Mineraleinschlüsse in Granat: Nanostrukturen-Texturen-Genese
Mineral inclusions in garnet: nanostructure-texture-genesis
Bilaterale Ausschreibung: Slowenien
Wissenschaftsdisziplinen
Geowissenschaften (75%); Physik, Astronomie (25%)
Keywords
-
Mineral Inclusions,
Garnet,
Crystallographic Orientation Relationships,
Transmission Electron Microscopy,
Atomic Scale,
Interfaces
Mineraleinschlüsse in Wirtskristallen können wichtige Informationen über die Gesteinsentwicklung liefern. Mikrostrukturelle, kristallographische oder chemische Eigenschaften wie beispielsweise die räumliche Verteilung der Einschlüsse, deren bevorzugte Formorientierung, die Struktur der Grenzfläche zwischen Einschluss und Wirtskristall, bevorzugte Kristallorientierungen von Einschlussgruppen, oder charakteristische Zusammensetzungsvariationen der Mineralphasen werden verwendet, um die Bedingungen und Vorgänge während der Einschlussbildung festzustellen. Es existieren jedoch derzeit keine Kriterien anhand derer die Bildungsmechanismen von Einschlüssen eindeutig identifiziert werden können. Die zur Verfügung stehenden Informationen für die Charakterisierung von Mineraleinschluss Wirtskristall-Systemen sind unterschiedlich, je nachdem, welcher Betrachtungsmaßstab angewandt wird. Durch die Zusammenarbeit von ForscherInnen der Universität Wien (Österreich) und des Jožef-Stefan Instituts in Ljubljana (Slowenien) sollen Mineraleinschlüsse in Granat-Einkristallen mit unterschiedlichsten Analytikmethoden untersucht werden, um komplementäre Informationen von Beobachtungen im Millimeter-, Mikrometer-, Nanometer- und atomaren Bereich zusammenzuführen. Verschiedene Messmethoden und instrumente sind erforderlich, um diese verschiedenen räumlichen Größenordnungen zu erfassen, wobei jede dieser Methoden Stärken und Schwächen aufweist. Messungen in Millimeter- und Mikrometerskala können ausreichend große Probendomänen analysieren, um statistisch relevante Informationen zu liefern. Andererseits erlauben nur zeit- und kostenintensive Detailanalysen mit räumlicher Auflösung im Nanometer- und Angströmbereich, die atomare Anordnung von Kristalldomänen festzustellen. Diese Detailanalysen widerum sind aufgrund des kleinen Probenausschnittes möglicherweise nicht repräsentativ für das gesamte Probenmaterial. Die Kombination der verschiedenen Methoden erscheint daher erfolgversprechend, um die nötige Detailinformation von statistisch aussagekräftig großen Probendomänen zu erhalten. Das Projekt zielt darauf ab, charakteristische mikrostrukturelle, kristallographische und chemische Merkmale von Mineraleinschluss-Wirtskristall-Systemen zu identifizieren, die erlauben, die Bildungsmechanismus von Einschlüssen eindeutig festzustellen, wie beispielsweise i) Überwachsung durch den Wirtskristall, ii) Verwachsung bei gleichzeitiger Einschluss- und Wirtsmineral- Kristallisation, oder iii) Entmischung aus einem präexistierenden Wirtskristall. Die Ergebnisse unserer Forschungsarbeit sollen Werkzeuge bereitstellen, die verlässliche Aussagen über den effektiven Bildungsmechanismus und die Umgebungsbedingungen während der Einschlussgenese ermöglichen. Dies ist relevant einerseits für Geowissenschaftler bei der Analyse der vergangenen Gesteinsentwicklung, andererseits für Materialwissenschaftler bei der Herstellung von Materialien mit definierten Eigenschaften. Weiters soll unsere Forschung zu einem besseren Verständnis des chemischen und mechanischen Verhaltens von polykristallinen (Geo)Materialien unter sich ändernden Umgebungsbedingungen beitragen.
