Geschlechterdisparitäten bei Krankheit & Pflegebedürftigkeit (FUTUREGEN GNP66)
Evolving gender differences in health & care across cohorts (FUTUREGEN GNP66)
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Sozialwissenschaften (15%); Gesundheitswissenschaften (35%); Soziologie (50%)
Keywords
-
Ageing,
Cohort,
Sex Differences,
Gender,
(long-term) care,
Health Inequalities
Frauen leben im Durchschnitt länger als Männer, allerdings verbringen sie einen größeren Teil ihres Lebens mit gesundheitlichen Einschränkungen. Im Vergleich zu älteren Männern nutzen Frauen daher im Alter häufiger Pflegedienste, sind allerdings auch mit höherer Wahrscheinlichkeit pflegende Angehörige. Krankheit und Pflegebedürftigkeit sind zwei wesentliche Bereiche, in denen Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen nachweisbar sind. FUTUREGEN will besser verstehen, wie sich geschlechtsspezifische (GENder) Unterschiede bei Krankheit, Pflegebedürftigkeit und Erbringung von Pflegeleistungen über Generationen (GEN) hinweg sowie im Zusammenhang mit dem kulturellen und sozialen Wandel entwickeln. Aus diesen Erkenntnissen werden mögliche Tendenzen von Geschlechterdisparitäten in der Zukunft (FUTURE) abgeleitet, um individuelle und politische Maßnahmen zur Gegensteuerung vorzuschlagen. Die bestehenden geschlechtsspezifischen Unterschiede im Bereich Gesundheit und Pflege können den derzeitigen gesellschaftlichen Bedingungen und dem Lebenslauf von Männern und Frauen zugeschrieben werden. Beide Aspekte sind in ständigem Wandel begriffen, aber wir wissen derzeit wenig darüber, wie diese Veränderungen die aktuellen geschlechtsspezifischen Unterschiede in den Bereichen Gesundheit und Pflege ausgeprägt sind. Wir können daher zukünftige Geschlechterunterschiede nicht vorhersagen oder entsprechende Verbesserungen entwickeln. Nehmen die gesundheitlichen Unterschiede zwischen Männern und Frauen ab, wenn Frauen größere wirtschaftliche Unabhängigkeit erreichen? Führen die sich wandelnden kulturellen Normen dazu, dass künftige Generationen älterer Männer mehr Betreuungsleistungen erbringen? Wie hängen geschlechtsspezifische Ungleichheiten in Gesundheit und Pflege mit sonstigen sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen zusammen? Da Männer und Frauen ihre Gesundheit unterschiedlich einschätzen, stellt sich auch die Frage, welche gesundheitspolitischen Maßnahmen geschlechtsspezifische Ungleichheiten entgegenwirken können? Um diese Fragen für Europa und Nordamerika zu beantworten, wird das FUTUREGEN-Team auf dem Fachwissen der ForscherInnen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Gebieten aufbauen. Dabei werden einerseits neuartige quantitative Methoden auf vergleichbare internationale Datensätze angewendet. Andererseits wird durch beteiligende Forschungsmethoden sichergestellt, dass auch die Ansichten älterer Menschen zu Altern, Gesundheit und Pflegebedürftigkeit in die Forschungsergebnisse einfließen. FUTUREGEN wird einen dynamischen Ansatz zur Untersuchung von Geschlechterunter-schieden im Bereich Gesundheit und Pflegebedürftigkeit über Zeit und Ort hinweg verfolgen, um die Auswirkungen vergangener und aktueller politischer Maßnahmen und gesellschaftlicher Veränderungen aufzuzeigen. Dadurch wird das verfügbare Wissen in diesem Bereich verbessert, um politische Maßnahmen entwickeln zu können, welche den Ursachen von Geschlechterunterschieden in Zukunft entgegenwirken. Fundiertes Wissen über das Zusammenspiel von Geschlecht und sozialen bzw. wirtschaftlichen Bedingungen (z.B. Klassenzugehörigkeit, Bildung, Wohlstand) wird auch eine bessere Ausrichtung politischer Strategien auf unterschiedliche Zielgruppen ermöglichen.
