Diskriminierung erklärt: Feld und Laborexperimente
Misrecognitive discrimination: field and lab experiments
Bilaterale Ausschreibung: Frankreich
Wissenschaftsdisziplinen
Psychologie (70%); Soziologie (30%)
Keywords
-
Misrecognitive Discrimination,
Emotion,
Nonverbal Communication,
Field Research,
Intergroup Relations,
Human Ethology
Persönliche Interaktionen zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen stellen einen Schauplatz für komplexe emotionale Prozesse dar, die einen Einfluss darauf haben, wie Individuen miteinander umgehen. Das Verständnis dieser Probleme ist entscheidend wenn wir uns mit Problemen befassen wollen, die typischerweise bei interkulturellen Interaktionen entstehen. Dieses Projekt versucht Zusammenhänge zwischen Einstellungen von Nichtmuslimen gegenüber Muslimen und emotionaler Kommunikation, die in interkulturellen Interaktionen beobachtet werden, zu untersuchen. Die vorhergehende Forschung zu diesem Thema basiert hauptsächlich auf Umfragen (z.B. Befragte haben darüber berichtet, wie sie in einer bestimmten Situation denken oder handeln würden), und spricht deswegen keine Kommunikationsstille an, die Menschen in ihren Relationen mit anderen kulturellen Gruppen tatsächlich adaptieren. Gegenstand des vorliegenden Projektes ist daher: 1) das zu beobachtende kommunikative Verhalten (z.B. Gesichtsausdruck, Körperhaltung) das häufig mit Diskriminierung gegen Muslime assoziiert wird zu beschreiben, 2) soziale und emotionale Grundlagen dieses interpersonellen Verhaltens zu untersuchen, und den sozialen und emotionalen Einfluss von interpersonellen Diskriminierung von Muslimen zu untersuchen. Unserer Hypothese nach wird nonverbales Verhalten, das in Zusammenhang mit den Emotionen Ekel, Angst, und Wut steht, von den TäterInnen, benutzt, um Diskriminierung zwischen den Gruppen zu schüren. Zielpersonen hingegen reagieren mit einem affektiven Zusammenspiel aus Scham beziehungsweise Wut durch Erniedrigung. Wir gehen zudem davon aus, dass diese emotionalen Reaktionen durch individuelle Variablen gesteuert werden, wie etwa die Orientierung nach Sozialer Dominanz, Autorität und die Implizierte Einstellung gegenüber der Fremdgruppe. Die Methodologie bedient sich lebensnahen Situationen des nonverbalen Verhaltens in öffentlichen Räumen in Paris und Wien. Das Forschungsparadigma beinhaltet Hilfeersuchen zwischen Mitgliedern von unterschiedlichen kulturellen Gemeinschaften. Darüber hinaus, planen wir mehrere psychologischen Experimenten, in welchen wir Umfragen, persönliche soziale Interaktionen und Messung von physiologischen Aktivitäten (z.B. Herzfrequenz und Atmung) kombinieren werden. Die Experimente werden dahingehend gestaltet sein, um unterschiedliche Komponenten der emotionalen Reaktionsfähigkeit unter strikt kontrollierten Bedingungen gegenüber den Verhalten an öffentlichen Plätzen zu untersuchen. Die Kombination von Feld- und Laboruntersuchungen in einem einzelnen Projekt ist innovativ und zielt darauf ab valide wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen, die in alltäglichen Interaktionen zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen angewandt werden können. Dieses Projekt ist wichtig insofern, als es uns erlauben wird psychologische Prozesse zu entschlüsseln, die uns nicht immer bewusst sind, wenn wir mit Menschen anderer Kulturen interagieren. Diese unbewussten Prozesse können manchmal eine positive Entfaltung von interkulturellen Beziehungen verhindern und somit Bemühungen um soziale Integration untergraben. Ferner hat dieses Projekt das Potential einen wissenschaftlichen Durchbruch auf dem Gebiet der Erforschung von interkulturellen Beziehungen zu erzielen, da es unterschiedliche Messtechniken (Umfragebogen, Verhaltensbeobachtung und physiologische Messungen) anwendet, was eine Seltenheit in der Psychologieforschung darstellt.
- Martin Aranguren, Sciences Po - Frankreich
Research Output
- 9 Zitationen
- 2 Publikationen
- 2 Datasets & Models
-
2024
Titel Correction: Responses to the Islamic headscarf in everyday interactions depend on sex and locale: A field experiment in the metros of Brussels, Paris, and Vienna on helping and involvement behaviors DOI 10.1371/journal.pone.0302310 Typ Journal Article Autor Aranguren M Journal PLOS ONE Link Publikation -
2021
Titel Responses to the Islamic headscarf in everyday interactions depend on sex and locale: A field experiment in the metros of Brussels, Paris, and Vienna on helping and involvement behaviors DOI 10.1371/journal.pone.0254927 Typ Journal Article Autor Aranguren M Journal PLOS ONE Link Publikation