Charakteristische Mikrostrukturen von Mineraleinschlüssen in Granat-Wirtskristallen liefern wichtige Informationen über die Entwicklungsgeschichte von Gesteinen. Um zutreffende Rückschlüsse aus Mikrostrukturbeobachtungen zu ziehen, müssen jene Parameter, welche die Bildung bestimmter Einschlussgefüge kontrollieren, bekannt sein, ebenso wie die zeitliche Einordnung der Einschlussbildung relativ zur Kristallisation des Wirtsminerals. In dem Forschungsprojekt wurden bestimmte geometrische, kristallographische und chemische Charakteristika von Mineraleinschlüssen und ihrem Wirtskristall in Verbindung gesetzt, um diese Merkmale in der Folge bestimmten Bedingungen oder Mechanismen der Einschlussbildung zuzuschreiben. Der Vergleich unterschiedlicher Domänen innerhalb einzelner Granatkristalle, sowie die Gegenüberstellung von Daten von drei unterschiedlichen Gesteinsproben, erlaubte die Identifikation von systematischen Unterschieden und Gemeinsamkeiten. Ein Pegmatoid der Böhmischen Masse (Gars am Kamp, AT), ein Metapegmatit der Koralpe (Wirtbartl, AT) und ein metapelitischer Gneis der Griechischen Rhodopen (Xianthi, GR) wurden mittels unterschiedlicher Analysemethoden untersucht, um das Gesteinsmaterial auf mehreren Größenskalen, vom Handstück (dm-mm) über einzelne Kristalle (mm-nm) bis hin zu einzelnen Atomen (Å) zu charakterisieren. Unter Anwendung eines korrelativen Ansatzes wurden die räumlichen Verteilungen der Einschlussphasen im Wirtskristall, die Beschaffenheit der Grenzflächen zwischen diesen Mineralphasen, die Korngrößen, Korngeometrien und Formvorzugsorientierung nadeliger Einschlüsse, die kristallographischen Orientierungsbeziehungen zwischen Einschluss- und Wirtskristallen, sowie chemische Zusammensetzungsvariationen im Wirtskristall untersucht. Basierend auf diesen korrelierten Datensätzen wurden kristallographische, chemische und kinetische Parameter identifiziert, welche die Bildung von Einschlussmikrostrukturen beeinflussen und mit bestimmten zeitlichen Beziehungen zwischen der Einschluss- und Wirtsmineralkristallisation in Verbindung stehen. Die kristallographische Konfiguration der Wachstumsfacetten von Granat kann eine selektive Wirkung auf Einschlussphasen haben, welche gleichzeitig mit Granat kristallisiert sind. In verschiedenen Wachstumssektoren eines Pegmatoid-Granates herrschen unterschiedliche Einschlussphasen vor (Phosphate in {110}-Sektoren, Ti-Oxide in {112}-Sektoren von Granat), und die Formvorzugsorientierungen und der kristallographischen Orientierungsbeziehungen nadelförmiger Ti-Oxid-Einschlüsse zeigen unterschiedliche Charakteristika. Bei der Interpretation von Einschlussmikrostrukturen ist daher die Art der zugehörigen Granatfacette unbedingt zu beachten. Entstehen Einschlüsse jedoch als Präzipitate in einem präexistierenden Granatkristall, so sind in allen Wirtssektoren gleiche Charakteristika von Formvorzugsorientierungen und kristallographischen Orientierungsbeziehungen zu erwarten. Basierend auf den Häufigkeiten bestimmter Formvorzugsorientierungen von Ti-Oxid-Nadeln in Granat, lässt sich unterscheiden, ob diese Einschlüsse während oder nach der Wirtsmineralbildung entstanden sind, und zwar unabhängig von einer magmatischen oder metamorphen Entstehung. Weiters beeinflussen chemische Faktoren die Bildung von Mikrostrukturen in den beiden untersuchten pegmatitischen Gesteinen, wenngleich diese Proben systematische Gemeinsamkeiten und Unterschiede zeigen. Unterschiedliche Einschlussmikrostrukturen in unterschiedlichen Wachstumszonen eines bestimmten Granatsektors können auf Änderungen der Schmelzzusammensetzung (in Bezug auf P-, OH-, Si-, Na-Gehalte) durch fraktionierte Kristallisation zurückgeführt werden, welche mit Änderungen der Korngröße, Geometrie, Formvorzugsorientierungscharakteristik und kristallographischen Orientierungsbeziehungen von Ti-Oxid-Einschlüssen in Granat verknüpft sind. Die Einflüsse der chemischen Parameter stehen in Wechselwirkung mit kinetischen Parametern, da Änderungen der Schmelzeigenschaften auch die Raten von chemischer Diffusion, sowie die relativen Raten von Keimbildung und Kristallwachstum der Wirts- und Einschlussminerale beeinflussen. Diese wechselseitigen Interaktionen prägen die Bildung von Mikrostrukturen von Mineraleinschlüssen in magmatisch kristallisiertem Granat.
