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Microglia/Myeloid System in Angst und Depression

Microglia/myleoid system in anxiety and depression

Nicolas Singewald (ORCID: 0000-0002-0166-3370)
  • Grant-DOI 10.55776/I3875
  • Förderprogramm Einzelprojekte International
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.08.2019
  • Projektende 31.01.2024
  • Bewilligungssumme 381.182 €
  • Projekt-Website

DACH: Österreich - Deutschland - Schweiz

Wissenschaftsdisziplinen

Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (100%)

Keywords

    Neuroinflammation, Microglia/Myeloid System, Innate Anxiety/Depression, Antidepressant, Enriched Environment, Deep Brain Stimulation

Abstract Endbericht

Unser Verständnis der Pathophysiologie der schweren therapieresistenten Depression ist bisher nur sehr begrenzt. Die könnte auch daran liegen, dass bisher der Fokus von Forschung und Therapieansätzen auf Funktionsstörungen von Nervenzellen lag. In den letzten Jahren hat sich jedoch gezeigt, dass Gliazellen an praktisch allen Gehirnfunktionen einschließlich der synaptischen Plastizität beteiligt sind. Insbesondere im erkrankten Gehirn haben Mikroglia- Zellen einen starken Einfluss auf die Regulation pathologischer Prozesse. In einem validierten, klinisch relevanten Mausmodell für angeborenen Angst / Depression haben wir vor kurzem festgestellt, dass genetische Veranlagung für Angst und komorbider Depression mit reduzierter adulter Neurogenese und Anzeichen einer veränderten Neuroinflammation / Mikroglia-Aktivierung assoziiert sind. Parallel dazu haben präklinische und klinische Studien die Beteiligung des myeloiden Systems in Depression gezeigt. Es ist jedoch noch nicht untersucht, ob angeborenen Ängstlichkeit/comorbide Depression mit aberranter Aktivierung des myeloiden oder neuroinflammatorischen Systems in einem frühen Lebensstadium einher geht, welches das pathologische Verhaltensmuster im späteren Leben vermittelt oder unterstützt. Weiterhin ist ungeklärt ob die Modulation des peripheren und neuro-inflammatorischen Systems durch Stimulation bzw. Inhibition von Mikroglia / myeloiden Zellen in einer frühen und / oder späteren Lebensphase die abweichenden Verhaltensmuster und reduzierte Neurogenese verhindern können. In dem Bemühen, die zugrunde liegenden neuronalen Mechanismen aufzudecken, werden wir Hirnregionen untersuchen, in der Mikroglia-Aktivierung mit Veränderungen in der neuronalen Erregbarkeit einher geht, um Kandidaten-Hirnregionen zu identifizieren, in denen sich eine Assoziation zwischen erhöhter Ängstlichkeit / Depression und dem neuroinflammatorischen System manifestiert. Wir werden pharmakologische und nicht- pharmakologische Strategien, wie frühe Exposition in reizreicher Umgebung und der tiefen Hirnstimulation in dem validierten Tiermodell für genetische Prädisposition für erhöhter Ängstlichkeit / Depression verwenden, um nachhaltige Normalisierung der übersteigerten Angst/depressiven Verhaltens zu erzielen. Wir werden prüfen, ob solche Interventionen kausal mit Änderungen im myeloiden und / oder Mikrogliasystem zusammenhängen. Diese Ergebnisse werden erste direkte Beweise liefern, ob Störungen in der Funktion von myeloiden bzw. Mikrogliazellen in einem frühen Stadium der Entwicklung eine Rolle bei der Ausprägung von erhöhter Ängstlichkeit / Depression für das spätere Leben spielen. Außerdem soll untersucht werden, ob und wie mikrogliale / myeloide Inhibitoren / Stimulatoren Angst/Depressionsverhalten beeinflussen, wodurch neuartige Möglichkeiten für therapeutische und präventive Strategien entwickelt werden können. Schließlich könnten unsere Ergebnisse aus der Charakterisierung des peripheren myeloiden Systems bei der Entwicklung von Biomarkern verwendet werden, um den Behandlungserfolg vorherzusagen oder zu unterstützen.

