Politischer und medialer Populismus: die "Flüchtlingskrise"
Political and Media Populism: "refugee crisis"
Bilaterale Ausschreibung: Slowenien
Wissenschaftsdisziplinen
Medien- und Kommunikationswissenschaften (30%); Politikwissenschaften (70%)
Keywords
-
Right-Wing Populism,
Media Populism,
Exclusionary
Das Forschungsprojekt untersucht die Zusammenhänge zwischen Parteien, Medien und Rechtspopulismus im Hinblick auf die sogenannte Flüchtlingskrise 2015/16 in Länder vergleichender Weise. Den geschichtlichen Hintergrund bildet die Erosion der traditionellen Parteiendemokratien und der Aufschwung einer populistischen Demokratie mit Fokus auf mediale Präsenz, Meinungsumfragen und PR-Experten. Die Veränderungen der demokratischen Verhältnisse führten speziell zum Aufstieg rechter populistischer Akteure, die gegen die Elite oder gegen interne wie externe Andere mobilisier(t)en. Die große Zahl an Flüchtlingen, die über die Balkanroute versuchte, den Krisen- und Kriegsgebieten v.a. im Nahen Osten zu entkommen, befeuerte diesen Populismus in Slowenien und Österreich und führte zur öffentlichen Wahrnehmung von Flüchtlingen als gefährlich, kulturell nicht integrationsfähig und bedrohlich für die nationale Sicherheit und die nationalen Wohlfahrtssysteme. Vor diesem Hintergrund versucht das Forschungsprojekt auf neuartige Weise den rechten exkludierenden Populismus der Jahre 2015 bis 2018 zu untersuchen aufbauend auf gemeinsamen Forschungsvorarbeiten zum Medien- und Internet-Populismus. Der Fokus der Analyse liegt auf dem Zusammenspiel dreier Entwicklungen: a) auf dem politischen Feld und den politischen Entscheidungsprozessen, b) des journalistischen Feldes und der Berichterstattung über Migrationspolitik und c) der öffentliche Wahrnehmung von Migration. Von besonderer Bedeutung erscheint das Entstehen einer Politik, die auf Angst und Unsicherheit setzt, die die Emotionen der Menschen adressiert und die Furcht vor sozialem Abstieg in Wut gegen Flüchtlinge verwandelt. Das dynamische Zusammenspiel zwischen politischen Strategien und medialer Aufbereitung die Parallele zwischen Politik und Medien ist daher wesentlicher Gegenstand der Untersuchung ebenso die Frage, wie die politische und mediale Rahmung der Flüchtlingspolitik in der Öffentlichkeit rezipiert und zum Common sense wird. Das Projekt wird einen vielfältigen Mix an Methoden verwenden, um das politisch-mediale Zusammenspiel und die Veränderungen in der öffentlichen Wahrnehmung von Geflüchteten und Zuwanderung zu untersuchen: etwa ExpertInnen-Interviews mit PolitikerInnen und Medienfachleuten, Rahmen-undDiskursanalysen vonParteiprogrammen, migrationspolitischen (Parlaments-)Debatten und von Nachrichtensendungen und Blogs, oder auch quantitative Surveys und Sekundärauswertungen von Umfragedaten zu politischen Einstellungen. Das Forschungsprojekt fügt den bis dato existierenden Erkenntnissen über Rechtspopulismus eine mediale Dimension hinzu (nicht zuletzt mit einem Fokus auf digitale Medien), es ergänzt bisherige (vorwiegend) rationalistische Erklärungen durch die Untersuchung emotionaler und affektiver populistischer Mobilisierung. Im Zentrum der Untersuchung steht die gegenwärtig auffälligste Form rechtspopulistischer Exklusion: die soziale Ausschließung von Geflüchteten und Schutzsuchenden.