- Universität Wien - 100%
- Olga Ageeva, Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Aleksander Recnik, Jozef Stefan Institute - Slowenien
- Goran Dražic, National Institute of Chemistry - Slowenien
- Nina Daneu, University of Ljubljana - Slowenien
Research Output
- 10 Zitationen
- 13 Publikationen
- 1 Datasets & Models
- 2 Wissenschaftliche Auszeichnungen
-
2025
Titel Systematic variations in shape preferred orientation and crystallographic orientation relationships of rutile inclusions in garnet upon fractional crystallization of pegmatoid melt DOI 10.5194/egusphere-egu24-11567 Typ Other Autor Griffiths T -
2024
Titel Variations in orientation relationships between rutile inclusions and garnet host relate to magmatic growth zoning. DOI 10.1007/s00410-024-02146-9 Typ Journal Article Autor Griffiths Ta Journal Contributions to mineralogy and petrology. Beitrage zur Mineralogie und Petrologie Seiten 69 -
2024
Titel Directed growth of a sector-zoned garnet in a pegmatoid from the Bohemian Massif, Austria DOI 10.1016/j.lithos.2023.107461 Typ Journal Article Autor Alifirova T Journal Lithos -
2023
Titel Nanoinclusions in apparently inclusion-free sector-zoned pegmatoid garnet - their impact on P, Ti and Na concentrations DOI 10.5194/egusphere-egu23-4836 Typ Other Autor Alifirova T -
2021
Titel MICROSTRUCTURE AND ORIENTATION RELATIONSHIPS OF A GARNET HOST CRYSTAL AND RUTILE INCLUSIONS IN A PEGMATITE FROM THE MOLDANUBIAN ZONE (BOHEMIAN MASSIF, AT) Typ Other Autor Griffiths T Konferenz MinPet 2021 Seiten 115 -
2021
Titel Combining crystallographic orientation relationships and microstructures to determine mineral inclusion origins Typ Other Autor Griffiths T Konferenz EMC2020 -
2022
Titel Micro- to nanoscale features of rutile needles in metapegmatite garnet Typ Other Autor Alifirova T Konferenz 14th International Eclogite Conference 2022 -
2022
Titel GARNET GROWTH IN A KYANITE-BEARING PERALUMINOUS PEGMATOID FROM THE MOLDANUBIAN ZONE (BOHEMIAN MASSIF, AT) Typ Other Autor Griffiths T Konferenz GeoMinKöln 2022 -
2022
Titel Atomic scale structure of garnet rutile interfaces in host inclusion systems Typ Other Autor Alifirova T. Konferenz IMA 2022 -
2023
Titel Petrogenetic information stored in needle-shaped rutile inclusions in pegmatoid garnet Typ Other Autor Griffiths T Konferenz MinWien2023 -
2023
Titel Microstructure, shape and crystallographic orientation relationships of inclusions in metapelite garnet (Xanthi, Greece) DOI 10.25365/thesis.73248 Typ Other Autor Müller M Link Publikation -
2020
Titel Determining the origin of inclusions in garnet: Challenges and new diagnostic criteria DOI 10.2475/11.2020.01 Typ Journal Article Autor Griffiths T Journal American Journal of Science Seiten 753-789 -
2021
Titel Using electron backscatter diffraction to determine the formation mechanism of mineral inclusions in garnet DOI 10.5194/egusphere-egu21-10116 Typ Journal Article Autor Griffiths T
-
2023
Titel Beate-Mocek-Award 2023 awarded by the German Mineralogical Society (DMG) Typ Research prize Bekanntheitsgrad Continental/International -
2021
Titel Combining crystallographic orientation relationships and microstructures to determine mineral inclusion origins Typ Personally asked as a key note speaker to a conference Bekanntheitsgrad Continental/International