sind die häufigsten psychiatrischen Störungen und tragen erheblich zu globalen Behinderungen bei. Die aktuellen Behandlungsergebnisse sind suboptimal, insbesondere wenn Komorbiditäten wie Depressionen vorliegen. Dies legt nahe, dass zusätzliche neuartige Behandlungsansätze erforderlich sind. Die gezielte Beeinflussung des Immunsystems hat in jüngster Zeit bei der Behandlung psychiatrischer Störungen an Aufmerksamkeit gewonnen. Während solche Mechanismen bei Depressionen sehr detailliert untersucht wurden, ist die Rolle der (Neuro-)Inflammation bei Angststörungen viel weniger klar. Im Rahmen des DACH-Projektes zeigen wir zum ersten Mal, dass ein Mausmodell mit erhöhter Eigenschafts-(Trait) Angst (HAB) im Vergleich zu normalen Angstkontrollen (NAB) Anzeichen einer zentralen Neuroinflammation aufweist, wie z. B. eine erhöhte Mikrogliadichte und phagozytische Aktivität sowie eine Zunahme proinflammatorischer Zytokine in Schlüsselregionen der Angstschaltkreise. Diese Ergebnisse waren mit Anzeichen einer verringerten Neuroplastizität verbunden, z. B. einer verringerten hippocampalen Neurogenese. Eine Exposition mit Lipopolysaccharid in niedriger Dosierung löste eine verstärkte Reaktion einer breiten Palette von Zytokinen im Plasma aus, was auf eine erhöhte Kapazität für reizinduzierte Entzündungen bei HABs hindeutet. Dies könnte auch ein potenzieller Biomarker-Ansatz zur Identifizierung (und nachfolgender Stratifizierung) von Untergruppen von Angstpatienten mit Entzündungsphänotyp sein. Wir konnten nachweisen, dass sowohl die chronische systemische als auch die lokal im Gehirn erfolgte Applikation eines entzündungshemmenden Medikaments, das die Mikrogliaaktivierung reduziert, die übermäßige Angst bei HABs lindert, und liefern damit den kausalen Zusammenhang, dass Neuroinflammation tatsächlich mit pathologischer Angst verbunden ist. Entzündungshemmende Interventionen in einem frühen Entwicklungsstadium konnten die Entwicklung von Hyperangst bei HABs jedoch nicht verhindern. Da auch positive psychologische Einflüsse Entzündungsreaktionen modulieren können, testeten wir die Haltung von Mäusen in einer besonders für sie stimulierenden Umgebung und fanden heraus, dass die Abschwächung der Angst bei HABs unter diesen Bedingungen weitgehend mit der Normalisierung neuroinflammatorischer Dysbalance, einschließlich der Mikrogliamorphologie und -aktivierung, einherging. Um Mikroglia genauer zu untersuchen, implementierten wir eine Deep Learning assoziierte, verbesserte Biobildanalyse (in Zusammenarbeit mit Robert Blum, Würzburg, Deutschland) und deckten so eine veränderte räumlich-zeitliche Verteilung verschiedener Mikroglia-Morphotypen (Cluster) in HABs im Vergleich zu NABs auf. Schließlich fanden wir mithilfe von Einzelzellsequenzierung Hinweise auf einen Geschlechtsdimorphismus bei der mikroglialen Synapseneliminierung ("Pruning") in HABs. Diese Daten legen nahe, dass geschlechtsabhängige Behandlungsansätze in Betracht gezogen werden müssen, wenn auf das Entzündungssystem bei Angststörungen therapeutisch abgezielt wird. Zusammengefasst könnten pharmakologische und/oder umweltbedingte Ansätze, die via Mikrogliamodulation entzündungshemmende Wirkungen auslösen, als neue alternative oder komplementäre angstlösende Therapieoptionen bei bestimmten Untergruppen von Angstpatient*innen mit Entzündungsphänotyp vielversprechend sein.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Innsbruck - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Susanne A. Wolf, Max Delbrück Centrum für molekulare Medizin - Deutschland