Das übergeordnete Ziel des Forschungsprojekts Pop-Med war, das Erstarken rechtspopulistischer Akteur*innen zu erklären und zu einem besseren Verständnis der Rolle von Affekten und der Bedeutung der Medien für rechtspopulistische Mobilisierung beizutragen. Wir analysierten die antagonistische, vor allem ausgrenzende Kommunikation nach der sogenannten "Flüchtlingskrise" 2015 in zwei Ländern, die bisher in Bezug auf rechtspopulistische Tendenzen noch nicht miteinander verglichen wurden, nämlich Österreich und Slowenien. Das Material unserer Studie waren parlamentarische Debatten über die Änderungen von Migrations- und Integrationsgesetzen nach dem "Sommer der Migration", begleitende Medienberichterstattung, sowie populistische Äußerungen von Bürger*innen in Onlinekommentaren. Dazu entwickelten wir zwei Analyseinstrumente, zum einen eine qualitative "Kritische affektsensitive Frame-Analyse", die auf populistische und affektive Sprache abzielt, und zum anderen ein quantitatives Software-Tool zur automatisierten Textanalyse, das R-Paket "dictvectoR". Darüber hinaus führten wir Interviews mit Journalist*innen, um herauszufinden, wie sie die Veränderungen in der journalistischen Praxis und Ethik in Zeiten des ausgrenzenden Populismus wahrnehmen. Schließlich interessierten wir uns für die Veränderungen in der öffentlichen Wahrnehmung von Migration und Migrationspolitik in den beiden Ländern. Um dies herauszufinden, verglichen wir Meinungsumfragen in beiden Ländern sowie die Online-Kommunikation in sozialen Medien. Zusammengefasst erzielte das Forschungsprojekt folgende Ergebnisse: Erstens konnten wir zeigen, dass rechtspopulistische Ausgrenzung auf einer Strategie des "Regierens durch Affekte" basiert. Die affektsensitive Frame-Analyse von Parlamentsdebatten arbeitete heraus, dass und wie die Herstellung von Angst und Wut, aber auch Hoffnung und Liebe die kommunikativen Konstruktionen von rechtspopulistischen Antagonismen untermauert. Die beiden Länder weisen hier Ähnlichkeiten auf, doch ein Unterschied wurde sehr deutlich: Während österreichische Parlamentarier*innen die zivilisatorische Bedrohung durch Migration betonten, waren die slowenischen mehr um nationale Grenzen und Staatlichkeit besorgt. Zweitens machte unser kommunikationszentrierter Ansatz sichtbar, dass rechtspopulistische affektive Sprache nicht nur in der Kommunikation rechtspopulistischer Parteien zu finden ist, sondern auch in Äußerungen von Mainstream-Parteien. Drittens wurde durch unsere Studie deutlich, dass auch Journalist*innen und Nutzer*innen von Social-Media-Plattformen affektiv-ausgrenzende Kommunikationsmuster verwenden und diese verstärken. Dies gilt viertens auch für die affektive Geschlechterdimension, die sehr präsent war. Unsere Studie ermöglichte es uns, die Konturen einer entstehenden affektiven "maskulinistischen Konjunktur" im ausgrenzenden Rechtspopulismus zu identifizieren. Fünftens hat unsere Analyse von Online-Plattformen die Folgen der nutzergenerierten rechtspopulistischen Kommunikation für (anti-)demokratische Diskussionen im Netz aufgezeigt.
- Universität Wien - 100%
- Mojca Pajnik, The Peace Institute - Slowenien
Research Output
- 77 Zitationen
- 18 Publikationen
- 1 Datasets & Models
- 1 Software
- 5 Disseminationen
- 2 Wissenschaftliche Auszeichnungen
- 1 Weitere Förderungen
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2020
Titel Rechtspopulismus als maskulinistische Identitätspolitik; In: Konkurrenz für das Alphamännchen? Politische Repräsentation und Geschlecht Typ Book Chapter Autor Sauer B Verlag Ulrike Helmer Verlag Seiten 135-145 -
2023
Titel Borderless fear? DOI 10.1075/jlp.22026.thi Typ Journal Article Autor Thiele D Journal Journal of Language and Politics Seiten 176-196 Link Publikation -
2023
Titel Konjunktur der Männlichkeit. Affektive Strategien der autoritären Rechten Typ Book Autor Penz O Verlag Campus -
2023
Titel Konjunktur der Männlichkeit Typ Book Autor Penz Verlag Campus -
2024
Titel Women, gender and right-wing authoritarian populism DOI 10.4337/9781035324705.00022 Typ Book Chapter Autor Sauer B Verlag Edward Elgar Publishing Seiten 288-307 -
2021
Titel Rechtspopulismus und Geschlecht im Internet: Wie rechtspopulistische Parteien Geschlecht und Sexualität verhandeln DOI 10.1007/978-3-658-20712-0_38-1 Typ Book Chapter Autor Sauer B Verlag Springer Nature Seiten 1-9 -