Frauen leben im Durchschnitt länger als Männer, allerdings verbringen sie einen größeren Teil ihres Lebens mit gesundheitlichen Einschränkungen. Im Vergleich zu älteren Männern nutzen Frauen daher im Alter häufiger Pflegedienste, sind allerdings auch mit höherer Wahrscheinlichkeit pflegende Angehörige. Krankheit und Pflegebedürftigkeit sind zwei wesentliche Bereiche, in denen Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen nachweisbar sind. FUTUREGEN will besser verstehen, wie sich geschlechtsspezifische (GENder) Unterschiede bei Krankheit, Pflegebedürftigkeit und Erbringung von Pflegeleistungen über Generationen (GEN) hinweg entwickeln. Genauer, werden Gesundheitsungleichheiten zwischen Männern und Frauen kleiner wenn Frauen mehr ökonomische Unabhängigkeit erreichen? Werden sich verändernde kulturelle Normen dazu führen dass zukünftige Generationen älterer Männer häufiger pflegen? Wie sind Geschlechterungleichheiten in Gesundheit und Pflege mit sozioökonomischen Bedingungen verknüpft? Die Analyse von Behinderung über mehrere Generationen von älteren Frauen und Männern in Europa bestätigt, dass Frauen besonders in Osteropa und Südeuropa mehr Behinderungen als Männer berichten. Unterschiede zwischen den Generationen waren bei Männern und bei Frauen klein. In einer darauf aufbauenden Auswertung kürzlich publizierter Studien haben wir festgestellt, dass die bestehenden Unterschiede bei Behinderungen nur teilweise durch die sozioökonomischen Vorteile von Männern erklärt werden konnten. Wir haben dann ältere Frauen und Männer in Österreich, Schweden und Kanada zur Bedeutung des '"guten Alterns" interviewt. Sie schätzten Unabhängigkeit, sozialen Kontext (soziale Kontakte und Wohlfahrt) und Partizipation oft als ebenso wichtig wie Gesundheit und Wohlbefinden ein. Es gab keine größeren Unterschiede zwischen den Ansichten von Frauen und Männern, aber Frauen wurden als sozial aktiver im Alter beschrieben. Wir haben auch untersucht, wie Angehörigenpflege für ältere Menschen sich über unterschiedliche Generationen von Frauen und Männern in Europa verändert hat. Frauen jüngerer Generationen waren mit der gleichen Wahrscheinlichkeit pflegende Angehörige wie Frauen älterer Generationen. In den jüngeren Generationen war ein geringerer Anteil der Männer in die Pflege von Eltern und angeheirateten Verwandten involviert, aber ein höherer Anteil hat in der Partnerschaft gepflegt. Wir haben erforscht, ob dies eine Folge von individuellen Meinungen über Geschlechtergleichheit war. Tatsächlich gab es eine höhere Wahrscheinlichkeit dafür, dass Männer Angehörige Pflegen, wenn sie Geschlechtergleichheit stärker befürworten. Bei den Frauen war es umgekehrt. Jedoch pflegen ältere Männer in jüngeren Generationen wahrscheinlich ihre Partnerinnen häufiger, da sie überleben und für längere Zeitspannen als Männer früherer Generationen verheiratet sind. Was passiert mit Frauen und Männern im Alter wenn sie verwitwen? Witwen und Witwer nehmen mit höherer Wahrscheinlichkeit Pflege an. Jedoch nehmen Männer seltener sofort nach der Verwitwung Pflege an, was darauf hindeutet, dass sie beim Partnerverlust anfälliger für ungedeckte Pflegebedarfe sind. In allen unseren Analysen haben wir festgestellt, dass ältere Frauen und Männer keine homogenen Gruppen sind und dass es innerhalb der Frauen und der Männer mit dem sozialen Status in Zusammenhang stehende Unterschiede gibt.
- Susan Phillips, Queen´s University - Kanada
- Stefan Fors, Karolinska Institutet - Schweden
Research Output
- 27 Zitationen
- 5 Publikationen
- 2 Policies
- 6 Disseminationen
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2022
Titel Can Sex Differences in Old Age Disabilities be Attributed to Socioeconomic Conditions? Evidence from a Mapping Review of the Literature DOI 10.1007/s12062-022-09395-1 Typ Journal Article Autor Augustsson E Journal Journal of Population Ageing Seiten 761-780 Link Publikation -
2022
Titel Gender differences in access to community-based care: a longitudinal analysis of widowhood and living arrangements DOI 10.1007/s10433-022-00717-y Typ Journal Article Autor Ilinca S Journal European Journal of Ageing Seiten 1339-1350 Link Publikation -
2022
Titel Cohort-specific disability trajectories among older women and men in Europe 2004–2017 DOI 10.1007/s10433-022-00684-4 Typ Journal Article Autor Fors S Journal European Journal of Ageing Seiten 1111-1119 Link Publikation -
2023
Titel Cohort Trajectories by Age and Gender for Informal Caregiving in Europe Adjusted for Sociodemographic Changes, 2004 and 2015. DOI 10.1093/geronb/gbad011 Typ Journal Article Autor Rehnberg J Journal The journals of gerontology. Series B, Psychological sciences and social sciences Seiten 1412-1422 -
2020
Titel Systematic review of methods used to study the intersecting impact of sex and social locations on health outcomes DOI 10.1016/j.ssmph.2020.100705 Typ Journal Article Autor Phillips S Journal SSM - Population Health Seiten 100705 Link Publikation
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2022
Titel Participation in expert consultation for reform of long-term care system in Lithuania Typ Contribution to a national consultation/review -
2021
Link
Titel PhD workshops on intersectionality methods for inequalities in health and care Typ Influenced training of practitioners or researchers Link Link
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2022
Link
Titel Presentation of Data Navigator to Age Platform Europe Typ Participation in an activity, workshop or similar Link Link -
2021
Link
Titel Policy makers workshop Typ Participation in an activity, workshop or similar Link Link -
2021
Link
Titel Data Navigator Typ Engagement focused website, blog or social media channel Link Link -
2021
Link
Titel Presentation of Data Navigator to Eurocarers Typ Participation in an activity, workshop or similar Link Link -
2020
Titel Webinar at OECD ELSA Typ Participation in an activity, workshop or similar -
2021
Titel Launch of Data Navigator Typ Participation in an activity, workshop or similar