Research Output

  • 175 Zitationen
  • 10 Publikationen
  • 1 Policies
  • 2 Methoden & Materialien
  • 1 Datasets & Models
  • 1 Disseminationen
  • 8 Wissenschaftliche Auszeichnungen
Publikationen
  • 2024
    Titel Microglial sex differences in innate high anxiety and modulatory effects of minocycline.
    DOI 10.1016/j.bbi.2024.03.035
    Typ Journal Article
    Autor Sah A
    Journal Brain, behavior, and immunity
    Seiten 465-481
  • 2020
    Titel Microglial ablation in rats disrupts the circadian system
    DOI 10.1096/fj.202001555rr
    Typ Journal Article
    Autor Sominsky L
    Journal The FASEB Journal
  • 2020
    Titel The role of the neuro-immune axis in high trait anxiety and risk for stress-related pathologies
    Typ PhD Thesis
    Autor Rooney Sinead
  • 2020
    Titel On the objectivity, reliability, and validity of deep learning enabled bioimage analyses
    DOI 10.7554/elife.59780
    Typ Journal Article
    Autor Segebarth D
    Journal eLife
    Link Publikation
  • 2023
    Titel Sex-specific microglia state in the Neuroligin-4 knock-out mouse model of autism spectrum disorder.
    DOI 10.1016/j.bbi.2023.03.023
    Typ Journal Article
    Autor Guneykaya D
    Journal Brain, behavior, and immunity
    Seiten 61-75
  • 2023
    Titel Abstracts of the WASAD Congress 2023: an International Congress of the World Association for Stress Related and Anxiety Disorders, held on 11-13 September 2023 in Zurich, Switzerland.
    DOI 10.1007/s00702-023-02717-3
    Typ Journal Article
    Journal Journal of neural transmission (Vienna, Austria : 1996)
    Seiten 1609-1639
  • 2023
    Titel Alleviating anxiety and taming trauma: Novel pharmacotherapeutics for anxiety disorders and posttraumatic stress disorder.
    DOI 10.1016/j.neuropharm.2023.109418
    Typ Journal Article
    Autor Sartori Sb
    Journal Neuropharmacology
    Seiten 109418
  • 2022
    Titel Enriched Environment Attenuates Enhanced Trait Anxiety in Association with Normalization of Aberrant Neuro-Inflammatory Events
    DOI 10.3390/ijms232113052
    Typ Journal Article
    Autor Sah A
    Journal International Journal of Molecular Sciences
    Seiten 13052
    Link Publikation
  • 2022
    Titel Brain-derived neurotrophic factor expression in serotonergic neurons improves stress resilience and promotes adult hippocampal neurogenesis
    DOI 10.1016/j.pneurobio.2022.102333
    Typ Journal Article
    Autor Leschik J
    Journal Progress in Neurobiology
    Seiten 102333
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Neuroinflammatory alterations in trait anxiety: modulatory effects of minocycline
    DOI 10.1038/s41398-020-00942-y
    Typ Journal Article
    Autor Rooney S
    Journal Translational Psychiatry
    Seiten 256
    Link Publikation
Policies
  • 2020
    Titel Classification of severity score in animal behavioral testing
    Typ Contribution to a national consultation/review
Methoden & Materialien
  • 2020 Link
    Titel DeepFLaSh, a deep learning pipeline for segmentation of fluorescent labels in microscopy images
    Typ Technology assay or reagent
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
  • 0
    Titel An automated pipeline for microglial morphological analysis
    Typ Technology assay or reagent
    Öffentlich zugänglich
Datasets & Models
  • 2024 Link
    Titel Singlecell RNA sequencing data of microglial cells
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
Disseminationen
  • 2020
    Titel Brain Day
    Typ Participation in an open day or visit at my research institution
Wissenschaftliche Auszeichnungen
  • 2022
    Titel 22nd International Winter Neuroscience Conference (INWC2022), Sölden, 05.04.2022
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2020
    Titel 39th International Winter-Workshop Clinical, Chemical and Biochemical Aspects of Pteridines and Related Topics, Innsbruck, 26.02.2020.
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2019
    Titel Life Science PhD Meeting Innsbruck 2019, Innsbruck, 26.04.2019.
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Regional (any country)
  • 2019
    Titel Kurzfristige Wissenschaftliche Arbeiten im Ausland (KWA)
    Typ Attracted visiting staff or user to your research group
    Bekanntheitsgrad National (any country)
  • 2019
    Titel 7th Mediterranean Neuroscience (MNS) conference, Marrakech, 24.06.2019.
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2019
    Titel ECNP Best Poster Award
    Typ Poster/abstract prize
    Bekanntheitsgrad Continental/International
  • 2019
    Titel Best Poster Award at Life Science PhD Meeting
    Typ Research prize
    Bekanntheitsgrad National (any country)
  • 2023
    Titel Speaker at WASAD Congress 2023, Zürich, 11.09.2023.
    Typ Personally asked as a key note speaker to a conference
    Bekanntheitsgrad Continental/International

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