2022
Titel How Right-Wing Populist Comments Affect Online Deliberation on News Media Facebook Pages DOI 10.17645/mac.v10i4.5690 Typ Journal Article Autor Thiele D Journal Media and Communication Seiten 141-154 Link Publikation -
2022
Titel Contested integration: hegemony projects in the field of education in Austria DOI 10.1080/19460171.2022.2149582 Typ Journal Article Autor Dursun A Journal Critical Policy Studies Seiten 464-483 Link Publikation -
2021
Titel Neuer Autoritarismus und Geschlecht. Rechtspopulistische Demokratievorstellungen Typ Journal Article Autor Sauer B Journal Kurswechsel -
2021
Titel Right-wing populist affective governing: a frame analysis of Austrian parliamentary debates on migration DOI 10.1080/0031322x.2021.2014089 Typ Journal Article Autor Thiele D Journal Patterns of Prejudice Seiten 457-477 Link Publikation -
2020
Titel Authoritarian Right-Wing Populism as Masculinist Identity Politics. The Role of Affects DOI 10.14361/9783839449806-002 Typ Book Chapter Autor Sauer B Verlag Transcript Verlag Seiten 23-40 -
2020
Titel Gender Equality in Politics, Implementing Party Quotas in Germany and Austria DOI 10.1007/978-3-030-34895-3 Typ Book Autor Ahrens P Verlag Springer Nature -
2022
Titel Radical right populist debates on female Muslim body-coverings in Austria. Between biopolitics and necropolitics DOI 10.1080/1070289x.2022.2071515 Typ Journal Article Autor Sauer B Journal Identities Seiten 447-465 Link Publikation -
2022
Titel Challenging cultures of rejection DOI 10.1080/0031322x.2023.2226947 Typ Journal Article Autor Bojanic S Journal Patterns of Prejudice Seiten 315-335 Link Publikation -
2023
Titel Masculinity of the modern Western state and of state institutions DOI 10.4324/9781003193579-21 Typ Book Chapter Autor Sauer B Verlag Taylor & Francis Seiten 249-261 -
2023
Titel Narrating Paradox Affects: Unaccompanied Minor Asylum-Seekers in Austria DOI 10.21827/ejlw.12.41230 Typ Journal Article Autor Dursun A Journal European Journal of Life Writing Link Publikation -
2023
Titel The in_visibilization of emotions in politics. Ambivalences of an ‘affective democracy’ DOI 10.1080/09589236.2023.2227116 Typ Journal Article Autor Sauer B Journal Journal of Gender Studies Seiten 819-831 -
2019
Titel Inclusive Political Intersections of Migration, Race, Gender and Sexuality – The Cases of Austria and Denmark DOI 10.1080/08038740.2019.1681510 Typ Journal Article Autor Sauer B Journal NORA - Nordic Journal of Feminist and Gender Research Seiten 56-69 Link Publikation
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2022
Link
Titel Replication Data for: How Right-Wing Populist Comments Affect Online Deliberation on News Media Facebook Pages DOI 10.7910/dvn/pp9ort Typ Database/Collection of data Öffentlich zugänglich Link Link
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2022
Link
Titel thieled/dictvectoR: v0.0.1 DOI 10.5281/zenodo.7079600 Link Link
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2024
Titel Press conference for national journalists, Platform Diskurs Typ A press release, press conference or response to a media enquiry/interview -
2023
Titel conference presentation Typ Participation in an activity, workshop or similar -
2021
Titel International conference "After the summer of migration: right-wing populism, media and affect", Ljubljana, hybrid, September 16-17, 2021. Typ Participation in an activity, workshop or similar -
2023
Titel book presentations "Konjunktur der Männlichkeit" Typ A talk or presentation -
2021
Titel National symposium "Ist Populismus ansteckend? Zur Normalisierung rechtspopulistischer Kommunikation in Krisenzeiten", as part of the IPW-Lecture series, University of Vienna, Online, May 17, 2021. Typ Participation in an activity, workshop or similar
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2022
Titel EJC Travel Grant Typ Research prize Bekanntheitsgrad Continental/International -
2019
Titel Best Paper Award of the ECPR Standing Group on Political Communication at the ECPR General Conference 2019 Typ Research prize Bekanntheitsgrad Continental/International
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2020
Titel Populist Backlash and Democratic Backsliding Typ Other Förderbeginn 2020 Geldgeber Austrian Science Fund (FWF)