts. Sie werden Gegenstand einer Monographie sein, die sich aus einer kritischen Edition und einer Übersetzung zusammensetzt. Ein weiteres Untersuchungsfeld sind die aus unterschiedlichen Zeiten stammenden Psalmenparaphrasen in Versform, die als Beispiele von Interpretation, Nachschreibung und kreative Aneignung analysiert werden. Dabei sollen die metrischen Psalmenmetaphrasen des Ps.-Apollinaris von Laodikeia und von Manuel Philes aus dem späten 13. bzw. frühen 14. Jahrhundert verglichen werden. Eine Studie (in Artikelform) zu den linguistischen, metrischen und literarischen Besonderheiten dieser beiden Dichtungen wird darlegen, wie von einem diachronen Standpunkt aus die Psalmen von späteren Dichtern bewertet wurden. Die Paraphrase des Philes, die mehr 3600 Verse umfasst, ist zum größten Teil noch immer unediert und wird daher Objekt einer neuen kritischen Edition sein.
Das Projekt "Die Rezeption der Psalmen in der byzantinischen Dichtung" untersucht die Bedeutung und die Verwendung der biblischen Psalmen in der byzantinischen Literatur, wobei in erster Linie Texte herangezogen wurden, die in Versform verfasst sind. Hauptziel des Projekts war die erste kritische vollständige Edition der Psalmenmetaphrase des Manuel Philes, eines Gelehrten, der im frühen 14. Jahrhundert als Auftragsautor für den Kaiserhof in Konstantinopel und die Aristokratie wirkte. Das fast 3600 Fünfzehnsilber umfassende Werk stellt eine Umarbeitung (Metaphrase) des biblischen Originaltexts in Verse dar, wobei der Autor versucht, die Struktur des Originaltexts möglichst beizubehalten. Dass von 150 biblischen Psalmen nur 98 metaphrasiert wurden, deutet darauf hin, dass es sich um ein unvollständiges Werk handelt. Die Publikation (in der Reihe Byzantinisches Archiv, De Gruyter, 2023) (herausgegeben von Anna Gioffreda, Ugo Mondini und Andreas Rhoby) wird nicht nur die erste vollständige Edition der Psalmenmetaphrase des Manuel Philes umfassen, sondern wird auch ausführlich auf Fragen der Umarbeitungstechnik (Metaphrase) des Autors eingehen, welche im gegenwärtigen wissenschaftlichen Diskurs gerade intensive diskutiert werden.
- Kristoffel Demoen, Ghent University - Belgien
Research Output
- 3 Publikationen
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2024
Titel Die metrische Psalmenmetaphrase des Manuel Philes, Einleitung, kritische Edition und Indices DOI 10.1515/9783110796544 Typ Book Verlag De Gruyter Link Publikation -
2020
Titel Die metrische Psalmenmetaphrase des Manuel Philes. Präliminarien zu einer kritischen Edition Typ Journal Article Autor Gioffreda A. Journal Medioevo Greco Seiten 119-141 Link Publikation -
2021
Titel I testimoni delle Metafrasi dei Salmi di Manuele File. Isidoro di Kiev, Gerardo di Patrasso e il suo sodale Stamazio Typ Journal Article Autor Gioffreda A. Journal Segno e Testo Seiten 339-370 Link Publikation